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Aufsehenerregender Mordprozess um getötete Bankerin in Tirol

Auftakt im Tiroler Goldmord-Prozess - 52-jähriger Ex-Polizist auf Anklagebank.
Auftakt im Tiroler Goldmord-Prozess - 52-jähriger Ex-Polizist auf Anklagebank. ©APA
Nach dem Tod einer 49-jährigen leitenden Tiroler Bankangestellten Mitte März 2012 hat am Dienstag am Innsbrucker Landesgericht der Prozess gegen einen 52-jährigen Ex-Polizisten begonnen.
Auftakt im Goldmord-Prozess
Goldmord: Ex-Polizist beteuert Unschuld
LKA Vorarlberg schloss Ermittlungen ab

Der Mann muss sich wegen Mordes und darüber hinaus wegen Mordversuchs verantworten. Drei Kamerateams, Fotografen und Journalisten umringten den von acht Polizisten bewachten früheren Beamten. Der Schwurgerichtssaal war bis auf den letzten Platz besetzt.60 Platzkarten waren im Vorfeld für die beiden ersten Verhandlungstage am Dienstag und Mittwoch verteilt worden. Binnen 15 Minuten waren sie vergriffen.

Polizist könnte lebenslängliche Haft drohen

Die Spannung unter den Besuchern im Gerichtssaal war vor dem Erscheinen des Angeklagten förmlich zu greifen. Der 52-Jährige machte einen gefassten Eindruck und blieb äußerlich völlig regungslos. Dem Beschuldigten drohen im Fall einer Verurteilung zehn bis 20 Jahre Haft oder lebenslänglich.

Anklage: Goldbarren als Motiv

Dem Mann wird zur Last gelegt, die Bankangestellte am 15. März 2012 in Wiesing vorsätzlich getötet zu haben, indem er sie zunächst mit Chloroform betäubt, mit Benzin übergossen und schließlich den Pkw, in dem sie saß, mit zwei Signalfackeln in Brand gesetzt hatte. Als Motiv sieht die Anklagebehörde acht Goldbarren im Wert von 333.388 Euro. Diese blieben bisher unauffindbar.

Zudem muss sich der Ex-Polizist unter anderem wegen des Mordversuchs an einem Kollegen bei seinem Fluchtversuch im Zuge der ersten polizeilichen Einvernahme verantworten. Dabei hatte der Verdächtige eine geladene Dienstwaffe eines Beamten an sich gerissen, gegen diesen gerichtet und den Abzug betätigt, ehe er auf der Straße erneut überwältigt werden konnte. Nur durch Zufall hatte sich jedoch kein Schuss gelöst. Ein Urteil wurde für den 3. Mai erwartet.

Ankläger sieht “außergewöhnliche” Ermittlungen

Staatsanwalt Markus Grüner hat das Ermittlungsverfahren in dem Fall der Mitte März 2012 getöteten 49-jährigen Tiroler Bankangestellten als “außergewöhnlich” bezeichnet. Eine Vielzahl von Ermittlern sei involviert gewesen. Der Angeklagte, der zunächst als Zeuge befragt worden sei, wurde insgesamt elf Mal vernommen. Im Zuge dessen habe er sich immer wieder in Widersprüche verstrickt.

Staatsanwalt Markus Grüner hat das Ermittlungsverfahren in dem Fall der Mitte März 2012 getöteten 49-jährigen Tiroler Bankangestellten als “außergewöhnlich” bezeichnet. Eine Vielzahl von Ermittlern sei involviert gewesen. Der Angeklagte, der zunächst als Zeuge befragt worden sei, wurde insgesamt elf Mal vernommen. Im Zuge dessen habe er sich immer wieder in Widersprüche verstrickt.Laut dem Ankläger hatte der Beschuldigte bis zuletzt Angaben zur Sache gemacht: Diese seien aber immer “höchst unterschiedlich” ausgefallen, teilweise habe er sie widerrufen und geändert, da er auf Ermittlungsergebnisse reagieren habe müssen. Die Details der Befragungen würden aber den Rahmen sprengen, betonte Grüner.

Unmittelbar nach der Tat sei der Angeklagte als Zeuge befragt worden, weil er mit dem Opfer eine Beziehung unterhalten habe. Der Angeklagte gab zunächst an, dass die 49-Jährige wohl Selbstmord begangen habe. Nachdem die ersten Widersprüche aufgekommen seien, wurden die Angaben des Ex-Polizisten laut Anklage nebulos: “Er habe etwas Furchtbares mitansehen müssen”, gab er demnach an und räumte zuletzt ein, dass das Opfer gemeinsam mit ihm einen Raub vortäuschen habe wollen. Dafür habe er verschiedene Tatmittel zur Verfügung gestellt, unter anderem zwei Signalfackeln, Chloroform und einen Stofffetzen. Als sich Mitte Mai schließlich der Tatverdacht erhärtet habe, wollte der 52-Jährige keine Angaben mehr machen.

Der Ex-Polizist habe zunächst eine Lehre als Chemielaborant begonnen, die er dann aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen habe. Danach trat er in den Polizeidienst ein, indem er fast 27 Jahre tätig war, erläuterte der Staatsanwalt. Im Zuge dessen habe er auch ein Ausbildung als Sprengbefugter absolviert. Zudem habe er sich mit Pyrotechnik beschäftigt, zuletzt unterhielt er sogar eine kleine Firma. In den letzen Jahren sei er als Polizist nicht mehr glücklich gewesen, auch im privaten Bereich habe es gewisse Verwerfungen geben, unter anderem die Scheidung von seiner Frau. Das psychiatrische Gutachten bezeichne den Verdächtigen zum Tatzeitpunkt als zurechnungsfähig, habe aber gleichzeitig mangelnde Empathie und fehlendes Gewissen festgestellt, sagte Grüner.

Das Opfer habe seit 30 Jahren bei der Bank gearbeitet, zuletzt als Filialleiterin. Aus ihrem Umfeld seien viele Personen befragt worden, dabei sei sie als “zuverlässig, loyal und fürsorglich” beschrieben worden. Niemand der Befragten habe sich vorstellen können, dass sie ein Geschäft außerhalb der Bank abgeschlossen hätte, außer sie hätte jemanden sehr vertraut, so Grüner.

Der Beschuldigte, der zu dem Opfer einen intimen Kontakt unterhalten habe, sei mit einer bekannten Unternehmerfamilie aus dem Zillertal befreundet gewesen. Das sei dem Opfer bekannt gewesen. Er habe der Bankangestellten vorgetäuscht, für die Familie Gold anschaffen zu wollen. Das sei die einzig plausible Variante, erläuterte der Staatsanwalt die Vorgeschichte der Bluttat. Aufgrund von Auswertungen des Computers und der Telefone des Angeklagten könne man zudem beweisen, dass das spätere Opfer eine ordnungsgemäße Verbuchung vorgenommen habe. “Sie wollte nichts vortäuschen”, meinte der Staatsanwalt, der während seines Eröffnungsplädoyers den Vorlauf der Tat sowie die Tat selbst unter Zuhilfenahme einer Videoleinwand veranschaulichte.

Die Frau habe sich dazu hinreißen lassen, mit dem Gold in den Wald zu fahren. Der Angeklagte habe wohl darauf gedrängt, das Geschäft diskret abzuwickeln. Das spätere Opfer habe auch einer Kollegin gesagt, dass ein reiches Ehepaar aus dem Zillertal hinter dem Goldkauf stehe. Das Chloroform habe der Ex-Polizist sich von einem Freund besorgt, der in einer biochemischen Unternehmen gearbeitet habe. Am Tag vor der Tat habe sich der 52-Jährige zudem auf Google Maps Bilder des Geländes rund um den Tatort angesehen.

Grüner erklärte, dass der Angeklagte die gesamte Kleidung der Frau, den Fußraum des Autos sowie den Sitz mit Benzin übergossen habe. DNA-Spuren des Beschuldigten seien unter anderem auf einer Stoffwindel sowie auf einem Kanister und einem Papierknäuel gefunden worden. Sämtliche Spuren stammen dabei nur vom Angeklagten, argumentierte der Staatsanwalt. Auch auf einem Feuerzeug habe der Beschuldigte seine Abdrücke hinterlassen. (APA)

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