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Auf eigenen Füßen stehen

Feldkirch -  Kinderlachen hört man hier jeden Tag. Und immer wieder mischt sich auch das Lachen von Regina Nopp dazu. Im Rosamichl-Weg am Blasenberg findet man die Caritas-Wohngemeinschaft Mutter und Kind.

Nopp sagt aber meist einfach nur kurz „Muki“ dazu. Die 35-Jährige arbeitet seit elf Jahren als Sozialarbeiterin in der WG. Seit 2003 leitet sie diese. Müde geworden ist sie der Arbeit jedoch nicht. Mit Elan und Hingabe hilft sie Müttern, die in schwierigen Situationen eine Zeit lang Unterstützung brauchen.

„Nahe am Leben“

Nopp leistete schon während der Ausbildung zur diplomierten Sozialarbeiterin Nachtdienste in der Notschlafstelle der Caritas. „Die stationäre Sozialarbeit inte­ressierte mich, deshalb habe ich mich damals in der WG „Muki“ beworben. Ich wollte im Alltag dabei sein, nahe am Leben“, erzählt sie.

Sieben Frauen finden in der Wohngemeinschaft Platz, jede in einer eigenen Wohneinheit. In den letzten Jahren hat Nopp viele Ein- und Auszüge miterlebt. „Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, wieso die Frauen zu uns kommen: Trennung, Delogierung, finanzielle Probleme. Jede Mutter bringt ihre eigene Geschichte mit. Wir unterstützen sie dort, wo sie Hilfe brauchen“, meint sie. Was die 35-Jährige aber besonders freut: „Die Frauen unterstützen sich auch gegenseitig. Alle bringen ihre Talente in die Gemeinschaft ein. Jede macht im Alltag das, was sie am besten kann.“

Die Mütter bleiben bis zu einem Jahr lang. „Bis sie das Gefühl haben, wieder auf eigenen Füßen stehen zu können. Das ist das große Ziel“, erklärt Nopp. Oft gelingt das auch. Die meisten sind nach einem halben Jahr schon soweit. Die Zahl derer, die anschließend in einer eigenen Wohnung selbstständig leben können, steigt. Für Nopp ist das jedes Mal ein besonderes Erlebnis. „Wenn eine Frau das Leben, in dem sie sich wohl fühlt, wiedergefunden hat. Man merkt es auch an den Kindern, dass sie ausgeglichener sind. Sie haben ganz feine Antennen für die Atmosphäre und spüren, ob es der Mama gut geht“, erzählt sie.

Eine Entwicklung beobachtet die Sozialarbeiterin erfreut: „Dass die Kindesväter öfter auftauchen. Sie kümmern sich regelmäßiger und übernehmen Verantwortung, egal ob sie mit der Mutter noch zusammen sind oder nicht.“ Selbstverständlich ist das aber noch nicht. Viele der Mütter müssen auf männliche Unterstützung verzichten. „Es passieren jeden Tag so tolle Dinge im Leben eines Kindes. Ich frage mich dann immer: Weiß der Vater gar nicht, was er verpasst? Das ist für mich einfach nicht nachvollziehbar“, meint Nopp nachdenklich und eine Zeit lang verschwindet das Lächeln auf ihren Lippen.

Besonderer Tag

Der Muttertag hat in der WG eine besondere Bedeutung. Schließlich leben ausschließlich Mütter unter einem Dach. „Dann gibt es meist ein Festtagsfrühstück mit einer kleinen Überraschung“, verrät die Leiterin. Sie erlebt immer wieder, dass die Arbeit von Müttern und Vätern nicht wertgeschätzt wird, gerade wenn sie sehr jung sind. Ihr Wunsch: „Am Muttertag sollten sich nicht nur die Kinder bei den Müttern bedanken. Der Dank sollte auch von Seiten der Gesellschaft kommen.“

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