Auch "Lola" bleibt nicht ewig jung

Bregenz- Am Theater am Kornmarkt ging Mittwochabend im Rahmen der Bregenzer Festspiele die Uraufführung von "Lola" über die Bühne.
Bilder der Fotoprobe

Erwin Steinhauer und Katharina Straßer spielten die Hauptrollen der Koproduktion mit dem Theater in der Josefstadt, das auf Heinrich Manns Roman “Professor Unrat” basiert und sich weitgehend an die Verfilmung “Der Blaue Engel” von Carl von Sternberg hält. “Lola – Der Blaue Engel” kommt ab 17. September auf die Bühne des Theaters in der Josefstadt in Wien.

Der sittenfeste Professor (Steinhauer) will einige seiner testosterongetriebenen Schüler (Rasmus Borkowski und Ferdinand Stahl) vor der Verderbnis retten, um schließlich selbst in der Venusfalle zu enden. Er erliegt dem vermeintlichen Charme der um Jahrzehnte jüngeren Tänzerin Rosa Fröhlich, genannt Lola (Straßer). Prof. Immanuel Rath wirft ihr zuliebe alles hin, wird zum personifizierten Skandal der Kleinstadt. Erwin Steinhauer kommt nach der Pause in Fahrt und ist am stärksten, als sich seine endgültige Demütigung abzeichnet: Um die Kasse der Tingeltangel-Gruppe rund um Lola zu füllen, soll der ehemalige Moralhüter seiner Heimat als Clown regelrecht vorgeführt zu werden.

Schlüsselszenen spielen auf der Varietébühne, der Versuch von Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger als Regisseur dabei das Bregenzer Theaterpublikum mit einzubinden, gelingt nur ansatzweise, auch wenn er durch das gescheite Bühnenbild-Karussell von Rolf Langenfass volle Unterstützung erhält.

Carl Zuckmayer, Robert Liebmann und Karl Gustav Vollmoeller hatten Ende der 1920er den Roman Heinrich Manns von 1904 für Hollywood aufbereitet, Peter Turrini die Josefstadt bei der Bühnenfassung unterstützt. Nicht, dass viele Köche zwangsläufig den Brei verdorben hätten. Das Problem ist einerseits die Zeit, andererseits Marlene Dietrich. Die Aufregung darüber, dass ein Gymnasiallehrer in seiner Freizeit einer Varietétänzerin nachstellt (und sie schlussendlich sogar heiratet), ist heutzutage schlicht nicht mehr nachvollziehbar. Wären da nicht das von der Dietrich gehauchte “Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt” und ihre übereinandergeschlagenen Beine als Meilenstein der Filmgeschichte – es würde wohl kein Hahn mehr nach diesem Stoff krähen.

So hat es Katharina Straßer als “Dietrich-Nachfolgerin” auch am schwersten. Ausgerechnet ihr kommt das Verdienst zu, dass der Abend unterhaltsam wird. Gerade mit ihren fein nuancierten Gesangsparts überzeugt sie als souveräne Lola vollends. Ihr gelingt das Kunststück, Marlene und die Filmvorlage im Hinterkopf zu vergessen. Kongenial unterstützt wird sie dabei von Bela Koreny am Piano. Doch alles andere von “Lola” ist irgendwo seit 1930 auf der Strecke geblieben.

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