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Auch in Vorarlberg war ein KZ geplant

Lochau - Auch Vorarlberg sollte während der NS-Herrschaft von 1938 bis 1945 in die Todesmaschinerie eingespannt werden. Nazis wollten in Lochau ein Außen­lager des KZ Dachau errichten.

„Im Archiv des KZ Dachau gibt es Hinweise, dass in Lochau die Errichtung eines Außenlagers geplant war. Zur Errichtung kam es aber nicht, der Einmarsch der französischen Truppen im April 1945 machte die Pläne zunichte“, erklärt Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Weber, Historiker am Landesarchiv in Bregenz. Berichte, dass es tatsächlich ein „KZ Lochau“ gegeben hat, wie im Online-Lexikon „Wikipedia“ zu lesen ist oder zuletzt bei einer Ausstellung im Jüdischen Museum in Hohenems dargestellt wurde, sind laut Weber unrichtig. „Was zu belegen ist, ist ein Arbeitskommando, das in den letzten Wochen der NS-Diktatur nach Lochau verlegt worden ist.“ Es handelte sich um rund 20 Personen, die von Anfang bis Ende April 1945 in einem Industriegebäude untergebracht waren.

„Anhaltelager“

Nach der Befreiung 1945 wurden ehemalige NS-Größen des Landes in ein Rad-Lager in der Nähe des Industriegebäudes in Lochau gesperrt. Dieses Lager wurde von der Bevölkerung – und von Verwaltungsbehörden – weiterhin als „KZ“ bezeichnet. 1946 erließ der französische Militärgouverneur deshalb einen Erlass, dass die Bezeichnung „KZ“ angesichts des Holocaust falsch ist und die Begriffe „Anhalte- oder Internierungslager“ zu verwenden seien. Ein Konzentrationslager blieb Vorarlberg nur dank des Einmarsches alliierter Truppen erspart.

Illustre Häftlinge

Über das Arbeitslager und die dortigen Lebensbedingungen ist aus Vorarlberger Quellen nichts erhalten. Offiziell eröffnet wurde die Lochauer Außenstelle des KZ Dachau am 7. April 1945. Die rund 20 Häftlinge kamen aus Deutschland, Polen und Slowenien und wurden per Bahn nach Lochau gebracht. Angeblich befanden sich darunter auch ein Medizinprofessor, ein Ingenieur und ein argentinischer Konsul.

Labor für Tabletten

Ihre Arbeit bestand offenbar darin, in dem leer stehenden mehrstöckigen Industriegebäude, das sich sinniger Weise auf einem Brauereigelände befunden hat, ein Labor für chemische Versuche einzurichten. Es ging um die Herstellung von blutstillenden Tabletten für verwundete Wehrmachtssoldaten. Die Versuche wurden ursprünglich im KZ Dachau unter Leitung von Sigmund Rascher begonnen und später von Kurt Plötner in einem KZ-Außenlager in Lindau fortgesetzt. Zeugen berichten, dass das Arbeitslager in Lochau relativ freizügig eingerichtet war. Es gab keinen Stacheldraht, die Häftlinge konnten sich innerhalb des Gebäudes frei bewegen. Kommandant des Lagers war Kurt Plötner. Bewacht wurden die Gefangenen von fünf älteren SS-Männern. Am 25. April wurde das Lager geschlossen, Plötner und die SS ergriffen die Flucht. Die Häftlinge setzten sich nach Lindau ab, wo sie sich teils einer Widerstandsbewegung anschlossen. Wenige Tage später marschierten alliierte Truppen in Vorarlberg ein.

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