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"Asphaltwüste" statt Pflaster: So denkt Sagmeister über die Pläne der Stadt

©VOL.AT/Mayer
Die zweite Etappe der Quartiersentwicklung Leutbühel rückt näher. Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister ist kein Fan der Pläne.
Pflastersteine in Bregenz
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In wenigen Wochen erfolgt der Baustart für die zweite Etappe der Quartiersentwicklung Leutbühel. Rund 2,4 Millionen Euro (brutto) soll dieser Bauabschnitt kosten. Die Maurachgasse soll wieder mit Kleinsteinpflaster gepflastert werden. Für die Barrierefreiheit soll ein 1,2 Meter breiter Streifen mit Granitplatten ausgelegt werden. Das Apothekergäßle wird auf konkreten Wunsch der Anrainer im gleichen Belag ausgeführt wie die Kirchstraße. Bereits seit Start der Umgestaltung machen Verfechter des Pflasters ihrem Unmut Luft. Auch Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister ist kein Fan. Er äußerte bereits mehrmals Kritik an den Plänen der Stadt.

So soll die Maurachgasse aussehen. Bild: Stadt Bregenz

"Pflaster stellt keine Barriere dar"

Besonders der geplante Granitstreifen im Apothekergäßle stößt Sagmeister sauer auf. "Gerade im Apothekergäßle bewegen sich viele Personen von und zu der namensgebenden Apotheke, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind", begründet die Stadt die bauliche Maßnahme. Man müsse sich dort barrierefrei fortbewegen können. Das sieht Sagmeister anders: "Pflaster stellt keine Barriere dar. Wenn ein Pflaster sorgsam verlegt ist, dann sind da so kleine Niveauunterschiede, dass es auch für einen Rollator oder Rollstuhlfahrer problemlos bewältigbar ist", verdeutlicht er.

Eine Visualisierung der fertigen Leutbühels. Bild: Stadt Bregenz

Atmosphäre wird kaputtgemacht

Hauptkritikpunkt für den Kunsthistoriker ist das veränderte Stadtbild. Die Stadt sei zwar bemüht, das Erscheinungsbild dem klassischen Stadtbild anzupassen, jedoch gebe es für sie auch Zwänge wie die Barrierefreiheit, die ein Abwägen erforderlich machen. "Die Häuser und die Gassen und die Straßen bilden eine historische Einheit", meint Sagmeister. Wenn man hier etwas wegnehme - etwa das Pflaster - dann leide das gesamte Konstrukt. Anders als der Asphalt sei das Pflaster ein natürlicher Baustoff, der atme. "Ein Asphalt, der bis an die Hauskanten geht, der macht die gesamte Atmosphäre kaputt", so der Bregenzer. Wenn das Pflaster der "Asphaltwüste" weiche, dann raube man der Altstadt die natürliche Grundlage. In vielen Städten weltweit ersetze man Asphalt durch Pflaster - in Bregenz sei das komischerweise genau umgekehrt. Sagmeisters Appell an die Stadt lautet daher: Die Altstadtgassen sollen gepflastert bleiben. Und auch der Asphalt soll wieder dem Pflaster weichen.

(VOL.AT)

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