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Ärzte ohne Grenzen kritisiert Humanitäre Hilfe als Druckmittel

Ärzte ohne Grenzen kritisieren die Verwendung von Hilfsgütern als Druckmittel.
Ärzte ohne Grenzen kritisieren die Verwendung von Hilfsgütern als Druckmittel. ©JULIEN DE ROSA / AFP (Sujet)
Ärzte ohne Grenzen (MSF) beklagen weiterhin die vorhandenen massiven Einschränkungen für die Lieferung humanitärer Hilfe in den Gazastreifen.

"Humanitäre Hilfe sollte unparteiisch sein, sie wird aber als Druckmittel eingesetzt", sagte die Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich, Laura Leyser, am Dienstag im Gespräch mit der APA. Sie forderte daher die Einrichtung einer unabhängigen Kontrolle über die Einfuhr von Hilfsgütern.

Ärzte ohne Grenzen Kritik an Humanitäre Hilfe als Druckmittel

Ihre Tätigkeit übt die Hilfsorganisation derzeit nur im Süden des Gazastreifens aus, wohin sich während der Kämpfe nach mehrfachen Aufforderungen der israelischen Armee Hunderttausende Menschen geflüchtet hatten. "Im Norden ist die Sicherheit nicht gegeben." Allerdings gelte für den ganzen Gazastreifen: "Es gibt keinen sicheren Ort."

Man versorge derzeit vor allem Menschen mit schweren Verletzungen und Verbrennungen, doch es gebe "nicht ausreichend Material, Medikamente fehlen". Leyser schilderte, dass es aufgrund der katastrophalen Versorgungslage "schwierig ist, humanitäre Hilfe zu leisten, ja fast unmöglich". Sie übte auch Kritik am Ausmaß der Gewalt gegenüber Zivilistinnen und Zivilisten bei den Kämpfen.

300 lokale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen im Gazastreifen

Ärzte ohne Grenzen haben laut Leysers Angaben 300 lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gazastreifen, dazu kommt eine Gruppe von 15 internationalen Helfern, die am 15. November im Gebiet eingetroffen sind. Ärzte ohne Grenzen bemühe sich derzeit, einige lokale MSF-Mitarbeiter gemeinsam mit ihren Familien aus dem Norden des Gazastreifens zu evakuieren. Das sei bisher nicht gelungen. Israel kontrolliere nämlich die Ein- und Ausreise in den Norden und die Bewegungsfreiheit sei "sehr eingeschränkt". Leyser berichtete auch, dass manche der lokalen Helfer freiwillig im Norden ausharrten, um dort die Menschen zu unterstützen.

Was die Umsetzung der seit Freitag geltenden Feuerpause betrifft, so werde sie laut örtlichen Berichten im Wesentlichen eingehalten, sagte Leyser. Wie zuvor bereits andere Vertreter ihrer Organisation forderte sie einen Waffenstillstand im Gazastreifen. Eine Feuerpause, wie sie derzeit gelte, helfe zwar, "Menschen in Sicherheit zu bringen oder eingeschränkt humanitäre Güter in den Gazastreifen zu transportieren". Doch angesichts der "humanitären Krise unglaublichen Ausmaßes" sei das "ein Tropfen auf den heißen Stein". Für eine dauerhafte Verbesserung der humanitären Situation sei auf jeden Fall "ein Waffenstillstand notwendig".

Blutiges Massaker durch Hamas-Terror in Israel war Auslöser für Gaza-Krieg

Auslöser des jüngsten Gaza-Kriegs war das blutigste Massaker in der Geschichte Israels, das palästinensische Terroristen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze begangen hatten. Dabei wurden mehr als 1.200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt, darunter auch ein österreichisch-israelischer Doppelstaatsbürger. Bei den darauffolgenden massiven Luft- und Bodenangriffen Israels auf den von der radikalen Palästinenserorganisation Hamas beherrschten Gazastreifen wurden nach Hamas-Angaben bisher rund 15.000 Menschen getötet, die meisten davon Zivilisten. Hunderttausende flohen in den Süden des Gebietes.

In Rahmen der seit Freitag geltenden humanitären Feuerpause sind zuletzt Dutzende israelische Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freigelassen worden. Die Feuerpause wurde zuletzt bis Donnerstag verlängert.

Das Interview führte Petra Edlbacher

(APA/Red)

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