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Arnold Schwarzenegger als "Galionsfigur der Popkultur"

Schwarzenegger begeistert auch heute noch.
Schwarzenegger begeistert auch heute noch. ©APA
Wien. Arnold Schwarzenegger gilt nicht gerade als der Paradeintellektuelle. In dem Buch "Arnold Schwarzenegger oder Die Kunst, ein Leben zu stemmen" hat der deutsche Kunstwissenschaftler Jörg Scheller nun die Kunstfigur des gebürtigen Steirers untersucht - und kam zu einem eindeutigen Fazit: Schwarzenegger würde es verdienen, von der Geisteswissenschaft ernst genommen zu werden.
Arnold Schwarzenegger: Kultige Zitate

APA: Wieso in aller Welt beschäftigt sich ein Geisteswissenschafter mit Arnold Schwarzenegger?

Scheller: Ich habe mich in meinem Buch nicht mit der Biografie von Arnold Schwarzenegger beschäftigt, sondern mit der Kunstfigur, dem Mythos Schwarzenegger. Das Kunstwerk ist ja meistens interessanter als der Künstler. Bei Schwarzenegger ist die reale Person nun völlig von der Inszenierung überschattet. Da gibt es verblüffende Parallelen zu Andy Warhol. Beide sind Galionsfiguren der Popkultur, gewissermaßen die Hofkünstler der Massengesellschaft. Er verdient es daher, auch von der Geisteswissenschaft ernst genommen zu werden.

APA: Nachdem Sie die Kunstfigur Schwarzenegger durchleuchtet haben, was denken Sie über den Menschen Arnold Schwarzenegger – wird er von den Intellektuellen tatsächlich unterschätzt?

Scheller: Schwarzenegger verfügt sicherlich über strategische Intelligenz und hat ein gutes Gespür für Trends. So inszenierte er sich in den liberalen 1970er Jahren als Teil der Bodybuilding-Subkultur, ließ sich für ein Schwulenmagazin ablichten und pflegte Kontakt zu Künstlern wie Warhol. In der konservativen Reagan-Ära der 1980er Jahren gab er den kraftstrotzenden Actionheld, während er in den vom Crossover-Boom geprägten 1990er Jahren einen schwangeren Mann spielte. Als Politiker in den 2000er Jahren erkannte er die Relevanz der Umweltthematik und wurde zum Öko-Gouverneur. Seine Filme werden von der Kunstwissenschaft bisher sträflich unterschätzt. Ich halte “Terminator 2” etwa für einen der wichtigsten Filme der vergangenen Jahrzehnte, da er die mögliche Vermischung der Welt der Menschen mit jener der Maschinen thematisiert. In dem Streifen wird etwa die Frage aufgeworfen, ob ein Roboter ein besserer Vater sein kann als ein Mensch.

APA: Was macht die Figur von Arnold Schwarzenegger für so viele Menschen so attraktiv?

Scheller: Da ist natürlich der Mythos des “Selfmade Man”, der nicht nur gezeugt wurde, sondern sich selbst nochmals neu erschaffen und geformt hat. Seine universelle Botschaft ist der uneingeschränkte Optimismus: “Jeder kann es schaffen.” Das klingt gerade in einer Demokratie attraktiv, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, selbst so hoch zu steigen, eher gering ist. Doch es spielen auch tiefgehendere mythologische Gründe mit: Zum einen verkörpert Schwarzenegger unwissentlich den Übermenschen von Friedrich Nietzsche, denn sein heiterer Wille zur Macht ist keiner religiösen, moralischen oder ideologischen Position untergeordnet. Zum anderen erinnert er auch den Herkules-Mythos: Die übermenschliche Kraft, der Wille zur Tat und die Fähigkeit der Selbstüberschreitung. Wie der widersprüchliche Herkules-Mythos ist Schwarzeneggers Lebenswerk kompatibel mit überaus diversen Zielgruppen zwischen links und rechts, konservativ und progressiv.

APA: Wie schätzen Sie die weitere Zukunft von Schwarzenegger ein?

Scheller: Nachdem er in der Politik erstmals an Grenzen gestoßen ist, wird er Heimkehren ins Mythische. Er wird wieder Filme drehen – und so wie in allen seinen Filmen, werden es keine Filme mit, sondern über Schwarzenegger sein.

(Zur Person: Jörg Scheller lebt als Kunstwissenschafter, Journalist und Musiker in Bern in der Schweiz. Er studierte Kunstwissenschaft & Medientheorie, Medienkunst, Philosophie und Anglistik in Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg. Seit 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft in Zürich, seit 2011 parallel wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunsthistorischen Institut der Universität Siegen. 2012 wurde er auf eine Dozentur für Kunsttheorie und Kunstgeschichte (Department Kunst & Medien, Vertiefung Fotografie) an der Zürcher Hochschule der Künste berufen)

(Das Gespräch führte Gerwin Haider/APA.)

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