"s’Nüni“ steht in Flammen

©Bianca Nekrepp / Feuerwehr Lustenau
Der größte Brand in der Geschichte Lustenaus jährte sich im Oktober zum 50. Mal.
Vollbrand im Armenhaus

Lustenau. „Menschen. Überall Menschen. Bis hoch zum Rheindamm“, erinnert sich die 92-jährige Rosa Grabher. Am 12. Oktober 1968 – also vor 50 Jahren – brannte in Lustenau das Armenhaus in der Reichsstraße 9. „s’Nüni“ war in der ganzen Gemeinde bekannt, das baufällige Haus wurde von der Bevölkerung als „Schandfleck“ bezeichnet. Nur wenige Tage später hätte es abgerissen werden sollen, doch dazu kam es nicht mehr.

Ein Holzhaus steht in Flammen

Als Gasthaus wurde es 1837 erbaut und war eines der größten Wirtshäuser der Gemeinde Lustenau. Im Jahr 1848 wurde das Gebäude von der Gemeinde gekauft und in ein Armenhausumfunktioniert. Es diente armen Familien als bescheidenes Zuhause.

„In dieser Nacht rief mich meine Nachbarin an, das Gasthaus Krönele würde brennen. Ein Blick aus dem Fenster genügte und ich wusste, es war das Armenhaus“, erzählt Altkommandant Manfred Kremmel. „Ich fuhr in das Feuerwehrhaus, um die Sirene zu aktivieren. Als ich hinein wollte, kam mir der Hausmeister entgegen, der dies soeben getan hatte.“ Als einer der ersten Einsatzkräfte war Kremmel am Ort des Brandes. „Es waren so viele Menschen vor Ort, die Feuerwehr hatte Mühe vorzudringen“, schildert Grabher.

Laut dem Protokoll von Kommandant Oskar Bösch vom 19. Oktober 1968 hatte man vor dem anstehenden Abbruch im ganzen Haus die Fenster bereits abmontiert, um wildes Nächtigen zu verhindern. So hatte sich das Feuer rasch ausgebreitet, zudem war das Gebäude ein totaler Holzbau. Beim benachbarten Stadel des Bauhofs hatte schon der Dachstuhl Feuer gefangen.

Große Löschaktion

Bei diesem ereignisreichen Einsatz waren insgesamt 50 Mann in Summe 400 Stunden im Einsatz. „Als ich im zweiten Löschfahrzeug ankam, brannte das ganze Gebäude schon lichterloh!“, erinnert sich Anton Bösch, ehemaliger Feuerwehrmann. Zur Brandbekämpfung wurden über zehn Strahlrohre eingesetzt und knapp 1300 Meter Schlauchleitungen verlegt.

War es Brandstiftung?

Nachdem der Brand gelöscht war, ging man gleich von Brandstiftung aus, so berichteten es bereits kurz nach dem Brand die Vorarlberger Nachrichten. In Lustenau munkelt man noch heute, „‚S’Nüni‘ soll warm abgebrochen worden sein, bewiesen wurde das jedoch nie.

Viele Schaulustige

„Als das ‚Reichs 9‘ brannte, rannten die Ratten und Mäuse in Scharen über die Straße“, erzählt Rosa Grabher. Aber Angst und Schrecken waren wohl nicht die vorherrschenden Gefühle unter den Schaulustigen. Rund 3000 Menschen waren gekommen, um den Großbrand zu beobachten. „In Lustenau wurde immer schon viel gesungen. So auch in dieser Nacht. Es herrschte eine großartige Stimmung“, erzählt sie. „Auf dem Rheindamm wurde getrunken und gefeiert.“

 

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