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Archivale der Woche: Schulzeugnis aus 1807

Das 1779 erbaute Schulhaus diente später als Rathaus und Musikschule.
Das 1779 erbaute Schulhaus diente später als Rathaus und Musikschule. ©unbkannt
Das Team des Archivs präsentiert den Leserinnen und Lesern wöchentlich ein historisches Dokument oder Objekt. Damit möchten sie einen Einblick in die Breite der schriftlichen Überlieferung geben.
Archivale der Woche

Spannende Einblicke in die aber auch Vermittlung von Geschichte ist anhand von mitunter unscheinbaren Dokumenten möglich.

Einer der jüngsten Neuzugänge des Archivs bildet eine Sammlung historischer Dokumente mit Lustenau-Bezug, die vermutlich von Ludwig Rambach (1886-1959) angelegt und von seiner Tochter Josefine Rambach (Jg. 1912) weitergeführt wurde. Die Familie Rambach betrieb im Pfarrweg ein Textil- und Kurzwarengeschäft. Bereits vor ihrem Tod übergab die kinderlose Josefine Rambach die Sammlung an ihren Neffen, der sie im Februar 2020 dem Historischen Archiv als Schenkung überließ.

Schulzeugnis aus dem Jahr 1807

Unter den Dokumenten befindet sich auch ein frühes Schulzeugnis aus Lustenau für die zwölfjährige Schülerin Anna Maria Hämmerlin. Es wurde im Jahr 1807 von der „königlich bajerischen Landschule zu Lustenau“ ausgestellt. Die Schule bezeugt, dass Anna Maria Hämmerlin „sich in den Sitten sehr wohl verhalten, und die vorgeschriebenen Lehrgegenstände bestens erlernet habe“.

Eine individuelle Benotung der einzelnen Fächer erfolgte nicht. Dieses Zeugnis war gleichzeitig ihr Abgangszeugnis, da sie „wegen ihrem Fleiße und dadurch erworbenen Kenntnissen von fernerm Winterschulbesuche frey gesprochen“ wurde. Unterzeichnet ist das Zeugnis von Pfr. Franz Joseph Rosenlächer und Lehrer Karl Bösch.

 

Etablierung eines ordentlichen Schulbetriebs in Lustenau

Das erste Schulhaus in Lustenau wurde 1779 im Zentrum Lustenaus, in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche gebaut. Es beherbergte später das Lustenauer Rathaus und nach dem Umzug in das neue Amtsgebäude noch einige Jahre die Musikschule, bis es im Jahr 1979 abgebrochen wurde. Vor dem Bau des Schulhauses fand der Unterricht in den Häusern der jeweiligen Lehrer statt. Ein eigenes Schulhaus im Rheindorf folgte 1820, es steht noch heute.

Die allgemeine Schulpflicht wurde 1774 durch Maria Theresia eingeführt. Damit einher gingen steigende SchülerInnenzahlen sowie auch ein Druck der habsburgischen Verwaltung auf die Gemeinde, den Schulbesuch sowohl quantitativ als auch qualitativ zu verbessern. Auch wenn der Schulbetrieb zur damaligen Zeit lediglich während der Wintermonate aufrecht war, dauerte es, bis eine breite Akzeptanz des verpflichtenden Schulbesuchs in der Bevölkerung festzustellen war. Kinder wurden zur damaligen Zeit vielerorts als Arbeitskräfte eingesetzt.

Mit dem Beginn der bayrischen Herrschaft 1806 wurden die finanziellen Mittel für die Schule aufgestockt, was auch dazu beitrug, dass die „neue Schule“ besser angenommen wurde. Dieser „Schulfond“ wurde aus Kirchenvermögen gespeist, etwaige Defizite hatte die Gemeinde zu tragen. Die enge Verflechtung des Schulwesens mit der katholischen Kirche zeigt sich unter anderem in der Einsetzung von Pfarrer Franz Joseph Rosenlächer als Schuldistriktinspektor, wie auch auf dem vorliegenden Schulzeugnis der Anna Maria Hämmerlin zu sehen ist.

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