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Arbeitswillig - jedoch nicht vermittelbar

Johannes Gangel präsentiert in seiner Werkstatt im Keller einige bunte Werkstücke, darunter auch Spielzeug zum lernen.
Johannes Gangel präsentiert in seiner Werkstatt im Keller einige bunte Werkstücke, darunter auch Spielzeug zum lernen. ©gabrieletschuetscher
Johannes Gangel

Aus gesundheitlichen Gründen erlebte Johannes Gangel die letzten Jahrzehnte eine wahre Odyssee.
Die Aussichtslosigkeit auf Arbeit ließ ihn den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. In seiner Werkstatt im Keller seines Reihenhauses stellt er Holzspielzeug her, verkauft es direkt vor Ort und erledigt auf Anfrage Reparatur- und Montagearbeiten.

Wann haben sie sich selbstständig gemacht?
Johannes Gangel: Am 1. Juni 2010 begann sozusagen meine Selbständigkeit. In meiner kleinen Werkstatt mit zum Teil selbstzusammengebauten Arbeitsmaschinen fertige ich vorwiegend Spielzeug.

War es immer schon Ihr Wunsch selbstständig zu sein?
Johannes Gangel: Nein, ganz und gar nicht. Tischler war erstens nicht mein Traumberuf, sondern die Berufswahl meines Pflegevaters, da es seiner Meinung nach viele Vorteile hatte, die Lehre im eigenen Dorf zu absolvieren. Und zweitens hat es mich nie gestört, als Angestellter meine Arbeit zu verrichten.

Was hat Sie dann dazu bewogen?
Johannes Gangel: Es war die Arbeitslosigkeit. Drei Jahre war ich zuletzt arbeitslos, und das war wirklich keine schöne Zeit. Man möchte arbeiten, bekommt jedoch keine passenden Angebote. D. h. nicht, dass ich so wählerisch bin, aber leider habe ich seit meiner Jugend schwere gesundheitliche Probleme. Mit 16 Jahren bin ich vom Miststreuer gefallen. Zunächst wurde nur eine Muskelzerrung diagnostiziert. Die Schmerzen wurden jedoch immer schlimmer, bis ich nicht mehr gehen konnte. Die wahre Diagnose lautete dann, der Hüfthals ist abgerissen. Dieser musste dann in einer Notoperation verschraubt und mit Platten gefestigt werden. Dies hatte zur Folge, dass ein Bein kürzer war und wenig später auch das zweite Bein gekürzt werden musste.

Haben Sie sich von diesem Unfall je erholt?
Johannes Gangel: Nein, leider nicht. Ich konnte auch meine Lehre erst im zweiten Bildungsweg beenden. Aber dafür habe ich dann später doch noch die Liebe zu meinem Beruf entdeckt. Heute machen mir vor allem meine Wirbelsäule und meine Hüfte zu schaffen. Das Bundessozialamt bescheinigt mir eine Arbeitseinschränkung von 60%.

Und trotzdem lassen Sie sich davon nicht unterkriegen.
Johannes Gangel: Auf keinen Fall. Meine Frau Rosi ist meine große Stütze. Sie erledigt den Papierkram, die Behördenwege und sie hilft mir auch manchmal in der Werkstatt, so. z. B. beim Bemalen der Werkstücke.

Wie lautet Ihr Wunsch für die Zukunft?
Johannes Gangel: Es wäre schön, wenn sich mein Kundenkreis vergrößern würde, damit ich Rosi, die derzeit aus finanziellen Gründen ganztags arbeitet, ein wenig entlasten kann.

Vielen Dank Herr Gangel für das interessante Gespräch!

Factbox:
Besichtigung und Verkauf
Zuhause: Hellamahd 4, Göfis
Ende Nov., Anfang Dez.: Raiba Rankweil
1. Adventwochenende: Handwerksmarkt Freihof Sulz

Zur Person
Name: Johannes Gangel
Beruf: Tischlergeselle
Alter: 48 Jahre
Familienstand: verheiratet mit Rosi, zwei Kinder
Hobbies: Holz und Autos, vor allem sein VW-Käfer

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