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Arbeiten mit Beeinträchtigung: "Gehören in die Mitte der Gesellschaft"

Feldkirch - IfS Spagat wurde soeben als best practice Beispiel für die Integration von Menschen mit Beeinträchtigung ausgezeichnet. Die Spiel- und Kindergruppe "Zwergahüsle" in Feldkirch lebt vor, wie Eingliederung geht.
Video: Zu Besuch im "Zwergahüsle"
Bilder aus dem "Zwergahüsle"

Anna-Livia – “mit Bindestrich!”, wie die junge Frau beharrt – fährt jeden Tag selbst zur Arbeit. In der Spielgruppe “Zwergahüsle” in Feldkirch betreut sie zweimal pro Woche Kinder im Alter von 18 Monaten bis drei Jahren: Sie spielt mit ihnen, liest ihnen vor, hilft ihnen beim An-und Ausziehen oder beim Händewaschen. So gerne macht sie ihre Arbeit, dass sie zumeist schon viel zu früh erscheint. Wenn das letzte Kind wieder zurück ist im elterlichen Schoß, macht sich auch Anna-Livia auf den Heimweg. Eigentlich unterscheidet sich die 23-Jährige nicht von ihren Arbeitskollegen im “Zwergahüsle”. Außer in einer Hinsicht: Anna-Livia hat Trisomie 21.

“Best practice”-Modell

Die Feldkircherin ist ein Vorzeigebeispiel von Integration am Arbeitsplatz. Acht Stunden pro Woche arbeitet sie im “Zwergahüsle”, weitere acht Stunden in einem Altersheim in Feldkirch. Vermittelt wurde sie vor sechs Jahren von IfS Spagat. Die Organisation ist darauf spezialisiert, Menschen mit besonderen Bedürfnissen auf dem freien Arbeitsmarkt unterzubringen. Und das mit großem Erfolg: Gerade wurde IfS Spagat als “best practice”-Modell im Bereich der beruflichen Inklusion von Menschen mit Behinderung ausgezeichnet.

“Gehören in die Mitte der Gesellschaft”

Zurückzuführen ist das auf die besondere Philosophie der Organisation. “In erster Linie verstehen wir uns nicht als Betreuungsangebot, sondern als Beratungs- und Integrationsfachdienst”, erklärt Lukas Alton. Er spricht deswegen nicht von “Betreuten” und “Betreuern”, sondern von “Klienten” und “Mentoren”. Erfolgreiche Integration beginnt eben schon mit der Sprache. Wichtig ist die Unterbringung auf dem “normalen” Jobmarkt deswegen, “weil die Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung stark vom Umfeld abhängt.” Bei den Klienten seien schon innerhalb weniger Jahre große Sprünge zu verzeichnen – insbesondere, was ihre Selbstständigkeit angeht. 

300 Unternehmen involviert

Auf Selbstständigkeit setzt IfS Spagat von Beginn an. Wer auf den freien Arbeitsmarkt will, anstatt in einer geschützten Werkstätte zu bleiben, muss von sich aus sagen: “Ich will arbeiten”. Dann beginnt die komplexe Maschinerie zu laufen. IfS Spagat beruft einen sogenannten Unterstützungskreis ein – bestehend aus Verwandten, Freunden, Bekannten. Gemeinsam machen sie sich Gedanken über Stärken und Schwächen des Kandidaten. In einem nächsten Schritt wird in den Netzwerken des IfS nach einem passenden Arbeitsplatz gesucht. An die 300 Unternehmen sind schon mit dabei, davon rund 70 Prozent kleinere Unternehmen mit weniger als 25 Mitarbeitern.

“Man braucht das Herz dafür”

Kommt es zu einer Anstellung, muss erst ein Mentor bestimmt werden. Er oder sie stammt aus dem jeweiligen Unternehmen und fungiert als erste Ansprechperson in allen Fragen. Eine formelle Ausbildung ist für diese Funktion nicht notwendig. Die Einstellung muss aber passen: “Man braucht das Herz dafür”, sagt Pia Allgäuer, Mentorin von Anna-Livia im “Zwergahüsle”. Sie selbst habe nie Bedenken gehabt, als Anna-Livia bei ihnen angefangen wollte. Anders als ihre Vorgesetzten. Allgäuers Überzeugungsarbeit fruchtete am Ende – sehr zur Freude der Eltern. “Es sind eigentlich nur positive Reaktionen gekommen”, sagt Allgäuer heute.

Anstellung nach Kollektivvertrag

Neben Anna-Livia arbeitet auch die 18-jährige Sinem in der Spielgruppe. Zusammen zeigen sie vor, wo Menschen mit Beinträchtigungen hingehören – nämlich “genau in die Mitte der Gesellschaft”, wie Alton betont. Dazu gehört auch, dass sie ein entsprechendes Gehalt beziehen. Deswegen bekommt jeder Mensch, den IfS Spagat vermittelt, eine kollektivvertragliche Anstellung. Finanzielle Unterstützung dafür kommt vom Land Vorarlberg. Auch den Weg zur Arbeit müssen die Klienten selbst bewältigen. Anna-Livia beispielsweise nutzt jeden Tag den Bus. Ob sie ihre Haltestelle jemals verpasst habe? “Ich nicht”, sagt sie. “Aber die Mama.” (MST)

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