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Applaus vor dem Festspielfinale

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Bregenz - Nach der Gastspielpremiere von "Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes" beklatschte das Publikum im Kornmarkt besonders heftig ein exzellentes Schauspielerensemble. Vor dem Festspiel-Finale warf die Produktion aber Fragen auf.

Als „Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes“ im November letzten Jahres am Deutschen Theater in Berlin Premiere hatte, stellte sich die Frage, ob Roland Schimmelpfennig selbst mehr aus seinem Stück herausholen kann als Regisseur Martin Kusej. Wenig später stand im Wiener Akademietheater, wo der Autor inszenierte, fest, dass dem nicht so ist. Der Urheber ist somit der Täter. Schimmelpfennig lässt die beiden Mediziner-Ehepaare – eines kommt gerade von einer sechsjährigen Mission aus einem Krisengebiet in Afrika zurück – etwas heftiger agieren und aufeinander reagieren. Mehr nicht. Ließe Kusej nicht am Schluss – als ausgelaugtes Bild – einen Berg von Müllsäcken vom Bühnenhimmel plumpsen, würde man sich für seine Sicht sogar eher erwärmen, „Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes“ als Musikstück aufnehmen, in dem Dinge, die zu sagen sind, nicht unbedingt formuliert werden. Man hat Schlimmes erlebt als Helfer in Afrika, sich vielleicht angesteckt, angesprochen werden weder Krieg noch Krankheit, noch die Tatsache, dass die Anziehungskräfte in diesem Zwei-Paare-Quartett nicht nach den abgesteckten Bahnen laufen.

Klar trifft das

Pausen gut durchhalten, scheint die Regie vor allem Ulrich Matthes angeordnet zu haben. Aber der kann das, den Frauen gehört, no na, der emotionalere Part, Sophie von Kessel und Maren Eggert ohrfeigen einander artig. Es scheint eine Partitur über dem Ganzen zu liegen, im Bühnenlichttunnel von Annette Murschetz wird ihr entsprochen – bis zur zeitweisen Unbeteiligtheit, die Norman Hacker repräsentiert. Klar trifft das, es bleibt ja auch ein Kind auf der Strecke. Zwischen Spiel und episch vorgetragener Reflexion spinnt das Ensemble ein feines Netz. Bevor man sich Gedanken darüber macht, ob die Konfrontation der europäischen Gummipuppe Peggy Pickit mit der afrikanischen Holzfigur Annie Ebony wirklich nur so platt gemeint ist, wie sie aussieht, kommt man zum Schluss, dass es sich das gebildete bürgerliche Theaterpublikum mit seinem viel gespielten Autor Roland Schimmelpfennig mit Stücken wie diesem oder auch „Der Goldene Drache“ gemütlich eingerichtet hat. Intelligente Schauspielertexte liefert dieser, die Moral dosieren kann er auch – passt. Oder eben nicht. In Bregenz sah man die Produktion nun doch wohl, weil sie sich mit dem exzellenten Ensemble, das zum Teil bereits mit „Kinder der Sonne“ hier war, nun gut realisieren ließ. Nach Salzburg hatte das Deutsche Theater Berlin mit „Die vier Himmelsrichtungen“ eine Uraufführung geliefert. Auch einen Schimmelpfennig, einen etwas anderen, besseren. Dort hat man aber freilich ein größeres Budget.

(VN)

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