AA
Wolfgang Zanger und die FPÖ geraten immer mehr in Bedrängnis
Wolfgang Zanger und die FPÖ geraten immer mehr in Bedrängnis ©APA - Roland Schlager

Anteil an Burschenschaftern in FPÖ-Klub hoch wie nie

Neue Textpassagen aufgetaucht. Auch ÖVP fordert Zangers Rücktritt. FPÖ empört sich indes über das Liedgut der Sozialistischen Jugend.
FPÖ stellt sich hinter Zanger
Neue Liederbuch-Affäre

Im aktuellen Parlamentsklub der FPÖ sitzen so viele Burschenschafter wie noch nie. Zwölf der insgesamt 30 Abgeordneten (40 Prozent) sind völkisch Korporierte, zehn davon sind Mitglieder in Burschenschaften - ein Rekord. Das zeigen aktuelle Zahlen des Politikwissenschafters Bernhard Weidinger von der Forschungsgruppe Ideologie und Politiken der Ungleichheit (Fipu).

Verbindungen, egal ob von Schülern oder Studenten, sind ein Überbegriff für alle möglichen Korporationen, Burschenschaften, einige wenige Damenverbindungen oder auch Katholische Verbindungen oder Landsmannschaften. Korporierte können entweder Corpsiers oder Burschenschafter sein. Im Unterschied zu Corps sind Burschenschaften ausdrücklich politisch. Laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) sind Burschenschaften häufig im deutschvölkischen Milieu angesiedelt. Corps weisen demnach eine größere politische Bandbreite auf. Außerdem sind ihre Aufnahmekriterien deutlich weniger streng.

2017 befanden sich den Fipu-Zahlen zufolge 20 völkisch Korporierte unter den insgesamt 51 FPÖ-Mandataren. Davon waren 16 Abgeordnete auch Burschenschafter. Im Vergleich: 1999 waren von 52 freiheitlichen Mandataren gerade einmal drei bei einer Burschenschaft, insgesamt neun völkisch Korporierte gab es insgesamt. Der Aufstieg der Burschenschafter in der FPÖ startete vor allem unter dem damaligen Parteichef Heinz-Christian Strache, der selbst Mitglied der schlagenden Verbindung Pennale Burschenschaft Vandalia Wien ist. Der Trend wird jetzt offenbar fortgesetzt - auch der aktuelle FPÖ-Chef Norbert Hofer ist Ehrenmitglied der Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld.

FPÖ-Abgeordneter Wolfgang Zanger, aktuell wegen Aufregung um ein Liederbuch mit antisemitischem Inhalt im Gespräch, ist laut Weidinger nicht nur Mitglied in der Schülerverbindung Austria Knittelfeld, sondern auch beim akademischen Corps Vandalia Graz. Das ist nicht unüblich, so der Rechtsextremismus-Experte. Oft treten die Leute erst einer Schülerverbindung und später einer akademischen Verbindung bei, erklärt er. Mitglied ist man in solchen Verbindungen normalerweise auf Lebenszeit.

Hofer und Zanger sind im aktuellen FPÖ-Parlamentsklub aber nicht die einzigen Korporierten: FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker ist Mitglied der akademischen Burschenschaft Nibelungia Wien. Philipp Schrangl ist Mitglied der akademischen Burschenschaft Oberösterreicher Germanen Wien und der Schülerverbindung Ostmark Linz. Hannes Amesbauer, kürzlich zum FPÖ-Klubobmann-Stellvertreter gewählt, ist Schrangls Kollege bei der Burschenschaft Oberösterreicher Germanen Wien.

Der stellvertretende Wiener Landeschef Harald Stefan ist Teil der akademischen Burschenschaft Gothia Wien. Volker Reifenberger ist wie Zanger in einem akademischen Corps, nämlich der Verbindung Frankonia-Brünn Salzburg. Außerdem ist er Mitglied der Schülerverbindung AGV Rugia Salzburg. Der FPÖ-Abgeordnete Hermann Brückl wird in der Fipu-Auflistung als Mitglied der Burschenschaft Scardonia Schärding und der Schülerverbindung Markomannia Eisenstadt genannt.

Gerhard Kaniak ist Mitglied der akademischen Burschenschaft Albia Wien, ebenso wie Martin Graf bei der Olympia Wien. Die akademische Burschenschaft Teutonia Wien führt den FPÖ-Abgeordneten Reinhard Bösch als Mitglied, ebenso die Schülerverbindung Alemannia Dornbirn. Axel Kassegger ist Teil der akademischen Burschenschaft Germania Graz und der Schülerverbindung Thessalia Prag.

Auch ÖVP fordert Zangers Rücktritt

Der Druck auf den steirischen FPÖ-Abgeordneten Wolfgang Zanger in der Liederbuch-Affäre wird größer. Am Freitag fordert auch ÖVP seinen Rücktritt. Anlass waren neu bekannt gewordenen Liedtexte. Für ÖVP-Verfassungssprecher Wolfgang Gerstl zeigen dien neuen Textpassagen, "wie tief der Antisemitismus in der Zanger-Burschenschaft verankert ist" und machen dessen Rücktritt unausweichlich.

Die "Krone" zitierte am Freitag weitere, teils obszöne Texte aus dem Liederbuch. So heißt es etwa an einer Stelle: "Polenmädchen sind verboten. Judenschicksen sind tabu, eine Stute zu besteigen, lässt der Veterinär nicht zu." Oder: "Von der Ferne kamen die Franzosen mit Kunstglaspinseln in den Hosen, Germanen aus dem fernen Bayern mit Hackenkreuzen (sic) auf den Eiern" und weiter: "Entlastet ist der Nazipimmel, der frei bleibt vom Rassenfimmel."

"Die neuen Passagen sind an Antisemitismus kaum zu überbieten, hier muss es ganz klar Konsequenzen geben. Wolfgang Zanger muss zurücktreten und aus allen Parteiämtern ausscheiden. Weigert sich Zanger, ist Norbert Hofer am Zug", sagte Gerstl in einer Aussendung.

"Dass FPÖ-Politiker versuchen, die widerlichen Texte mit fadenscheinigen Vergleichen zu verharmlosen, ist unter jeder Kritik und zeigt die mangelnde Geschichtskenntnis der Partei", so Gerstl weiter. "Wir lassen also sicher nicht zu, dass die FPÖ hier Geschichtsverfälschung betreibt, um von den inakzeptablen Verfehlungen ihrer Abgeordneten abzulenken."

Zur Kritik, dass eines der Lieder auch in katholischen Verbindungen in Verwendung war, stellt Gerstl klar: "Das besagte Lied wurde in der alten Form im Jahr 1939 von deutschen katholischen Studenten im Untergrund geschrieben und zwar als Schmählied gegen die Nazis und wurde als solches auch verwendet. Seit den 80ern war diese Klarstellung auch in den Fußnoten der CV-Liederbücher zu finden, später wurde es ganz aus den Büchern genommen. Im Gegensatz dazu haben es nationale schlagende Verbindungen unter anderem mit antisemitischen Strophen angereichert und damit die Bedeutung quasi umgekehrt."

Die "Krone" berichtete zudem, dass das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in der Steiermark in der Liederbuch-Affäre Erhebungen eingeleitet hat. Es wird gegen unbekannte Personen wegen Verdachts des Verbrechens nach dem Verbotsgesetz ermittelt, hieß es seitens der Landespolizeidirektion Steiermark.

FPÖ empört sich über Liedgut der SJ

Die FPÖ versucht in der Liederbuch-Affäre, die Aufmerksamkeit auf andere zu lenken. Generalsekretär Christian Hafenecker empörte sich am Freitag über das "kommunistische Liedgut" der Sozialistischen Jugend. So sei etwa das Lied "Wir schützen die Sowjetunion" schwer verstörend und ein Schlag ins Gesicht der Millionen Opfer des Kommunismus auf der ganzen Welt.

"Während die FPÖ immer wieder mit Liederbüchern in Verbindung gebracht wird, für die sie nichts kann, vertreibt die Sozialistische Jugend Tonträger mit kommunistischen Blutliedern in ihrem Onlineshop sogar selbst", so Hafenecker in einer Aussendung. "Hier zeigt sich, mit welcher Doppelmoral die ultralinken Moralapostel tatsächlich arbeiten, ich halte das für zutiefst bedenklich", so Hafenecker weiter. Er forderte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner "mit Nachdruck dazu auf, den antidemokratischen Kommunisten in ihrer Partei die Rote Karte zu zeigen". Denn Europa habe lange genug unter diesem "menschenverachtenden System gelitten" und große Opfer dafür gebracht, es zu überwinden. "Damit wollen wir in Österreich nichts mehr zu tun haben", meinte Hafenecker.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Politik
  • Anteil an Burschenschaftern in FPÖ-Klub hoch wie nie
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.