Angst vor Spinnen morgens besser behandelbar

Nach der Therapie seien viele so weit gewesen, dass sie das Terrarium öffnen und die Spinne sogar auf die Hand nehmen konnten
Nach der Therapie seien viele so weit gewesen, dass sie das Terrarium öffnen und die Spinne sogar auf die Hand nehmen konnten ©dpa (Themenbild)
Eine Spinnen-Phobie lässt sich morgens am besten behandeln. Das fanden Psychologen der Saar-Universität in Deutschland heraus, wie die Hochschule am Montag in Saarbrücken mitteilte.

Dass eine Therapie gegen Angststörungen in der Frühe weitaus wirksamer ist als am Abend, führen die Wissenschafter auf den höheren Cortisol-Spiegel des Menschen am Morgen zurück. Cortisol ist ein körpereigenes Hormon, das Lernprozesse fördert.

Studie zeigt Zusammenhang mit Cortisol

Das Hormon wird morgens vom menschlichen Körper in viel größeren Mengen ausgeschüttet als am Abend. “Cortisol verstärkt Lern- und Gedächtnisprozesse – und Psychotherapie ist nichts anderes als ein Lernprozess”, erklärte die Saarbrücker Psychologin Johanna Lass-Hennemann.

Für ihre Studie haben die Forscher insgesamt 60 Patienten mit Spinnenphobie in einer jeweils dreistündigen Therapiesitzung behandelt. 30 Patienten davon wurden zwischen 8.00 und 11.00 Uhr therapiert, die anderen 30 Patienten abends von 18.00 bis 21.00 Uhr.

Nach einer Woche und dann erneut nach drei Monaten wurde unter anderem mit einem Verhaltenstest überprüft, wie stark sich die Spinnen-Phobie (Arachnophobie) gebessert hat. Die Patienten sollten sich dabei einer großen Spinne in einem Terrarium nähern. Vor der Therapie konnten einige Patienten den Raum mit dem Spinnenterrarium gar nicht betreten. Nach der Therapie seien hingegen viele so weit gewesen, dass sie das Terrarium öffnen und die Spinne sogar auf die Hand nehmen konnten, erklärte Lass-Hennemann. Der Behandlungseffekt bei den Patienten mit Morgentherapie war sowohl nach einer Woche als auch drei Monate später deutlich höher.

Offen ist den Forschern zufolge, ob sich dieses Resultat auch auf die Behandlung komplexerer psychischer Störungen wie eine soziale Phobie oder Panikstörung übertragen lässt. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift “Behaviour Research and Therapy” veröffentlicht. (APA/red)

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