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Nach Amoklauf in NÖ: Verbrannte Leiche gefunden - Täter vermutlich tot

Stundenlang hielt der mutmaßliche Wilderer Alois H. die Einsatzkräfte in Atem.
Stundenlang hielt der mutmaßliche Wilderer Alois H. die Einsatzkräfte in Atem. ©APA
Ein als Wilderer verdächtigter 55 Jahre alter Transportunternehmer hat in der Nacht auf Dienstag in Niederösterreich drei Polizisten und einen Rotkreuz-Mitarbeiter erschossen. Der Mann verschanzte sich auf einem Bauernhof bei Melk, worauf eine Hundertschaft an Einsatzkräften stundenlang das Gehöft belagerte.
Liveticker zum Nachlesen
Schwarzer Tag in Polizeigeschichte
Chronik: Gefahrenjob Polizist
Angehörige werden betreut
Polizeieinsatz wird evaluiert
Wilderer richtet Blutbad an
Bundesheer-Panzer rollen an
Fahrzeuge gezielt beschossen
Großaufgebot von Polizei und Heer
Grafik: Der Weg des Wilderers
Große Geiselnahmen in Österreich

Ab 18.20 Uhr erfolgte der Zugriff der Einsatzkräfte. Gegen Mitternacht entdeckten die Einsatzkräfte in einem Geheimraum eine stark verbrannte Leiche. Bei dieser dürfte es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um den 55-Jährigen handeln.

Verbrannte Leiche in Geheimversteck entdeckt

Durch begleitende Ermittlungsarbeit während der Durchsuchung des weitläufigen Anwesens hatte die Polizei Kenntnis von dem Versteck erhalten. In einem Gang ließ sich eine Wand wegdrücken, wodurch man in den Geheimraum gelangte. “Die Einsatzkräfte haben die Tür geöffnet und wollten in den Raum eindringen, im Raum selbst hat es aber gebrannt”, so Polizeisprecher Roland Scherscher bei einer Pressekonferenz in Melk. Der zuströmende Sauerstoff hatte die Flammen zusätzlich angefacht. Als das Feuer gelöscht wurde, “konnte eine verbrannte männliche Leiche entdeckt werden”, sagte Scherscher.

DNA-Analyse soll Identität klären

Die stark verbrannte Leiche befand sich laut Polizei in einem “entsprechenden Zustand”. Obwohl es kaum Zweifel gibt, dass es sich dabei um den 55-Jährigen handelt, wurde dadurch die Feststellung der Identität und der Todesursache erschwert. Da der Körper zur Unkenntlichkeit verkohlt sei, könne nur eine DNA-Analyse Klarheit bringen. Dies könne einige Tage dauern. Weitere Suchaktionen nach einem möglicherweise flüchtigen Täter seien nicht geplant.

Großaufgebot der Polizei im Einsatz

“Wir sind froh, dass wir den Einsatz nach 24 Stunden beenden konnten”, sagte Scherscher. Insgesamt standen 135 Beamte der Cobra und 200 Exekutivkräfte im Einsatz. Das Gebäude sei von den Beamten vollständig untersucht worden, es könne davon ausgegangen werden, dass sich nichts Gefährliches mehr darin befindet. Die Durchsuchung des Anwesens, es war zweigeschoßig, sehr verwinkelt mit zahlreichen Räumen und sehr vollgeräumt, war äußerst kompliziert und risikoreich.

APA/ Hochmuth
APA/ Hochmuth ©Foto: APA/ Hochmuth

Entsprechend vorsichtig ging man vor: Der Täter hätte “hinter jeder Ecke lauern können”. “Bei der Durchsuchung hat es keinen Schusswechsel gegeben.” Dazu war es laut dem Sprecher jedoch in den Morgenstunden gekommen.

Das Feuer dürfte gelegt worden sein, und habe bereits längere Zeit gebrannt, als die Cobra den Geheimraum entdeckte. Dieser befand sich im Kellergeschoß. Wozu der Raum genutzt wurde, konnte Scherscher nicht sagen. “Das Haus ist vollständig durchsucht.” Informationen über Waffen gab es vorerst keine, da der Zweck der Durchsuchung das Auffinden des mutmaßlichen Schützen war.

Zuvor waren drei gepanzerte Fahrzeuge des Bundesheeres auf dem zur Ortschaft Großpriel gehörenden Vierkanthof vorgefahren. In zwei Schützen- und einem Pionierpanzer aus der Kaserne Melk befanden sich Cobra-Kräfte, die das weitläufige Anwesen nach dem Verdächtigen durchsuchten. Die Panzerfahrzeuge wurden eingesetzt, weil sie den besten Schutz bei der Annäherung boten.

55-Jähriger trieb als Wilderer sein Unwesen

Bei dem Verdächtigen handelt es sich um Alois H., einen alleinlebenden Mann, einen Jäger, der legal mehrere Waffen, vor allem für die Jagd, besaß. Er sei bisher nie polizeilich auffällig gewesen.

APA/ Repro Paul Plutsch
APA/ Repro Paul Plutsch ©Foto: APA/ Repro Paul Plutsch

Mittlerweile gilt es nach der APA vorliegenden Informationen als belegt, dass es sich bei dem 55-Jährigen um einen Wilderer handle, der seit längerem in der Gegend sein Unwesen getrieben haben soll. Warum der Jäger heimlich gewildert habe, erklärte ein Sprecher so: “Weil er in seinem eigenen Revier keine Hirsche hat.” Zuvor habe gegen den Transportunternehmer aber kein Verdacht bestanden, die Ermittlungen liefen gegen unbekannte Täter.

Verfolgungsjagd und Geiselnahme

Seinen Ausgang nahm das Blutbad in der Nähe von Annaberg (Bezirk Lilienfeld): Die Polizei führte eine nächtliche Überwachungsaktion gegen Wilderer durch. Straßensperren wurden errichtet, und zwei Cobra-Beamte versuchten, den Geländewagen eines Verdächtigen zu stoppen. Die Sondereinheit war nach den jahrelangen schweren Wildereidelikten in der Gegend in die Fahndungsmaßnahmen nach illegalen Schützen eingebunden.

Der Wagen durchbrach bei Annaberg bei der L101 eine Straßensperre, der Lenker flüchtete Richtung Äußere Schmelz. “Dort hat der Täter plötzlich und unvermittelt das Feuer eröffnet”, sagte Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich. Dabei wurde ein Polizist getroffen, er verstarb später im Landeskrankenhaus St. Pölten. Nahe dem dort liegenden Sägewerk schoss der Mann auf eine zu Hilfe eilende Rettung, ein Sanitäter und ein Polizist wurden verletzt, der Rotkreuz-Mitarbeiter starb.

Geisel tot auf Gehöft gefunden

Der Schütze flüchtete zu Fuß in Richtung Lassinghof, wo er bei einer Straßensperre einen weiteren Polizisten erschoss. Er kaperte ein Polizeiauto mit einem Beamten als Geisel und raste zu seinem Wohnhaus in Großpriel nahe Melk. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften umstellte seit Dienstag früh den auf einer Anhöhe gelegenen Vierkanthof, die Umgebung wurde großräumig abgeriegelt. Am Nachmittag fand man die Geisel tot nahe des Wohnhauses in einer Scheune. Die Leiche des Streifenpolizisten wurde mithilfe von Panzerfahrzeugen geborgen.

Amoklauf fordert vier Menschenleben

Die Opfer waren allesamt Familienväter: Auf Seite der Polizei starben der 38-jährige Revierinspektor Roman Baumgartner, der für die Cobra im Einsatz stand, sowie zwei Polizisten, die als Gruppeninspektoren im Bezirk Scheibbs tätig waren, Manfred Daurer (44) und Johann Ecker (51) Rotkreuz-Rettungssanitäter Johann Dorfwirth, 70 Jahre alt und 32 Jahre im Dienst, verlor ebenfalls sein Leben (v.l.n.r.):

APA/ LPD NÖ/ RK NÖ Lilienfeld
APA/ LPD NÖ/ RK NÖ Lilienfeld ©APA/ LPD NÖ/ RK NÖ Lilienfeld

Seit 2008 Ermittlungen wegen Wilderei

Die Polizei ermittelt seit 2008 in mindestens acht Fällen von Wilderei in Niederösterreich und der Steiermark. Im März 2011 war ein Wilderer von einem Jäger in Bezirk Melk auf frischer Tat ertappt worden. Der Verdächtige attackierte den Waidmann und flüchtete zu Fuß, sein Auto wurde sichergestellt. Da der Mann gestohlene Kennzeichen verwendet hatte, blieb er unerkannt. Ob es sich bei dem 55-Jährigen nun um den seit Jahren gesuchten Wilderer handelt, konnte Scherscher vom LPK-NÖ nicht bestätigen.

Ermittler sichern Spuren in Anwesen des Schützen

Mittwoch früh nahmen die Ermittler die Spurensicherung im Anwesen des 55-jährigen Schützen auf. Seit dem Zugriff Dienstagabend wird das Anwesen in Großpriel nahe Melk durchsucht. Die Polizei hatte direkt bei der Einfahrt zum Hof eine Sperre errichtet, auf Anordnung der Staatsanwaltschaft durften die dutzenden Medienvertreter, die vor dem Vierkanthof Stellung bezogen hatten, nicht auf das Areal.

Mittels DNA wird nun geklärt, ob es sich bei dem in dem Gebäude entdeckten Toten tatsächlich um den Schützen handelt. Die Polizei geht jedoch “mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit” davon aus. Die Leichen der Opfer werden obduziert, die sichergestellten Projektile analysiert. Die akribische Aufarbeitung werde einige Zeit dauern, so Baumschlager. Zahlreiche Ermittler des Landeskriminalamtes und der Tatortgruppe waren seit den Nachtstunden im Haus im Einsatz.

APA/ Jäger
APA/ Jäger ©Foto: APA/ Jäger

Hinweise auf weitere Straftaten gefunden

Der Wilderer könnte weitere Straftaten begangen haben. “Es wurden Gegenstände im Haus sichergestellt, die auf vorangegangene Straftaten schließen lassen”, sagte ein Polizeisprecher der APA. Dazu zählen laut Sprecher Johann Baumschlager Langwaffen und mehrere gestohlene Kennzeichen. Unklar blieb zunächst, welche Waffen im Vierkanthof des 55-Jährigen sichergestellt worden sind.

Waffen im “dreistelligen Bereich” 

Im Keller von Alois H. wurde ein “umfangreiches Waffenarsenal im dreistelligen Bereich” sichergestellt, sagte der stellvertretende Kommandant der Cobra, Oberst Walter Weninger, Mittwochmittag in einem ORF-Interview. Im Zuge des Einsatzes habe der Mann von “vielen Waffen” Gebrauch gemacht”, so Weninger.

Bis zum Fund der Leiche des dritten getöteten Polizisten am Dienstagnachmittag sei man bei der Operation “von einer Geiselnahme ausgegangen”. Dann wurde das taktische Konzept geändert. Zuerst habe man auch überprüfen müssen, ob sich definitiv keine “Sprengfallen im oder um das Gebäude befinden”, sagte Weninger.

Details zum Einsatz der Cobra

Die Einsatzkräfte wurden während des belastenden Einsatzes von einer sogenannten Peer Support unterstützt. Bei diesen “Peers” handelt es sich um Ansprechpartner für die Einsatzkräfte, die speziell zur Unterstützung ausgebildet sind. Sie kennen und verstehen den Job und sprechen die gleiche Sprache. Nach Angaben des Sprechers des Einsatzkommandos Cobra, Detlev Polay waren am Dienstag rund zehn solcher Ansprechpartner für die Cobra-Leute da (Sondereinsätze mit großem Gefahrenpotential: Weiter zum Hintergrundbericht über die Cobra).

Die Cobra wurde laut Polay schließlich gegen 18.00 Uhr mit drei Panzern in den Innenhof des Vierkanthofs geschleust. “Die Annäherung war aus Gründen, weil der Mann schon vier Kollegen erschossen hat, höchst problematisch.” Somit wurde mit den Panzern ein “Mittel mit hoher Schutzqualität” gewählt. Bis Mitternacht suchten die Einsatzkräfte nach dem Schützen in dem sehr verwinkelten Gebäude. “Da kommst du immer wieder in eine Situation, die neu beurteilt werden muss. Wir kannten uns in dem Haus nicht aus.”

Einen Tag nach dem Tod ihres Kollegen hat am Mittwoch bei der Cobra “betroffen Stimmung” geherrscht, so Polay.

Angehörige der Opfer werden betreut

Der Schock nach dem Amoklauf in Niederösterreich sitzt tief: “In der Geschichte des Roten Kreuzes hat es so etwas noch nicht gegeben”, so dementsprechend auch ein Sprecher der Einsatzkräfte. Die Angehörigen der Opfer sind noch in der Nacht auf Dienstag um ca. 1.00 Uhr von den tragischen Vorfällen informiert worden und von einem Kriseninterventionsteam (KIT) betreut worden. Der Einsatz des KIT erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Akut-Team Niederösterreich.  Neben den Angehörigen wurden auch Rot Kreuz-Mitarbeiter betreut, die mit den Opfern zusammengearbeitet oder sie gut gekannt hatten.

Verletzter Polizist nicht mehr im Krankenhaus

Indes befindet sich ein weiterer Polizist, der bei dem Einsatz am Dienstag verletzt worden war, auf dem Weg der Besserung. Das sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager der APA. Der Mann war mit einem Rettungssanitäter mitgefahren, als der mutmaßliche Wilderer das Blaulichtfahrzeug unter Beschuss nahm. Der Sanitäter starb, der Polizist wurde von Splittern der zerschossenen Windschutzscheibe leicht verletzt, sagt Baumschlager. Psychisch sei er jedoch angeschlagen und wird auch psychologisch betreut, erklärte der Sprecher.

Kollektives Kopfschütteln in Großpriel

In der Heimatgemeinde des Täters unterdessen herrscht einen Tag nach der Bluttat Fassungslosigkeit und Unverständnis für den Polizeieinsatz. Völlig überflüssig sei es gewesen, den Wilderer zu jagen. Und überhaupt: Mit Wilderern habe man in der Gegend ohnehin viel Erfahrung, aber die sei bei dem Polizeieinsatz offenbar nicht zur Anwendung gekommen. “Den lass ich doch von mir aus den Hirschen schießen, oder auch zwei, dann fahr ich zu ihm nach Hause und läut an – und alles ist in Ordnung. Warum muss ich den so lange verfolgen, bis er die Nerven verliert? Man hat doch eh gewusst, was das für einer ist, dass der in so einer Situation sicher nicht aufgibt”, echauffiert sich einer der Wortführer im Gasthof Jäger in Anzendorf. Kollektive Kopfschüttelpause.

Dann werden Wilderer-Geschichten von früher ausgegraben, wie es da zugegangen sei. Von jungen Burschen ist die Rede, von reichlich Alkohol und abenteuerlichen Überschlägen mit Autos. Aber die Folgen seien niemals so verheerend gewesen wie gestern. “Jetzt reden alle nur noch über uns und nicht den Amokläufer in Washington”, meint einer, der bisher nur gelauscht hat. Stolz und Verärgerung vermischen sich dabei zu einem undefinierbaren Brei.

“Griaß di, hallo.” Ein Mann mit gatschigen Gummistiefeln betritt die Stube. Draußen grantelt der Herbst, die Wälder ringsum dünsten dichte Nebelschwaden aus, die kurvigen Straßen sind seifig vom Nieselregen. Der Mann wirft einen Blick auf den Stapel Lokalzeitungen, der nur ein Thema kennt, und grantelt ebenfalls: “Müssen die den unbedingt auf frischer Tat ertappen? Ihr könnts mir nix erzählen, da ist einiges schiefgelaufen.”

(APA/ red)

Liveticker zum Nachlesen:

Wilderer läuft Amok

Auch ein Kriseninterventionsdienst für die psychosoziale Betreuung stand rund um den Hof, in dem sich der Mann stundenlang verschanzt hielt, bereit. "Diese Mitarbeiter waren heute bereits im Einsatz um Angehörige zu betreuen", sagte Schmoll. Informiert wurden auch die umliegenden Krankenhäuser, "für den Fall des Falles dass mit einem stärkeren Patientenaufkommen zu rechnen ist", erklärte der Vizepräsident.

Das Rote Kreuz stand Dienstag in Großpriel mit insgesamt 69 Mitarbeitern im Einsatz, so Josef Schmoll, Vizepräsident des Roten Kreuzes. Dabei waren auch sieben Notärzte und die Besatzung zweier Christophorus-Notarzthubschrauber. Mit diesem Großaufgebot ist "die unmittelbare notärztliche Versorgung von 30 Verletzten sichergestellt", sagte Schmoll.

Da der Körper zur Unkenntlichkeit verkohlt sei, könne nur eine DNA-Analyse Klarheit bringen. Dies könne einige Tage dauern. Weitere Suchaktionen nach einem möglicherweise flüchtigen Täter seien nicht geplant.

Durch begleitende Ermittlungsarbeit während der laufenden Durchsuchung des weitläufigen Anwesens hatte die Polizei Kenntnis von dem Versteck erhalten. Dieses befand sich im Kellergeschoß. Wozu der Raum genutzt wurde, konnte Scherscher nicht sagen. In einem Gang ließ sich eine Wand wegdrücken wodurch man in den Geheimraum gelangte. "Die Einsatzkräfte haben die Tür geöffnet und wollten in den Raum eindringen, im Raum selbst hat es aber gebrannt", so Polizeisprecher Roland Scherscher bei einer Pressekonferenz in Melk. Das Feuer dürfte gelegt worden sein, und habe bereits längere Zeit gebrannt, als die Cobra den Geheimraum entdeckte. Der zuströmende Sauerstoff hatte die Flammen zusätzlich angefacht. Als das Feuer gelöscht wurde "konnte eine verbrannte männliche Leiche entdeckt werden", sagte Scherscher.

Insgesamt standen 135 Beamte der Cobra und 200 Exekutivkräfte im Einsatz. Das Gebäude sei von den Beamten vollständig untersucht worden, es könne davon ausgegangen werden, dass sich nichts Gefährliches mehr darin befindet. Die Durchsuchung des Anwesens war äußerst kompliziert und risikoreich. Der Täter hätte "hinter jeder Ecke lauern können".

Die stark verbrannte Leiche befindet sich laut Polizei in einem "entsprechenden Zustand". Obwohl es kaum Zweifel gibt, dass es sich dabei um den 55-Jährigen handelt, wurde dadurch die Feststellung der Identität und der Todesursache erschwert. "Wir sind froh, dass wir den Einsatz nach 24 Stunden beenden konnte", so Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich.

Alois H. ist tot. Im Gehöft wurde ein Geheimversteck entdeckt, in dem eine verbrannte Leiche lag. Es sei davon auszugehen, dass es sich um den Täter handelt, so die Polizei

+++ Mutmaßlicher Schütze Alois H. tot +++

Unbestätigten Meldungen zufolge wurde der Täter gefasst. Unklar sei, ob tot oder lebendig.

Die Polizei hat kurzfristig eine Pressekonferenz anberaumt.

Auf dem verwinkelten Anwesen wurde Dienstagnachmittag auch die Leiche des vierten Opfers gefunden. Der Polizist, der von dem 55-Jährigen zunächst bei einem Schusswechsel bei einer Straßensperre als Geisel genommen worden war, wurde tot aus der Scheune des Gehöfts geborgen.

Keine Spur von Alois H.: In dem Haus sei es sehr ruhig, es seien keine weiteren Schüsse gefallen. Doch der 55-jährige mutmaßliche Täter wurde von den Einsatzkräften bisher nicht gefunden, so der Sprecher der Cobra gegenüber der APA.

Weitere Geiseln dürfte der Amokläufer also nicht in seiner Gewalt haben.

Der Wilderer hält sich noch immer verschanzt. Von Seiten der Cobra hieß es, es seien keine weiteren Personen gefährdet.

"Er schießt sehr schnell", so der Cobra-Sprecher des Weiteren. Zu dem Gesuchten habe man "aktuell keinen Kontakt".

Es handle sich "um ein großes Anwesen" mit einem viergeschoßigen Gebäude und Nebengebäuden, "das dauert seine Zeit", so Polay gegenüber der APA. Viele Türen seien verschlossen, die Räumlichkeiten sehr verwinkelt, dementsprechend schwierig gestaltet sich die Durchsuchung. Die Sicherheit der Beamten, die entsprechende Schutzausrüstung tragen würden, sei zu gewährleisten.

"Wir haben es mit einem sehr brutalen Menschen zu tun", begründete Detlef Polay, Sprecher des Einsatzkommandos Cobra (Eko Cobra), gegenüber dem TV-Sender "Puls 4" das behutsame Vorgehen der Kräfte.

Auch nach 23.00 Uhr gab es zunächst keine Neuigkeiten vom Ort des Geschehens, so die Exekutive. Die Durchsuchung des Bauernhofes dauerte in den Nachstunden weiter an.

Der Nervenkrieg dauert an: Seit nunmehr 15 Stunden hält der Amokläufer von Lilienfeld Österreich in Atem. Seit gut dreieinhalb Stunden durchsucht die Cobra das weitläufige Anwesen, dabei im Einsatz: zwei Schützen- und ein Pionierpanzer aus der Kaserne Melk. Die Panzerfahrzeuge wurden eingesetzt, weil sie den besten Schutz bei der Annäherung boten, betonten die Einsatzkräfte.

Die Opfer des Blutbades: Vier Menschenleben hat der Amoklauf des 55-Jährigen gefordert, die Opfer waren allesamt Familienväter: Auf Seite der Polizei starben der 38-jährige Revierinspektor Roman Baumgartner, der für die Cobra im Einsatz stand, sowie zwei Polizisten, Manfred Daurer (44) und Johann Ecker (51), die als Gruppeninspektoren im Bezirk Scheibbs tätig waren. Rotkreuz-Rettungssanitäter Johann Dorfwirth, 70 Jahre alt und 32 Jahre im Dienst, verlor ebenfalls sein Leben. (v.l.n.r.). (Foto: APA/ LPD NÖ/ RK NÖ Lilienfeld)

Ein Spezialfahrzeug des Innenministeriums beim Verlassen des gesperrten Bereiches um das Gehöft. Die Durchsuchung des Geländes dauert noch immer an. (Foto: APA)

Das bisher letzte Lebenszeichen des Verdächtigen habe es gegen 17.30 Uhr gegeben, als ein einzelner Schuss aus dem Bauernhof abgegeben worden sei, erfuhr die APA von den Einsatzkräften. Zuvor hatte der 55-jährige Mann immer wieder Schüsse aus dem Gehöft heraus abgefeuert.

Nach Angaben der Polizei führe die Cobra eine "gesicherte Durchsuchung" des weitverzweigten und verwinkelten Anwesens durch. Die Eigensicherung der Beamten gehe vor, die Aktion könne noch dauern. Derzeit seien mehrere Dutzend Polizisten unmittelbar auf dem Gelände im Einsatz.

Durchsuchung läuft: Seit ca. 18.20 Uhr führt die Cobra einen Zugriff auf dem Gehöft durch, gegen 20.00 Uhr war der Einsatz noch im Gang.

"Mich haben sie auch angeschossen. Am Bauch. Aber das ist jetzt schon egal. Die 'Burgi' (den Schäferhund des Mannes, Anm.) hab i schon daschossn, und mi werden s'a net kriegen", gab der Bekannte die Aussagen des Wilderers gegenüber der "Krone" wieder. Gegenüber dem "Kurier" erinnerte sich der Freund an die Worte: "Ich hab' die Burgi schon erlöst."

Auf die Frage des "Kurier", ob sich H. zuletzt verändert habe, antwortete dieser: "Vor ein paar Wochen hat er erstmals angefangen, darüber zu reden, dass er irgendwelche Probleme hat. Dass er so etwas wie ein zweites 'Ich' habe."



"I bin da Wilderer vom Annaberg" - Schütze beichtete Tat: Alois H. hat nach der Tat mit einem Freund telefoniert. "Es ist leider wahr", habe der 55-Jährige (im Bild; Foto: APA/ Repro Plutsch) in dem Gespräch gebeichtet, zitiert die "Kronen Zeitung" den Bekannten. "I bin nämlich der Wilderer vom Annaberg." Auch der "Kurier" sprach mit dem Freund, der H. als begeisterten Jäger bezeichnete.

Die Panzer sind mittlerweile bis zum Hof vorgefahren, die Einsatzkräfte dürften sich dazu entschieden haben, das Gebäude zu stürmen. (Foto: APA)

Seit 7.00 Uhr am Morgen hält sich Alois H. nun in seinem Hof verschanzt. Das Gebäude in Großpriel wird von Polizei und Cobra belagert. (Foto: APA)

Über die Tatwaffe, angeblich eine Langwaffe, konnte Scherscher nichts sagen. Auch, ob es sich bei dem 55-Jährigen tatsächlich um den seit Jahren gesuchten Wilderer handelt, konnte der Ermittler nicht bestätigen.

Ermittlungen laufen seit 2008: Die Polizei ermittelt seit 2008 in mindestens acht Fällen von Wilderei in Niederösterreich und der Steiermark. Im März 2011 wurde der Wilderer von einem Jäger in Bezirk Melk auf frischer Tat ertappt. Der Verdächtige attackierte den Waidmann und flüchtete zu Fuß, sein Auto wurde sichergestellt. Da der Mann jedoch gestohlene Kennzeichen verwendete, kam man ihm nicht auf die Schliche.

Wie die LPD bei der heutigen Pressekonferenz berichtete, fiel in der Nacht auf Dienstag bei Annaberg erneut ein verdächtiges Fahrzeug auf. Beamte des Landespolizeikommandos und Einsatzkräfte der Cobra legten sich daraufhin auf die Lauer.

"Unsere Gedanken und unsere innige Anteilnahme sind bei den Familien von Dorfwirth und den ebenfalls erschossenen Polizisten", so Sauer weiters. "Johann Dorfwirth hat den Spruch 'Aus Liebe zum Menschen' gelebt. Er war menschlich, menschlich bis zuletzt."

"Wir haben mit Johann Dorfwirth einen ganz besonderen Mitarbeiter verloren", sagte Rotkreuz-Präsident Willi Sauer. Er sei seit 32 Jahren in verschiedensten Positionen für das Rote Kreuz tätig gewesen, war vielfach ausgezeichneter Rettungssanitäter und Ortsstellenleiter in Annaberg. "Die Rotkreuz-Stelle in Annaberg würde ohne Johann Dorfwirth nicht existieren", hieß es in einer Aussendung der Organisation.

Rotes Kreuz trauert um Mitarbeiter: Nach dem Blutbad hat das Rote Kreuz seiner Trauer über den Verlust eines langjährigen Mitarbeiters Ausdruck verliehen. Der 70 Jahre alte Johann Dorfwirth war mit einem Rettungswagen einem verletzten Cobra-Polizisten zu Hilfe geeilt war, der von dem Wilderer zuvor angeschossen worden war. Aus dem Hinterhalt soll der 70-Jährige von Alois H. erschossen worden sein. (Foto: Rotes Kreuz)

Das Fahrzeug des Täters (Foto: APA/ BMI):

"Niederösterreich trauert um unseren Mitarbeiter. Wir wollen den Angehörigen tiefes Mitgefühl aussprechen", sagte Josef Schmoll, Vizepräsident Rotes Kreuz bei der Pressekonferenz über den 70-jährigen Rettungssanitäter, der heute sein Leben lassen musste.

"Es ist einer der schwärzesten Tage", fügte Scherscher abschließend hinzu.

Dass sich Sprengstoff im Haus befinden würde, konnte der Ermittler nicht bestätigen, der Entminungsdienst sei als Vorsichtsmaßnahme hinzugezogen worden. Der Nahbereich um das Anwesen wurde großräumig evakuiert. (Foto: APA)

Wilderer noch immer auf Bauernhof verschanzt: Sichtlich bewegt haben die Polizei und das Rote Kreuz am Dienstag bei einer Pressekonferenz über die Vorkommnissen auf der Jagd nach dem Wilderer berichtet. Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich bestätigte im Zuge dessen, dass sich der 55-Jährige noch immer in seinem Haus nahe Melk verschanzt hält. (Foto: APA; im Bild: Roland Scherscher von der LPD und Josef Schmoll vom Roten Kreuz)

Hier soll sich der Amokläufer seit Stunden verschanzt halten: (Foto: EPA)

Als Zeichen des Respekts für die Opfer und aus Mitgefühl für die Angehörigen rief der Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst die Abgeordneten zu einer Schweigeminute auf. Redner aller Fraktionen äußerten sich betroffen über das Blutvergießen in Niederösterreich.

Schweigeminute im Nationalrat: Auch der Nationalrat gedachte am Dienstag in einer Schweigeminute der ermordeten drei Polizisten und des Sanitäters. Der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (ÖVP) unterbrach kurz die Sondersitzungs-Debatte über Korruption, um den Abgeordneten von dem "schrecklichen Vorfall" zu berichten.

Zur Lage vor Ort hieß es am späten Nachmittag: "Unverändert. Der Verdächtige wird im umstellten Gebäude vermutet. Wir gehen davon aus, dass er allein ist." Zuvor war kurz Rauch aus dem Vierkanthof gedrungen, die Ursache war zunächst unklar.

Großaufgebot der Polizei: Bilder (Quelle: APA/ EPA)

Warum der Jäger heimlich gewildert habe, erläutert ein Sprecher gegenüber der APA so: "Weil er in seinem eigenen Revier keine Hirsche hat."

Mittlerweile gilt es als belegt, dass es sich bei dem 55-Jährigen, der bisher nie polizeilich auffällig gewesen sei, um einen Wilderer handle, der seit längerem in der Gegend sein Unwesen getrieben haben soll.

Details zum Schützen: Bei dem Wilderer soll es sich um einen 55 Jahre alten Transportunternehmer aus der Ortschaft Großpriel bei Melk in Niederösterreich handeln. Alois H., laut oe24 der Name des Schützen, lebe alleine und sei Jäger, der legal mehrere Waffen, vor allem für die Jagd, besitze.

Über die genauen Hintergründe, wie das vierte Opfer zu Tode kam, wollen die Ermittler bei einer Pressekonferenz um 17.00 Uhr berichten. Dort sollen auch weitere Auskünfte erteilt werden und der Sachverhalt näher gebracht werden. Bisher hatte die Polizei nur spärliche Information weitergegeben.

Die Opfer des Amoklaufes: Zu den Erschossenen zählen drei Polizisten, davon ein Beamter der Cobra, sowie ein Sanitäter. "Unserer Gedanken sind bei den Angehörigen der Verstorbenen", so Baumschlager.

"Es ist heute Nacht zu einer unvorstellbaren Bluttat gekommen", sagte der Ermittler. Bei dem Toten handelt es sich um einen Polizisten. Damit hat der Wilderer mutmaßlich vier Menschenleben auf dem Gewissen.

"Unvorstellbare Bluttat": Sichtlich gezeichnet hat der niederösterreichische Polizeisprecher Johann Baumschlager (im Bild) bei einem kurzen Pressebriefing vor Journalisten ein viertes Opfer bei der Geiselnahme im Bezirk Lilienfeld offiziell bestätigt. (Foto: APA)

Um 17.00 Uhr wird die Polizei in Lilienfeld eine Pressekonferenz abhalten.
15:17 | Edgar Netzer

Der Wilderer hat offenbar einen vierten Menschen getötet: Die Polizei fand in dem entwendeten Streifenwagen auf dem Bauernhof des Verdächtigen in Großpriel die Leiche des vermissten Polizisten, der von dem Wilderer bei seiner Flucht als Geisel genommen worden war.
15:08 | Edgar Netzer

Einer der beiden Tatorte nahe Annaberg:
14:39 | Edgar Netzer

Das Einsatzfahrzeug der Cobra-Beamten, die den Mann festnehmen wollten. Einer von ihnen verstarb im Krankenhaus.
14:36 | Edgar Netzer

Zwei Schützenpanzer des Bundesheers rollen zur Verstärkung des Polizeiaufgebots an, welches das Haus des Wilderers umstellt.
14:33 | Edgar Netzer

Er feuerte auch auf einen Rettungswagen, der nach den ersten Schüssen zum Hilfseinsatz ausgerückt war. Ein Sanitäter kam dabei ums Leben. Mit einem Streifenwagen und einem Polizisten als Geisel flüchtete sich der Mann auf seinen Bauernhof, wo er sich seither verschanzt hält.
14:32 | Edgar Netzer

Jetzt ist es offiziell, die Nachrichtensperre aufgehoben: Der Mann erschoss in der Nacht zwei Polizisten und verletzte zwei weitere.
14:27 | VOL Redaktion

"Das ist alles ganz tragisch", erzählt ein etwa 30 Jahre alter Anrainer, um den sich die Reporter "reißen". Großpriel sei ein "kleines Bauerndorf mit 15 Häusern". "Ich hätte mir das von ihm nie gedacht", sagt der Mann über den mutmaßlichen Wilderer.
"Es wird noch dauern", sagt ein Polizist den Medienvertretern, darunter auch einige Kollegen aus Deutschland. Genaue Informationen zum Stand der Dinge gibt es an Ort und Stelle keine. "Der Einsatz ist am Laufen", heißt es von Seiten der Beamten.
14:27 | VOL Redaktion

Schon zuvor sind immer wieder Einsatzkräfte mit Blaulicht von und zu dem Vierkanthof gefahren: vermummte Beamte des Einsatzkommandos Cobra, Angehörige des Entminungsdienstes, der Feuerwehr und des Roten Kreuzes. Letztere evakuieren älterer Menschen aus der Gefahrenzone. Nicht alle Anrainer werden durch die Straßensperre gelassen.
14:26 | VOL Redaktion

Die Straßen zum Anwesen sind gesperrt, Polizisten mit schusssicheren Westen und Sturmgewehren bewachen eine Kreuzung, rund einen Kilometer entfernt. Plötzlich rollen drei Panzer, begleitet von zahlreichen Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht, an.
Großpriel. Es nieselt. Dutzende Journalisten, Fotografen und Kameramänner warten in der Kälte auf Neuigkeiten. Plötzlich fährt der Tross aus Polizeiautos, Panzer und einem Militär-Lkw durch die Landschaft aus Maisfeldern, Wiesen und Wald.
14:04 | VOL Redaktion

Das Täterprofil habe teilweise mit jenem, das weiteren Fällen in anderen Bezirken zugrunde liegt, übereingestimmt, meinte Schacherl. Über das Motiv habe unter den betroffenen Jägern, Jagdaufsehern und Hegemeistern bis zuletzt Rätselraten geherrscht. "Manche glaubten an Rachenakte an der Jägerschaft, andere hielten eher die Lust am Töten für die Ursache", so der Bezirksjägermeister.
14:03 | VOL Redaktion

Der oder die Wilderer nahmen immer nur die Häupter der erlegten Hirsche mit. Die Kadaver ließen sie an Ort und Stelle liegen, so Schacherl. Meist dürften die Tiere vom Auto aus geschossen worden sein, meinte der Bezirksjägermeister und Hüttenwirt. "Mir ist auch aufgefallen, dass der Täter sich immer Fluchtwege auf beiden Seiten offengehalten hat. Bei Annaberg kommt er beispielsweise Richtung Mariazell oder Richtung Lilienfeld davon."
14:02 | VOL Redaktion

Was war heute passiert? "Nach mehreren Jahren Wilderei wurde in der Nacht zum 17. September 2013 ein Verdächtiger von Polizisten in einem Wald bei Annaberg angehalten", schilderte NÖ Polizeisprecher Johann Baumschlager den Auslöser einer Bluttat und mit nachfolgender Geiselnahme, die in der Nacht auf Dienstag das Land erschütterte. "Wir sind alle schwer geschockt", sagte Schacherl. "Diese Vorkommnisse sind wie aus heiterem Himmel gekommen." Denn in Lilienfeld hätten der oder die Wilderer zuletzt eine längere "Pause" eingelegt. "Im Vorjahr gab es nichts in unserem Bezirk." Es sei vermutet worden, dass der erhöhte Druck durch die Polizeifahndung und die erhöhte Aufmerksamkeit der Bevölkerung den oder die Schützen vertrieben haben könnten.
14:01 | VOL Redaktion

Seit Jahren wird im Bezirks Lilienfeld Rotwild gewildert, das Landeskriminalamt Niederösterreich richtete sogar eine Sonderkommission ein. "Die toten Hirsche lagen immer in Straßennähe, oft auf einer Wiese", berichtete Bezirksjägermeister Martin Schacherl im APA-Gespräch. Er selbst weiß von sechs gewilderten Tieren innerhalb von sechs Jahren in seinem eigenen Hegebereich, weitere Vorfälle trugen sich in Nachbarbezirken und in der Steiermark zu.
13:34 | VOL Redaktion

Der klassische Wilderer, den es in Österreich bis in die 1980er-Jahre gegeben habe, sei gänzlich anders gewesen, sagte Girtler. Meist habe es sich um Angehörige der armen Landbevölkerung gehandelt, die aus wirtschaftlicher Not und auch aus Abenteuerlust in den Wald gingen. Als Beispiel kann der Osttiroler Pius Walder gelten, dessen Tod 1982 durch den Schuss eines Jägers bis heute Stoff für Legendenbildung liefert. Für Girtler war Walder der wohl letzte Wilderer alten Schlages. Das alte "Mannbarkeitsritual" der Wilderei sei seither der Geweih-Sammelwut einzelner gewichen.
13:33 | VOL Redaktion

Der Wilderer modernen Typs interessiere sich nicht für das Fleisch der erlegten Tiere, sondern nur für Trophäen. Auch der Ehrbegriff früherer Zeiten gelte nicht mehr, glaubt der Soziologe, der sich wissenschaftlich mit der Wilderei befasst. Der "Raubschütz" bewege sich nicht mehr auf natürlichem Wege zu Fuß durch den Wald, sondern mit dem Auto, um gleich mehrere Tiere schießen zu können. Im Gegensatz zu früher seien dabei Muttertiere vor ihm nicht sicher und der Bestandsschutz gleichgültig. Und er scheue auch nicht vor Konfrontationen mit Jägern zurück.
13:32 | VOL Redaktion

Der Raub von Wildbret wird seit mehr als 1000 Jahren vom Gesetz bestraft. Doch das traditionelle Recht der Grundbesitzer auf Fleisch und Früchte ihres Waldes wird seit Beginn der Moderne gern in romantisch verklärter Literatur und Filmen angefochten, die den Wilderer nach Worten des Heimatschriftstellers Peter Rosegger zum "Freibeuter der Berge" verklären.
Der Soziologe Roland Girtler hält dieses Bild vom noblen Wilderer allerdings für veraltet, sagte er der APA. Wo früher echte Wildschütze auf der Jagd gewesen seien, gebe es heute fast nur mehr reine "Raubschütze" mit kriminellen Motiven.
13:30 | VOL Redaktion

Polizeibeamte auf dem Weg zu der Geiselnahme.
12:56 | VOL Redaktion

Nähere Details zum Tod des Rettungs-Sanitäters und der Geiselnahme: Während der Versorgung des verletzten Polizisten - noch am Tatort - durch die Rettung schoss der Mann erneut und traf den Fahrer des Rotkreuzwagens. Der zweite Cobra-Polizist wurde ebenfalls verletzt.
Der mutmaßliche Wilderer flüchtete danach zu Fuß. Einige Kilometer weiter, an einer Kreuzung der Bundesstraßen 20 und 28 in Richtung Puchenstuben, stieß der Mann auf einen Streifenwagen und feuerte wieder. Einer der Beamten, ein Polizist aus dem Bezirk Scheibbs, erlitt einen Treffer. Dessen Kollege wurde offenbar zur Geisel des Verdächtigen, der mit dem Polizeiauto zu seinem Bauernhof bei der Ortschaft Großpriel bei Melk flüchtete.
12:54 | VOL Redaktion

Rund 100 Polizisten umzingeln seit etwa 7 Uhr das Anwesen, die Umgebung wurde großräumig abgesperrt. Die Polizei bestätigte indes, dass der Verdächtige immer wieder aus dem Bauernhaus heraus Schüsse abgab. "Er ist offensichtlich schwer bewaffnet", sagte ein Sprecher. Die Polizei zog auch Angehörige des Verdächtige bei, die versuchten, ihn auf seinem Handy zu erreichen, vorerst erfolglos. "Eine Kontaktaufnahme mit dem Mann war bisher nicht möglich."
12:51 | VOL Redaktion

Bei den Verhandlungen mit dem Geiselnehmer würde es vor allem darauf ankommen, "den Mann zu überzeugen, dass er sehr wohl noch etwas zu verlieren hat." So schwierig das sei, dann hätte man einen "Schuh in der Tür", so die Fachärztin. Zusätzlich würde es natürlich notwendig sein, möglichst viel über die persönliche Situation des Mannes heraus zu finden.
12:50 | VOL Redaktion

Auch wenn es bisher kaum Hintergründe über das Vorleben des Wilderers gibt, so lässt sein "schnellschüssiges" Verhalten gewisse Rückschlüsse auf seine Person zu. Neben der nicht vorausplanenden, heftig agierenden Persönlichkeitsstruktur, ist es weiters denkbar, dass diese heikle emotionale Ausgangslage durch Alkohol noch forciert worden sein könnte. Die Reaktion des Mannes könnte ebenso Produkt einer Abfolge von für ihn nachteilig wahrgenommenen Erlebnissen sein. Ebenso ist zusätzlich eine akute Drucksituation denkbar, die dann im Moment der Festnahme zu einer derartigen Eskalation geführt haben, erläuterte Kastner.
12:49 | VOL Redaktion

Was die Geisel betrifft, so würde es keinen großen Unterschied machen, dass diese ein Polizist sei. "Es ist bereits eine derartige Ausnahmesituation eingetreten, dass es nicht mehr wirklich ausschlaggebend ist. Man kann dem Beamten nur wünschen, dass ihm seine Ausbildung in dieser Lage zum Vorteil gereicht."
12:48 | VOL Redaktion

Grundsätzlich sind laut Kastner einige Faktoren ausschlaggebend, damit jemand einen Handlungsstil nach dem Motto "Jetzt ist eh schon alles egal" an den Tag legt. Das betonte die auch als Gutachterin tätige Expertin. Logisch nachvollziehbar seien solche Eskalationen, die es oft, wenn auch nicht in diesem Ausmaß gebe, nicht mehr.
12:47 | VOL Redaktion

Eine impulsive Persönlichkeitsstruktur könnte einer der Auslöser sein, dass ein Wilderer in Niederösterreich in der Nacht auf Dienstag derart heftig agierte. "Die erste Aggressionshandlung des Mannes war derart impulsiv, dass sie diesen Schluss zulässt", sagte Adelheid Kastner, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, im Gespräch mit der APA.
12:38 | VOL Redaktion

Der Mann hat sich auf seinem Bauernhof in Großpriel verschanzt.
12:37 | VOL Redaktion

Die Polizei bei einer Straßensperre.
12:13 | VOL Redaktion

Dass sich Kinder im Haus aufhalten, stimmt Meldungen zufolge - definitiv - nicht. Angeblich soll der Wilderer aber über ein entsprechendes Waffenarsenal im Haus verfügen wie oe24 berichtet.
12:02 | VOL Redaktion

Unbestätigt: Wie der Kurier berichtet, könnten sich auch die Kinder des Wilderers im Haus befinden. Ebenso wird von Handgranaten geschrieben. Dafür gibt es jedoch keine Bestätigung.
11:48 | VOL Redaktion

Nach Angaben des Innenministeriums hatten Polizisten den Mann nach mehreren Jahren Wilderei in der Nacht zu Dienstag in einem Wald bei Annaberg gestellt. Doch er flüchtete und schoss auf die Beamten. Dabei wurden zwei Polizisten und ein Sanitäter tödlich getroffen. Ein weiterer Polizist werde noch vermisst. Ob dieser sich in der Gewalt des Täters befinde, wollte ein Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Auch weitere Hintergründe blieben unklar.
11:33 | VOL Redaktion

Am Vormittag hatte sich der Mann weiter in dem Haus verschanzt. Die Polizei und die Spezialeinheit Cobra waren und sind an Ort und Stelle.
11:31 | VOL Redaktion

Die Polizei verfolgte den amtsbekannten Wilderer offenbar seit geraumer Zeit. Nach Hinweisen, dass der Mann in Annaberg erneut unterwegs ist, errichtete die Exekutive in der Nacht eine Straßensperre. Bei der Kontrolle eröffnete der Mann sowohl auf die Polizei als auch auf die Rettung das Feuer. Am Vormittag hatte sich der Mann weiter in dem Haus verschanzt. Das Gebiet war großräumig abgesperrt.
11:31 | VOL Redaktion

Neue Eilt-Meldung: Der Verdächtige verschanzte sich nach seiner Flucht in seinem Bauernhof in der Nähe von Melk und nahm einen Polizisten als Geisel. Das Gehöft wurde umgehend von der Cobra umstellt. Auch auf Beamte der Spezialeinheit feuerte der Verdächtige immer wieder.
10:59 | VOL Redaktion

Derzeit gibt es keine genauen Angaben zum Tathergang.
10:20 | VOL Redaktion

Wilderer läuft in Niederösterreich Amok

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