Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Am Nabel des Wunders Mensch

Hebammenunterstützung mehr als je gefragt und gefordert.
Hebammenunterstützung mehr als je gefragt und gefordert. ©Shutterstock
Nichts verbindet ­Urkraft und Urvertrauen mehr als das Menschwerden und der folgende Urschrei eines Babys. Und wer das tief bewegende Ereignis einer Geburt schon einmal (mit)erlebt hat, weiß um die essenzielle Bedeutung der unterstützenden Hände einer Hebamme.

Nicht nur, dass in Österreich die Beiziehungspflicht einer Hebamme bei einer Geburt gilt, auch und vor allem wünschen sich Gebärende durchwegs die Unterstützung einer Hebamme. Das belegt einmal mehr eine in Österreich durch­geführte Online-Umfrage zur Hebammenarbeit. Fit & Gesund sprach mit der diplomierten Hebamme Helga Hartmann über die Bedeutung der helfenden Hände rund um die Geburt, über Hebammen-Mangel und mögliche Ängste.

Gleich vorneweg: Hebammen unterstützen in einer Situation, die das Leben neu definiert – welche Worte geben Sie werdenden Eltern mit auf den Weg?

Helga Hartmann … dass sie die Zeit der Schwangerschaft als eine Zeit der guten Hoffnung erleben dürfen, dass aber auch Unsicherheit und Ängste auftreten können, bei denen wir Hebammen ihnen gerne als Fachfrauen zur Seite stehen. Eine breite Palette an Gefühlen ist völlig normal in dieser neuen Lebenssituation, die ja für die werdenden Eltern eine spannende Reise in ihre Zukunft als Familie bedeutet.

Gleichzeitig mit der freudigen Nachricht einer Schwangerschaft tauchen Hunderte Fragen auf, ebenso viele Antworten werden gesucht, mitunter Ängste geschürt – gerade auch in den verschiedensten Medien – wie sehen Sie die Entwicklung, zu welchen Info­quellen raten Sie?

Die beste Information bekommt man von einer fachlich qualifizierten Person in einem persönlichen Gespräch, sei es der Arzt oder die Hebamme. In der 18. bis 22. SSW sollte die Möglichkeit eines kostenlosen Hebammenberatungsgespräches laut Mutter-Kind-Pass in Anspruch genommen werden. Bei diesem Gespräch können alle persönlichen Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillen, Ernährung, Information über mögliche Unterstützungsmöglichkeiten in schwierigen, belastenden Situationen und noch vieles mehr auf die eigenen ­Bedürfnisse abgestimmt besprochen und beantwortet werden. Auch die Hebammenbroschüre bietet neben ausführlicher, fachlicher Information unter anderem eine Liste aller freiberuflich tätigen Hebammen mit Kontakt­daten.

Und noch eines: Gerade in Zeiten, da alle Lebenssituationen am liebsten geplant und abgesichert sein wollen – gehören terminierte Entbindungen heute mehr denn je zum Alltag bzw. haben Geburten per geplantem Kaiserschnitt zugenommen?

Zum Thema Wunschkaiserschnitt gibt es nicht genug Statistiken oder Zahlen. Was sich aber klar sagen lässt: Die Gesamtzahl der Kaiserschnittrate hat zugenommen. So wird im Durchschnitt fast jedes 3. Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Hier würde ich mir für alle Schwangeren wünschen, dass ausschließlich bei medizinisch notwendig indizierten Situationen zum Messer gegriffen wird. Weder ein höheres Alter der Gebärenden noch eine Zwillingsschwangerschaft, Steißlage oder ein vorangegangener Kaiserschnitt sind zwingende medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt. Viele dieser Frauen können eine Spontangeburt haben. Jede Schwangere sollte die Möglichkeit nützen, um mit einer vertrauten fachlich qualifizierten Person über die verschiedenen Möglichkeiten einer Geburt zu sprechen. Allein wenn eine Gebärende über die verschiedenen Phasen der Geburt Bescheid weiß und ihr die unterschiedlichen Unterstützungsmöglichkeiten bekannt sind, kann sie sich auf das lange herbeigesehnte Ereignis „Geburt“ einlassen. Frauen sollen mehr darauf vertrauen, dass sie unbeschreibliche Kräfte freisetzen können und ausreichend Energie fließt, um spontan zu entbinden. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer PDA, keine Frau muss mehr vor unerträglichen Schmerzen Angst haben, sollte sie während der Geburt an ihre eigene persönliche Grenze gelangen, so kann gut mit verschiedenen Mitteln geholfen werden.

Sie sind eine von derzeit 116 Hebammen in Vorarlberg – sehen Sie einen aktuellen bzw. kommenden Engpass?

Dass wir bereits ­einen Hebammenengpass haben, ist zweifelsohne spürbar. Immer mehr Anfragen von Schwangeren über eine Nachbetreuung nach der Geburt müssen abgesagt werden. Das Aufgabengebiet einer Hebamme ist sehr vielseitig, und das macht sich jetzt im Vergleich zu vor 10 Jahren bemerkbar. War damals noch ein Großteil der Hebammen fast ausschließlich angestellt und einige ausschließlich freiberuflich tätig, so zeigt sich heute ein anderes Bild: Ca. zwei Drittel der Hebammen sind sowohl angestellt als auch frei­beruflich tätig. Im Jahr 2010 waren ca. 95 Hebammen in Vorarlberg gemeldet – heute sind es 116 Hebammen – und es gibt noch immer einen Mehrbedarf. Zwei Hebammen bieten in Vorarlberg die Hausgeburt an.

Was wäre die Lösung?

Eines unserer großen Anliegen ist die Überarbeitung der derzeitigen Stellenpläne in den Krankenhäusern – diese sind veraltet und entsprechen nicht den heutigen Anforderungen einer guten und sicheren Geburtsbegleitung. Eine 1:1-Betreuung durch eine Hebamme während der Geburt ist nachweislich die sicherste Geburtsbegleitung. Übrigens: Die Hebammenausbildung ist ein dreijähriges Bachelorstudium an derzeit sieben Fachhochschulen in Österreich, in Vorarlberg wird dieses Studium nicht angeboten. Die Fachhochschule Innsbruck hat auf den Hebammenmangel reagiert und bietet jetzt im Zweijahresrhythmus einen Ausbildungslehrgang an. Das bedeutet jedoch nicht, dass dadurch auch mehr Vorarlberger einen Studienplatz in Innsbruck erhalten.

Und zu guter Letzt: Es gibt ja die Möglichkeit, eine Hebamme für die persönliche Betreuung zu buchen – wie kann dies erfolgen?

Die Kontaktaufnahme zu einer Hebamme ist recht unkompliziert: Entweder man sucht sich die Hebamme im Internet über www.hebammen.at oder man kann im Mutter-Kind-Pass den dort beigelegten Hebammenfolder zur Suche beiziehen. Der optimale Zeitpunkt für die Kontaktaufnahme für die Nachsorge ist sicher zwischen der 12. bis 18. SSW. Bei der Betreuung durch eine Kassenvertragshebamme entstehen keine Kosten. Bei der Betreuung durch eine Wahlhebamme werden 80 Prozent vom Kassatarif rückerstattet. Die beste Idee ist, man lässt sich eine Hebammenbetreuung schenken – das wäre ein absolut einzigartiges, wertvolles, persönliches und ­individuelles Geschenk.

ZUR PERSON

Helga Hartmann ist diplomierte Hebamme, arbeitet als Elternberaterin bei Connexia, ist auch freiberuflich als Wahl­hebamme tätig und leitet die Geschäftsstelle des Österreichischen Hebammengremiums in Vorarlberg Diplomiert 1992 in Innsbruck
Geboren: 27. Februar 1969
Familie: verheiratet, drei erwachsene Kinder
Hobbys: Puzzlen, Singen, Hebammerei
Motto: Schritt für Schritt ans Ziel

Weiterreichende Infos unter www.hebammen.at

Fill 1Created with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Gesundheit
  • Am Nabel des Wunders Mensch
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen