Altes Wissen neu belebt

Sigrid Bannier gab den interessierten Kursbesucherinnen ihr Wissen zur Herstellung weiter.
Sigrid Bannier gab den interessierten Kursbesucherinnen ihr Wissen zur Herstellung weiter. ©str
Der Vorarlberger Trachtenverband organisierte einen „Mäßli-Kurs“ für die Montafoner Tracht
Impressionen vom "Mäßli-Kurs" in Schruns

Es herrschte im wahrsten Sinne des Wortes eine feucht-fröhliche Stimmung, als die fünf Frauen, die am „Mäßli-Kurs“ dieser Tage im alten Gericht in Schruns teilnahmen drei Tage lang ihre „Mäßli“ filzten. Das „Mäßli“ ist eine der traditionellen Kopfbedeckungen der Montafoner Tracht der Frauen. Das Wissen um die Herstellung dieser besonderen Kopfbedeckung ging vor über 100 Jahren verloren. Nur ausgewählte Frauen im Tal, die ein Erbstück ihr Eigen nennen konnten, besitzen diese Kopfbedeckung noch. Doch im Jahr 2012 startete Ulrike Bitschnau, die Obfrau des Vorarlberger Trachtenverbandes, ein Projekt zur Wiederbelebung des alten Wissens.

Wissensverlust

Dazu ließ sie einen alten Hut sogar an einer Universität untersuchen, weil sich die Fachleute nicht einig waren, ob es sich bei dem Material um Ziegen- oder Schafwolle handelte. Das Ergebnis war eindeutig Schafwolle und so machte sich die umtriebige Montafonerin Bitschnau auf die Suche nach einer Filzerin, die eben ein solches Stück herstellen konnte. Mit der aus der Westpfalz stammenden Sigrid Bannier fand Bitschnau eine absolute Fachfrau. Doch bis zu einem endgültig zur Zufriedenheit hergestellten Kopfbedeckung sollte es noch ein weiter Weg sein. „Insgesamt habe ich 10 Prototypen hergestellt“, erzählt die ausgebildete Filzfachfrau. Zum einen ist die Schafwolle sehr besonders, da sie lange Fäden beinhalten muss, damit am oberen Rand die typischen Haare des Hutes abstehen müssen. Zum anderen sei das Schwarz auch ein Problem gewesen.

Mehrere Versuche

„Wir haben dann die Schafwolle eingefärbt und dies führte zum Ziel“, erklärt Ulrike Bitschnau. Zudem sei es sehr schwierig gewesen die vier Filzrichtungen auf dem Deckel herzubekommen und den Schaft in die andere Richtung zu verfilzen. „Schlussendlich besteht das Mäßli nun aus zwei extra gefertigten Teilen, nämlich dem Schaft und dem Deckel“, so Bannier. Ihr Wissen um die Herstellung gab die Filzern nun in einem dreitägigen Kurs an fünf Montafonerinnen weiter, die allesamt ihr „eigenes Mäßli“ in dieser Zeit herstellten. „Schwierig ist es zunächst alle Teile genau aufzulegen, denn das erfordert immense Geduld“, lacht Nicole Pfefferkorn, eine der Teilnehmerinnen.

Mit heißem Wasser, Seife, viel Handarbeit und einer ordentlichen Portion Geduld entstanden nach der Anleitung von Bannier die Mäßli. „Diese Frauen aus dem Kurs sind gelistet und geben ihr Wissen auch wieder weiter, sodass es nicht wieder verloren geht. Das ist das Wichtigste an diesem Projekt“, resümiert die Obfrau des Trachtenverbandes am Ende der intensiven drei Tage.

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