Alles ganz normal

Götzis/VN - Am heutigen Montag ist Welt-Down-Syndrom-Tag und Mike Kain darf Geburtstag feiern.

Mike hat heute Geburtstag. 22 wird er. Als der Bub am 21. März 1989 in Bad Ischl das Licht der Welt erblickt, gibt es den Welt-Down-Syndrom-Tag noch nicht. Inzwischen ist Mike Kain stolz auf das Datum. „Letztes Jahr haben wir toll gefeiert“, erzählt er und grinst. Und heute? „Werde ich arbeiten und am Abend mit meiner Mutter und meiner Schwester essen gehen“, sagt er. Ein ganznormaler Wunsch. Aber bei Mike erscheint irgendwie allesganznormal. Selbst die Mutter hat „mit so viel Normalität gar nicht gerechnet“.

Zurück zum Sunnahof

Vor gut einem Jahr ist sie mit ihrem Sohn von Graz nach Götzis gezogen. In der steirischen Landeshauptstadt absolvierte Mike Kain eine Teilqualifizierungslehre als Tischler. Er lebte mit Assistenz in einer kleinen Wohnung und ging seiner Wege. Bis Mike an falsche Freunde und sein Dasein aus den Fugen geriet. „Es ist nicht mehr gegangen“, stellt Mike nüchtern fest. Seine Mutter, Nicolette Blok, erlebte die Sache anders. Sie machte die bittere Erfahrung, dass es „in einer Stadt für Menschen mit Behinderung schwierig ist, neu anzufangen“.

Doch Mike, spontan wie es seinem Naturell entspricht, fand bald eine Lösung. Er wollte zurück zum Sunnahof Tufers in Göfis, wo er vorher schon einmal war. „Es hat mir dort sehr gut gefallen“, packt er seine Erinnerungen aus. Also zog die kleine Gemeinschaft vom Süden in den Westen. „Hier möchte ich bleiben“, erklärt Mike Kain mit fester Stimme. Wiewohl die Lebenshilfe eigentlich nicht dem Ziel entsprach, das Nicolette Blok für ihren Sohn im Auge hatte. Jetzt arbeitet sie als Bereichsleiterin für die „Mobilen Dienste“ im gleichen Unternehmen und weiß: „Behinderung ist nur ein Etikett nach außen.“

Gute Unterstützung

Innerhalb der Familie stand das Down-Syndrom nie im Vordergrund. „Es gab auch für Mike Pflichten“, betont die Mutter. Das ebnete ihm den Weg in die Selbstständigkeit. Und die lebt er. Sowohl bei der Arbeit wie in der Freizeit. Im Betrieb in Graz blieben meist nur die Hilfsjobs an Mike Kain hängen. „In der Tischlerei vom Sunnahof darf ich fast alles machen, weil ich so gut unterstützt werde“, freut er sich. Zudem fällt der 22-Jährige durch eine enorme Hilfsbereitschaft auf. Er macht freiwillig Stalldienst und packt auch bei Festen mit an. „Ich arbeite gerne hier. Die Leute sind alle gut drauf“, lautet die einfache Begründung.

Mike Kain fühlt sich akzeptiert. „Es ist toll, wie alle mir helfen, dass ich meine Ziele erreichen kann.“ Bei diesem Satz leuchten seine Augen. Denn Pläne wälzt der umtriebige junge Mann noch einige. Er will den Staplerführerschein machen und wenn das klappt, den für Moped und Auto. Mit 30 strebt Mike eine Partnerschaft an. „Derzeit bin ich wieder Single“, sagt er unbefangen. Aber das möchte er nicht bleiben.

Mann mit vielen Hobbys

Und er wünscht sich, dass die Durststrecke beim FC Bayern ein Ende findet. „Nächstes Jahr geht es aufwärts“, gibt sich der Fan überzeugt. Selbst spielt er auch Fußball. Als Stürmer bei den „Special Friends“ sorgt Mike für die nötigen Tore. Doch das ist längst nicht alles. Billard, Radfahren, Schwimmen, Tanzen im „Tanzhaus“, Tauchen, Facebook … wenn er von seinen weiteren Hobbys erzählt, scheint es kein Ende zu geben. Da unterscheidet sich Mike Kain vielleicht doch von anderen seines Alters.

Zur Person

Mike Kain

Geboren: 21. März 1989 in Bad Ischl

Wohnort: Götzis, St. Arbogast

Beruf: Beschäftigt in der Tischlerei des Sunnahof Tufers

Hobbys: Radfahren, Billard, Fußball, Tanzen

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