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"Allergie-Symptome" ohne Allergie - Histaminintoleranz häufig

Häufig wird bei Beschwerden wie der "Rinn-Nase" an eine Allergie gedacht.
Häufig wird bei Beschwerden wie der "Rinn-Nase" an eine Allergie gedacht. ©dpa (Themenbild)
"Allergie-Symptome" ohne eigentliche Allergie: Allein bei den Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind 40 Prozent eigentlich Fälle sogenannter Histaminintoleranz.

“Es handelt sich um ein Ungleichgewicht zwischen der Zufuhr (über Nahrung, Anm.) bzw. der körpereigenen Produktion von Histamin und seinem Abbau”, erklärte am Montag der Grazer Lungenspezialist Gert Wurzinger bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado (bis 1. Juni) mit rund 1.000 Teilnehmern.

Beschwerden erinnern an Allergie-Symptome

Häufig wird bei Beschwerden, von der “Rinn-Nase” bis zu Asthma-ähnlichen Symptomen, gastrointestinalen Beschwerden und Hautproblemen sofort an eine Allergie gedacht. Doch nicht immer ist das der Fall. Das Histamin wird einerseits als Neurotransmitter und Gewebehormon – wichtig für die Magensaftsekretion, Appetitkontrolle, Lernfähigkeit, Schlaf-Wach-Rhythmus, Blutdruckregelung, Immunmodulation und Wundheilung – vom Körper selbst gebildet, andererseits mit Nahrungsmitteln (alkoholische Getränke, Fertignahrung, Konserven, Fisch, Käse etc.) zugeführt. Das kann die Balance bei manchen Personen aus dem Gleichgewicht bringen.

“Frauenleiden”

Wurzinger: “Ein Prozent der Bevölkerung leiden an einer Histaminintoleranz. 80 Prozent davon sind Frauen, zumeist um das 40. Lebensjahr.” Stress und Entzündungen kurbeln beispielsweise die Produktion von Histamin an. Bei vielen Betroffenen liegt aber (auch) eine verminderte körpereigene Produktion des wichtigsten Histamin-abbauenden Enzyms, der Diaminooxidase (DAO) vor. Der “Worst Case”: Patienten mit einer über das Immunglobulin E (IgE) vermittelten Typ-1-Allergie (Pollen, Hausstaubmilbe, Tierhaare etc.), bei denen die Mastzellen bei Kontakt mit einem Allergen Histamin ausschütten und eine gleichzeitig vorliegende Histaminintoleranz (DAO-Mangel etc.).

Schwierigkeiten bei Diagnose

Die Diagnose der Intoleranz ist nicht ganz einfach: Laboruntersuchungen (Blut, Harn) sind nur bedingt aussagekräftig. Am ehesten gibt noch ein Beschwerdetagebuch Auskunft, worauf jemand mit den Symptomen reagiert. Dann kann eine “Eliminationsdiät”, bei der besonders Histamin-hältige Nahrungsmittel gezielt vermieden werden, die genauere Ursache bestimmen helfen.

50 Prozent der Patienten reagieren auf Alkohol

Die “Verdächtigen” sind längst bekannt: 50 Prozent der Patienten mit Histaminintoleranz reagieren auf alkoholische Getränke – fast 50 Prozent auf Rotwein, dann folgen Weißwein, Sekt und Bier. 25 Prozent der Betroffenen berichten von Symptomen nach Käsekonsum (je “gereifter”, desto mehr Histamin). An dritter Stelle folgt die Schokolade (23 Prozent). Den Konsum kann man als Betroffener natürlich einschränken oder vermeiden.

Allerdings, auch viele Arzneimittel können Histamin-Intoleranten heftige Beschwerden bringen: Viele Anästhetika sind hoch potente Histamin-freisetzende Substanzen, auch Opiate wie Codein, Morphin etc. Hinzu kommen die meisten nichtsteroidalen Antirheumatika. Umgekehrt gibt es zahlreiche gebräuchliche Arzneimittel, welche das DAO-Enzym blockieren, das den Histamin-Abbau zu bis zu 80 Prozent bewirkt. (APA)

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