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AfD-Rechtsaußen Höcke "erklärt" Flüchtlingsandrang mit Rassentheorie

Höcke sorgt für Wirbel.
Höcke sorgt für Wirbel. ©AP
Das ging selbst seiner eigenen Partei zu weit: AfD-Spitzenpolitiker und Vertreter des Rechtsaußen-Flügels in der Partei, Björn Höcke, erklärt den Flüchtlingsandrang in Europa mit Evolution. Seine eigene Bundes-Partei geht nun auf Distanz zu ihm.

Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke dürfte den Bogen überspannt haben. Höcke, der zu Pegidaähnlichen Aufmärschen bis zu 8.000 Menschen versammelte, wird maßgeblich mit dem Aufschwung der rechtspopulistischen AfD in Deutschland in Verbindung gebracht. Bundesweit steht diese bei Umfragen mittlerweile bei bis zu 10,5 Prozent. Nun droht Höcke aber aufgrund eines Videomitschnittes Ungemach.

Höcke erklärt in einer Rede, dass Afrikaner und Europäer evolutionsbedingt unterschiedliche Reproduktionsstrategien hätten. Und jene der Afrikaner würde zu einem Andrang auf die europäischen Grenzen führen. Der “lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp” treffe in Europa auf den “selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp”: Während in Afrika die “R-Strategie” vorherrsche, die auf möglichst hohe Wachstumsraten abziele, stehe dem in Europa die “K-Strategie” gegenüber. Diese wolle “die Kapazität des Lebensraums optimal ausnutzen”. Aus diesem Grund würden in Afrika mehr Kinder pro Frau geboren als in Europa.

Es droht kein Rausschmiss

Viele führende Mitglieder der AfD finden die Äußerungen des Thüringer Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke zum “Reproduktionsverhalten” von Afrikanern bizarr. Doch er hat auch Unterstützer – vor allem im Osten.

Dem Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke droht nach den Worten von Bundesvorstandsmitglied André Poggenburg kein Rausschmiss aus der Partei. Mehrere Vorstandsmitglieder hätten zwar bei einer Telefonkonferenz gesagt, sie seien “nicht glücklich” über Äußerungen Höckes zur “Reproduktionsrate” von Afrikanern, sagte Poggenburg, der wie Höcke zum rechtsnationalen Flügel gehört, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Es sei aber nicht über mögliche “Ordnungsmaßnahmen” gesprochen worden.

Höcke selbst hatte erklärt, er bedauere, wenn seine Aussagen zu “Fehldeutungen” geführt hätten. Gleichzeitig betonte er: “Gerade als Politiker muss man auch die großen Entwicklungen im Blick behalten und darf sie nicht aus Sorge vor Missverständnissen und Fehlinterpretationen verschweigen.”

Parteivorstand lädt Höcke zum Rapport

Der Parteivorstand will Höcke zu einer seiner nächsten Sitzungen einbestellen. Der Co-Vorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, hatte nach der Telefonkonferenz am Sonntag Aussagen über Asylbewerber aus Afrika, die Höcke am 21. November in einem Vortrag gemacht hatte, kritisiert. Diese waren von Politikern anderer Parteien als rassistisch bezeichnet worden. Der Co-Vorsitzende führt aus: “Seine Ausführungen sind sachlich unsinnig, entbehren wissenschaftlicher Substanz und laden zu Fehldeutungen als rassistische Aussagen geradezu ein.” Sie seien eine “politische Torheit”. Meuthen spricht weiters von “indiskutablen” Äußerungen. Er empfahl Höcke “dringend, in sich zu gehen und sich in seinen öffentlichen Auftritten künftig deutlich zu mäßigen”. Es schade „dem Ansehen unserer Partei, mit solchen Aussagen in Verbindung gebracht zu werden“, kritisierte Meuthen. Zudem gefährde Höcke die “nach dem Essener Parteitag im Juli zurückgewonnene Einheit der Partei”.

Meuthen rügte auch Höckes Gratulation an die rechtsextreme französische Partei Front National (FN) nach deren Rekordergebnis in der ersten Runde der Regionalwahlen. Poggenburg teilt diese Kritik nicht. Er sagte: “Bei der EU-Kritik und der Masseneinwanderung, da steht die FN zumindest nahe bei der AfD.”

Er habe gehört, dass Höckes Äußerungen bei dem Vortrag in Baden-Württemberg, wo im März Landtagswahlen anstehen, “nicht gut aufgenommen worden” seien. In Sachsen-Anhalt, wo im März ebenfalls gewählt wird, habe sich aber niemand beschwert. Möglicherweise seien die Empfindlichkeiten in Ost und West einfach verschieden, fügte er hinzu.

Auch aus Höckes Fraktion im Thüringer Landtag kam bisher kaum Kritik. Negativ äußerte sich lediglich der AfD-Abgeordnete Jörg Henke. Er sagte dem Sender MDR Thüringen: “Ich finde die Aussagen Höckes unglücklich.” Die umstrittene Rede in Schellroda sei politisch am rechten Rand und von der Wortwahl her völkisch gewesen. Diese Aussage zog Henke nach MDR-Angaben später zurück.

(dpa/Red.)

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