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Abschied von einem Beruf mit vielen Emotionen

Rosen zum Abschied: Irene Bitschnau hielt am 11. März ihre letzte Trauung.
Rosen zum Abschied: Irene Bitschnau hielt am 11. März ihre letzte Trauung. ©Edith Hämmerle
Menschen aus der Heimat: Nach 620 Trauungen verabschiedet sich Irene Bitschnau in den Ruhestand.
Beruf mit vielen Emotionen

Dornbirn. 620mal stand sie Brautpaaren bei den Worten: „Ja, ich will“ gegenüber. 15 Jahre lang war Irene Bitschnau Standesbeamtin im Team vom Rathaus Dornbirn. Nach 620 Trauungen verabschiedet sie sich nun in die Pension. Auf die Frage, ob sie sich noch an die erste Trauung erinnert, lacht sie herzlich. Auch sonst hört man sie oft lachen. Ihre spontane Art, wie sie auf Menschen zugeht, bleibt nicht unbemerkt.
„Die erste Trauung war natürlich sehr spannend und aufregend. Obwohl ich sehr gut vorbereitet war, war ich hinterher doch erleichtert, dass alles gut gelaufen ist“, erinnert sie sich gerne zurück und erzählt weiter: Sie habe ihren Beruf immer gern ausgeübt, er war sehr abwechslungsreich und es gab viel zu Lachen. Manchmal gab es auch traurige Momente, wenn ein Partner oder eine Partnerin schwer krank war.

Gefühlvolle Momente

Es ist ein Beruf, der von vielen Emotionen geprägt ist, von gefühlvollen Begebenheiten, die vorher nicht einkalkuliert werden können. Dabei erwähnt sie eine Trauung, bei der eine Braut vor lauter Aufregung im WC verschwunden war. „Nach einer Weile konnte ich sie dazu überreden, doch wieder in den Trauungsraum zurückzukehren.“ Als sehr ergreifend empfand sie die Feier mit dem bisher ältesten Brautpaar. Der Bräutigam war 88, seine Braut 76. Und als sie von jener Trauung erzählt, wo der Bräutigam kurz davor zu ihr kam, und sie bat, seine Krawatte zu binden, bringt sie heute noch zum Lachen. Das waren einige Episoden aus dem Berufsleben, an die man sich gern zurückerinnert, resümiert die Standesbeamtin und dabei fällt ihr noch jene Trauung ein, bei der ein Gast dem Bräutigam einen Scooter vor die Trauungstür gestellt hat, mit einem Plakat: „Letzte Chance“. Erwähnen möchte sie noch eine Begebenheit, bei der sie sich versprochen hat. Eine Braut, die nach der Heirat Frau König hieß, sprach sie mit Frau Königin an. Dieser Versprecher löste ein herzhaftes Gelächter aus.

Freud und Leid

Dann wurde eine schöne Zeit urplötzlich von einer Pandemie überschattet. Maskentragen, Abstandhalten. Laufend neue Regelungen. Trauungen waren nur noch im kleinsten Kreis möglich. „Mir taten die Brautpaare leid, die lange im Voraus geplant haben und dann alles anders ablaufen musste.“ Die Situation habe sich nun gebessert und die Hoffnung bestehe, dass es sich weiter zur Normalität entwickeln wird, sagt Irene Bitschnau und wirft noch einen Blick in die Zukunft:
Ab Mai werden die Trauungen in der „Stiegervilla“ (alte Bücherei) stattfinden. Dies wegen Umbauarbeiten im Rathaus, die voraussichtlich bis Ende September 2022 andauern werden.

Geschenk zum Abschied

Aber dann wird sich die Dornbirnerin, die 30 Jahre in Gaißau gelebt hat und erst vor fünf Jahren wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt ist, im Ruhestand befinden. Ihre letzte Trauung am 11. März um 16 Uhr rückte immer näher. „Ihr letztes Brautpaar“ machte ihr noch ein schönes Geschenk zum Abschied. Der ausdrückliche Wunsch der beiden war, von ihr getraut zu werden. „Es war eine wunderschöne Feier“, schwärmt sie, als sie mit Rosen beschenkt aus dem Trauungsraum trat.
Mit diesem würdigen Abschluss freut sich Irene Bitschnau mit 60 endlich genug Zeit für Familie und Freunde zu finden. Mit vielen Hobbys im Gepäck und mit der Einstellung: „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“, wird es wohl nicht so ruhig ablaufen. Zum Einstand ist schon mal eine Flugreise geplant, und es gebe noch andere Pläne, gibt sie mit einem verschmitzten Lächeln preis. EH
Zur Person
Irene Bitschnau
Geboren: 1962
Wohnort: Dornbirn, 30 Jahre in Gaißau
Familie: verheiratet, Kinder, Enkelkinder
Beruf: Standesbeamtin, früher Sekretärin und Buchhalterin
Hobbys: Nähen, Lesen, Musik, Reisen, Enkelkinder
Lebensmotto: „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“

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