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80.000 Tote durch Passivrauchen

Nach einem Vorstoß des steirischen Landtags wird ein Rauchverbot in Lokalen in Österreich wieder heftig diskutiert. Jährlich sterben 80.000 Menschen durch Passivrauchen in Europa.

In Irland, wo es ein solches Verbot seit 2004 gibt, wurden in einer Studie die Auswirkungen des Rauchverbotes auf die Gesundheit der Gastronomie-Mitarbeiter untersucht. Die APA sprach darüber mit Michael Studnicka, Vorstand der Universitätsklinik für Pneumologie an den Salzburger Landeskliniken.

APA: In Österreich wird über das Rauchverbot in Lokalen diskutiert, wie sehen Sie das?

Studnicka: Der Rauch in Lokalen stellt eine hohe Gefährdung für alle Menschen in Lokalen dar. Dies betrifft in erster Linie Personen, die ein gesundheitliches Risiko aufweisen, zum Beispiel solche, die an einer schweren Lungenerkrankung leiden oder einen Herzinfarkt durchgemacht haben. In weiterer Linie natürlich Schwangere und Kleinkinder, die besonders empfindliche Atemwege haben, und an dritter Stelle sind hier Mitarbeiter der Gastronomie zu nennen, die oft durch jahrelange intensive Rauchbelastung gesundheitlich geschädigt werden.

APA: Welches sind typische Erkrankungen, die durch Rauch und Passivrauchen entstehen können?

Studnicka: Es sind 125 Erkrankungen bekannt, die durch das Rauchen verursacht werden. Rauchen bewirkt bei jedem 4. Raucher einen Verlust von 25 Lebensjahren. Die Gefahren des Passivrauchens sind im Prinzip mit denen des Aktivrauchens vergleichbar, allerdings in geringerem Ausmaß.

APA: Wie hoch ist das Risiko für Menschen, die täglich stundenlang dem Rauch ausgesetzt sind?

Studnicka: Daten auf Ebene der Europäischen Union weisen nach, dass jährlich europaweit 80.000 Todesopfer durch Passivrauchen zu beklagen sind. So ist etwa das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, in Abhängigkeit von der Dauer der Belastung um 50 bis fast 100 Prozent erhöht. Ähnliche Zahlen liegen auch für den Lungenkrebs vor.

APA: Wie rasch würde ein Rauchverbot zu Verbesserungen bei Beschwerden führen?

Studnicka: Eine Untersuchung in Irland bei nichtrauchenden Beschäftigten in der Gastronomie vor und nach der Einführung des Nichtrauchens zeigt ganz deutlich, dass es bei den Betroffenen binnen Wochen zu einem Rückgang der Beschwerden wie Husten oder Atemnot gekommen ist. Parallel dazu sind die Cotininspiegel im Speichel, ein Abbauprodukt des Nikotins, um 80 Prozent abgesunken. Mit Beginn eines Rauchverbotes in Lokalen würde es bereits binnen Tagen zu einer Verbesserung der Beschwerden bei den Bediensteten kommen.

APA: Und wie sieht es mit dem Herzinfarkt-Risiko aus?

Michael Studnicka: In einer anderen Untersuchung, die in 52 Ländern zum Thema Zigarettenrauchen und Herzinfarkt durchgeführt wurde, konnte klar gezeigt werden, dass mit zunehmender Dauer der Belastung durch „Second-Hand-Smoke“ eine dosisabhängige Zunahme des Infarktrisikos vorliegt. So kommt es schon bei einer „Second-Hand-Smoke-Belastung“ von einer bis sieben Stunden pro Woche zu einer Zunahme des Risikos für einen akuten Herzinfarkt um 25 Prozent. Bei einer „Second-Hand-Smoke-Belastung“ von 15 bis 22 Stunden pro Woche erhöht sich dieses Risiko auf 75 Prozent. Insgesamt wurden in dieser Studie 15 Prozent aller Herzinfarkte bei Nichtrauchern auf Passivrauchbelastung zurückgeführt. Diese Daten können auch auf die jetzige Diskussion umgelegt werden, und es ist anzunehmen, dass bei einem Rauchverbot und Reduktion des „Second-Hand-Smoke“ auch das Auftreten zum Beispiel des akuten Herzinfarktes deutlich zurückgeht.

APA: Welche Zeitspanne ist nötig, um eine Verbesserung festzustellen, wenn man nicht mehr (passiv) raucht?

Studnicka: Die Veränderungen des Körpers im Gefolge eines Rauchstopps finden teilweise sofort statt, so kommt es unmittelbar mit dem Ende der letzten Zigarette auch zu einer Verbesserung der Sauerstoffaufnahme im Blut, und auch die plötzliche Verengung von Gefäßen findet nicht mehr statt. Andererseits braucht es 15 Jahre bis sich das Risiko, an einen Lungenkrebs zu erkranken, verringert hat. Die gleichen Zeitintervalle sind auch für das Passivrauchen anzunehmen.

APA: Wie sieht es bei Lungenerkrankungen aus, können auch die nach Ende der Rauchbelastung wieder zurückgehen oder gar verschwinden?

Studnicka: Eine Vielzahl von Beschwerden, wie chronischer Husten oder chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen durch „Second-Hand-Smoke“, können wieder verschwinden. Ist es jedoch zu einem Gewebsumbau gekommen, oder zum Auftreten einer Krebserkrankung, so kann diese nicht mehr rückgängig gemacht werden. Das Herzinfarktrisiko nimmt binnen Tagen und Wochen ab, bei chronischer Bronchitis braucht es mehrere Wochen bis Monate, bis sich Beschwerden zurückbilden. Ist es bereits zu einem Lungenemphysem gekommen, so bildet sich dieses nicht mehr zurück. In Summe lässt sich sagen, dass es bei einem Raucher mittleren Alters, der noch nicht an einer tabakassoziierten Erkrankung erkrankt ist, etwa zehn Jahre dauert, bis sämtliche Folgen des Zigarettenrauchens verschwunden sind.

(Zur Person: Der Arzt Michael Studnicka, 46 Jahre, ist seit 1996 Facharzt für Lungenkrankheiten. Im Jahr 2000 wurde er zum Vorstand der Landesklinik für Lungenkrankheiten am St.-Johanns-Spital in Salzburg ernannt, die inzwischen zur Universitätsklinik wurde. Studnicka wurde 1994 Sekretär von “Ärzte gegen Raucherschäden“, seit 2003 ist er Dekan an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg, seit heuer dort auch Funktionsprofessor für Pneumologie.)

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