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74. Bregenzer Festspiele proben für "Rigoletto" und "Don Quichotte"

Rigoletto auf der Seebühne
Rigoletto auf der Seebühne ©VOL.AT/Hartinger
Zwölf Tage vor Festivalbeginn proben die Mitwirkenden der Bregenzer Festspiele auf Hochtouren, der Gluthitze auf der Seebühne zum Trotz.
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Beim traditionellen Pressetag boten die Verantwortlichen am Donnerstag einen Einblick in Gemütslage, Ticketverkauf und Proben für die Premiere von Verdis "Rigoletto", der am 17. Juli erstmals am See gezeigt wird, und für die Hausoper "Don Quichotte".

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"Wir sind dem Ziel sehr, sehr nah", beschrieb Intendantin Elisabeth Sobotka den Probenstand. Am Mittwoch gab es den ersten Durchlauf auf der Seebühne und siehe da: "Alles geht, alles bewegt sich". Ab Montag werden die Wiener Symphoniker dazustoßen, dann werde sich zeigen, ob sich alles zusammenfüge. Für den Endspurt gelte es, die Nerven zu bewahren sowie Stimmung und Konzentration zu erhalten, so die Intendantin. Sie sei überzeugt, dass "Rigoletto" nicht nur die richtige Entscheidung als Spiel auf dem See sei, sondern "dass er immer gefehlt hat".

"Ich habe hier the time of my life", so Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl. Die Natur am See lade den kreativen Prozess auf, er sei "dem Elfenbeinturm entronnen". "Rigoletto" sei grotesk und lustig - "es geht viel um Verführung und Verscheißerung" - werde aber immer grausamer. Der Clownkopf werde im Laufe des Stücks zum Totenschädel. "Alle narrativen Linien spiegeln sich auch in der Dekoration", so Stölzl, der auf der Seebühne den "breiten Pinsel" auspacken will.

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Die Darsteller werden die Geschichte daher "mit dem ganzen Körper erzählen", über Bilder - die Zirkuswelt sei jedem vertraut - sowie über die Musik. Am Ende solle sich alles zu einem dynamischen Spiel und Erlebnis zusammenfügen. Oper brauche immer auch Schönheit und "einen gewissen Grad an Spektakel", betonte Stölzl und hoffte, dass er damit auch ein mit Oper weniger vertrautes Publikum wird überzeugen können.

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Beim Probeneinblick zeigte sich, wie der Clown dank seiner großen Beweglichkeit die Geschichte miterzählen wird: Seine Finger bewegten sich wie die eines Marionettenspielers über den Darstellern, die nach Freiheit strebende Gilda schaukelte an einem Finger durch die Luft oder saß wie ein Vögelchen in einer der mächtigen Hände, behütet, aber auch gefangen.

Dirigent Enrique Mazzola erklärte, der Bregenzer "Rigoletto" sei musikalisch "tough", schnell und modern angelegt. Da die Verständigung zwischen Orchester und Bühne nur durch Kabel funktioniere, basiere die Zusammenarbeit mit den Darstellern und dem Regisseur auf großem Vertrauen.

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Sopranistin Melissa Petit zeigte sich mit den Bedingungen der Seebühne schon vertraut, schließlich war sie bereits als "Carmen"-Mitwirkende schwindelfrei. "Er schickt mich überall hin: in den Kopf, in die Hand, in den Ballon, ich werde nass - es macht einfach Spaß", so die französische Gilda-Darstellerin über die Zusammenarbeit mit Stölzl.

Rundum zufrieden zeigte sich am Donnerstag auch der kaufmännische Leiter der Festspiele, Michael Diem. Der Blick auf die Einnahmen erfreue ihn jeden Abend. "Wir sind gut gestartet und das Hoch hält an, auch wettertechnisch", so Diem über den Stand des Ticketverkaufs. Derzeit seien rund 90 Prozent der Karten gebucht, Restkarten seien noch zu haben. Man plane angesichts der von 1979 stammenden Bausubstanz des Unterbaus Verbesserungen in der Qualität der Seebühne. An der Kapazität wird dabei aber nicht geschraubt, betonte er: "Wir haben 7.000 Plätze, das soll so bleiben."

"Don Quichotte" soll entstaubt werden

Als Hausoper geben die Bregenzer Festspiele heuer das selten gespielte Stück "Don Quichotte" von Jules Massenet, das 1910 in Monte Carlo uraufgeführt wurde. Das Festival setzte sich zum Ziel, das Werk des als Produzent von "Frauenmusik" geschmähten Franzosen zu entstauben. Sie habe immer davon geträumt, "Don Quichotte" zu realisieren, so Intendantin Elisabeth Sobotka beim Pressetag am Donnerstag.

Dem Stück sage man gerne nach, es sei aus der Zeit gefallen und "ein bisschen parfümiert". "Dabei gibt es kaum eine bewegendere Sterbeszene", fand die Intendantin. Cervantes Don Quijote sei eine Figur, die uns alle begleite, ein anstrengender, aber visionärer Geist, der sich das Leben selbst mache und für die Liebe lebe. Die Oper stehe und falle mit dem Hauptdarsteller und entstehe in Bregenz "unter Idealbedingungen". Das Team rund um Regisseurin Mariame Clement und Dirigent Daniel Cohen habe sich die Oper "wirklich anverwandelt" und modernisiert, "denn das braucht's schon".

Dass Massenets Musik als sentimental und fad kritisiert werde, konnte Regisseurin Clement nicht nachvollziehen: "Es ist extrem effiziente Musik, sehr eindrucksvoll". Das Stück drehe sich um einen ewigen Stoff, "da ist viel zu holen". Eine Heldenfigur, die stets an der Kante zur Lächerlichkeit stehe, sei ungewöhnlich. "Was bedeutet es, ein Held zu sein? Dürfen Männer weinen, Gefühle zeigen? Es dreht sich um das Männerideal und was es heute bedeutet", verwies die Regisseurin auf die Aktualität des Stücks. Offenbar hätten die Menschen bereits um das Jahr 1600 Sehnsucht nach Zeiten gehabt, als Männer noch Männer waren. "Und ich frage mich, gab es diese Zeiten überhaupt?", so Clement, die die Antwort gerne dem Publikum überlassen wollte.

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Angesichts der in der Vorlage vorgegebenen, an sich dünnen Handlung - "denn es geht nicht um die Handlung" - habe sie sich für eine episodenartige Inszenierung des "Roadmovies" entschieden. Wenn man die fünf Akte der Comedie heroique "liebevoll jeden für sich" inszeniere, komme jeder als kleine Geschichte zur Geltung, so Clements Ansatz. Im Bühnenbild von Julia Hansen kommt das in einer Art Guckkasten zum Ausdruck. Gespielt wird auf mehreren, immer kleiner werdenden Bühnen. Die Darsteller sehen sich dabei gegenseitig beim Spielen zu.

Sehr angetan von "Don Quichotte" zeigte sich auch Daniel Cohen als musikalischer Leiter. "Es ist unglaublich gut geschrieben für das Orchester", lobte der Dirigent. Massenet überzeichne den sentimentalen Stil, um dann in die Tiefe zu gehen und ernst zu werden. Ursprünglich schrieb Massenet die Hauptrolle dem russischen Bassisten Fjodor Schaljapin auf den Leib. Dieser soll vor Rührung geweint haben, als er erste Auszüge hörte. Hauptdarsteller Gabor Bretz sprach am Donnerstag etwas weniger emotional von einer "Traumpartie für einen Bass". "Allerdings gibt es manchmal nur wenig Möglichkeit zu atmen. Schaljapin hatte eine sehr gute Atemtechnik", so der Sänger über die anspruchsvolle Partie. Er sah sich dennoch "auf dem richtigen Weg".

Sopranistin im doppelten Einsatz

In Bregenz gleich doppelt im Einsatz sein wird Leonie Renaud. Die Schweizer Sopranistin singt bei "Rigoletto" aus dem Mund des Clownkopfs die Rolle der Gräfin Ceprano, in der Hausoper übernimmt sie die Hosenrolle des Pedro. Mit dem Rollenwechsel habe sie kein Problem, versicherte sie. " Es macht viel Spaß, einen Mann zu spielen", erklärte sie.

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