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4. Mai 1945: Der Marsch durchs Walgau

©Die Franzosen rücken in Bludenz ein - Stadtarchiv Bregenz
Nachdem Feldkirch besetzt ist, muss man im Walgau und Klostertal mit Kämpfen rechnen. Bei Nüziders war eine Verteidigungslinie angelegt, gekämpft wurde aber nur bei der Tschalengabrücke. Bludenz konnte kampflos übergeben werden - nachdem der Widerstand bereits vor zwei Tagen die Kreisleitung attackierte. Die VOL.AT-Serie zum Kriegsende in Vorarlberg.
Die Besatzung durch die Franzosen
Der 3. Mai
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Der 29. April

Auf dem Weg ins Tirol strömten bereits seit Tagen Soldaten der Wehrmacht durch das Klostertal in Richtung Arlberg. Nach dem Fall von Feldkirch und Götzis musste man sich auch im Walgau auf Gefechte einstellen. Bei Nüziders gab es improvisierte Verteidigungsstellungen, die nun besetzt werden sollten. Doch auch die letzten Wehrmachtsverbände zeigten nun klare Auflösungserscheinungen. Wie Georg Schelling in “Festung Europa” schildert, desertierte allein in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai die Hälfte der anwesenden Wehrmachtssoldaten. Doch die Waffen-SS im Tal zeigte keine vergleichbare Auflösungserscheinungen.

Angriff auf die Kreisleitung

In der Nacht auf den 3. Mai attackierte eine der beiden Bludenzer Widerstandsbewegungen in Absprache mit den Franzosen bei Regen- und Schneefall die Kreisleitung der NSDAP in der Alpenstadt. Sowohl die Angreifer als auch die Verteidiger schossen dabei auch mit Panzerfäusten. Die zweite Widerstand erreichte in der selben Nacht, dass sich die SS aus der Alpenstadt ins Klostertal zurückzog. Beim Ausbruch der Kämpfe eilte sie der Kreisleitung zur Hilfe. Die Nacht kostete einen Widerstandskämpfer und zwei Soldaten das Leben.

Die Franzosen rücken in Bludenz ein - Stadtarchiv Bregenz
Die Franzosen rücken in Bludenz ein - Stadtarchiv Bregenz ©Die Franzosen rücken in Bludenz ein – Stadtarchiv Bregenz

Abzug der Wehrmacht und SS

Nach dem Kampf um die Kreisleitung weigerte sich die SS, wie versprochen aus der Stadt abzuziehen. Die unkoordinierte Arbeit der beiden Gruppen hätte damit beinahe die kampflose Übergabe der Stadt gefährdet. Schlussendlich zog sowohl die Kreisleitung wie auch die SS bis auf eine 20 Mann starke Wachgarnison aus Bludenz ab. Am vierten Mai zog sich auch die Wehrmacht kampflos von Nüziders über das Klostertal und Montafon Richtung Tirol zurück. Eine Verteidigung innerhalb von Bludenz war vonseiten der Wehrmacht scheinbar nicht geplant. Die ebenfalls abrückende Waffen-SS lieferte sich bei der Tschalengabrücke noch ein einstündiges Gefecht mit den anrückenden Franzosen.

Kampf um Bings

Beim Einmarsch in Bludenz traf die 1. Französische Armee auf keinen weiteren Widerstand. Zur Ehrung ihrer Bemühungen wurde der Bludenzer Widerstand mit der Bildung der neuen Stadtverwaltung beauftragt. Gegen 16 Uhr rückten die Franzosen weiter Richtung Arlberg – und wurden bereits bei Bings von SS beschossen. Bis in die Nacht hinein lieferte man sich ein schweres Feuergefecht, bei dem mehrere Häuser und der Bahnhof schwer beschädigt wurden. Das Bahnwärterhaus, die Schule und ein Bauernhof brannten ab, auch die Kirche St. Leonard wurde schwer beschädigt. Der Kampf kostete insgesamt fünf Personen das Leben, darunter ein Bewohner des Bauernhauses.

Jagd auf Nationalsozialisten

Die marokkanischen Gebirgsjäger stellten die Besatzungsmacht - Stadtarchiv Bregenz
Die marokkanischen Gebirgsjäger stellten die Besatzungsmacht - Stadtarchiv Bregenz ©Die marokkanischen Gebirgsjäger stellten die Besatzungsmacht – Stadtarchiv Bregenz

Im Rheintal organisierten die Franzosen währenddessen und die nächsten Tage die neue Verwaltung. Bekannte und prominente Unterstützer des bisherigen Regimes wurden gesucht und interniert. Im Brandnertal fanden sie den ehemaligen Außenminister des Dritten Reichs, Konstantin von Neurath, in dessem Landhaus. Während er in französische Gefangenschaft geht, um später in Nürnberg vor Gericht gestellt zu werden, tötet sein Chaffeur durch Genickschüsse sowohl seine Frau wie auch seine beiden Kinder, Mutter und eine Rotkreuzschwester, bevor er sich selbst richtet.

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