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29. April 1945: Französische Truppen an der Grenze zu Vorarlberg

Französische Piloten studieren das Einsatzgebiet Vorarlberg. Ihr Auftrag: Den deutschen Rückzug stören und eigene Truppen unterstützen.
Französische Piloten studieren das Einsatzgebiet Vorarlberg. Ihr Auftrag: Den deutschen Rückzug stören und eigene Truppen unterstützen. ©Stadtarchiv Bregenz
Bregenz/Lochau/Hohenweiler - Die Französische Erste Armee näherte sich unaufhaltsam Vorarlberg. Am Vormittag starben 12 Menschen beim Beschuss des Wälderbähnles bei Bregenz. Am Nachmittag wird der bisherige Festungskommandant für Vorarlberg abgesetzt, die bisher offene Stadt Bregenz wird nun an der Klause verteidigt.
Albert Bohles Weg nach Lochau

Am 25. April eroberten die Franzosen mit Singen und Radolfzell die ersten Ortschaften am Bodensee. In den kommenden Tagen rückten sie weiter in Richtung Vorarlberg vor. In der Nacht auf den 26. verschwand die weiße Bodenseeflotte aus den Häfen von Lindau und Bregenz. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden die zwölf Dampfschiffe in die Häfen von Arbon, Rorschach und Romanshorn verlegt. Die Schiffe sollten so vor einer möglichen Zerstörung durch NS-Truppen in Sicherheit gebracht werden, die Schiffsbesatzungen kehrten noch in der selben Nacht mit Motorbooten zurück.

Bregenz wird zur “offenen Stadt”

Seit dem 26. April bemühten sich die einheimischen Stadträte von Bregenz, diese zur offenen Stadt erklären zu lassen, um die Stadt zu schonen. Sie konnten dabei auf die Unterstützung des Schweizer Konsuls bauen, der sich seit Jahren bemühte, den Bodenseeraum als kampffreie Zone zu etablieren. Scheinbar mit Erfolg, am Morgen des 28. Aprils befahl der für die Verteidigung von Tirol und Vorarlberg zuständige General und gebürtiger Bregenzer Valentin Feurstein, Bregenz als offene Stadt zu behandeln und nicht zu verteidigen. Am Nachmittag sendete das Schweizer Radio, dass Bregenz und Feldkirch offene Städte seien.

Luftangriff auf Wälderbähnle

Das zerstörte Wälderbähnle - Stadtarchiv Bregenz
Das zerstörte Wälderbähnle - Stadtarchiv Bregenz ©Das zerstörte Wälderbähnle – Stadtarchiv Bregenz

Am Vormittag des 29. Aprils flogen französische Tiefflieger Angriffe gegen das in Bregenz einfahrende Wälderbähnle, 12 Menschen starben. Um 16 Uhr wurde Feurstein von Gauleiter Franz Hofer informiert, dass er als Festungskommandant des Gaus Tirol-Vorarlberg abgesetzt sei. Im folge General Hans Schmidt von der 24. Armee nach. Bregenz sollte nun verteidigt werden. Schmidt ließ sich überreden, die Stadt selbst nicht zu verteidigen, entschied sich jedoch dazu, die Stellungen an der Klause zu besetzen. Die Klause befindet sich jedoch weniger als 15 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt, der Status als offene Stadt war damit gefährdet. Zu diesem Zeitpunkt hat Bürgermeister Carl Solhardt, der vorher noch “auf den Trümmern der Stadt für Deutschland kämpfen” wollte, die Stadt bereits verlassen.

Marokkaner und Panzer an der Grenze

Die Französische Erste Armee näherte sich währenddessen der Vorarlberger Grenze. Der für Vorarlberg zuständige Teil der Première Armée Française unter General Jean de Lattre bestand aus einer Panzer- und einer marokkanischen Gebirgsjägerdivision. Um 20:30 überschreitet eine Aufklärungspatrouille bei Hohenweiler erstmals die Staatsgrenze. Währenddessen organisiert Schmidt die Verteidigung Vorarlbergs.

8.000 Mann gegen die Franzosen

Deutsche Soldaten in Vorarlberg - Stadtarchiv Bregenz
Deutsche Soldaten in Vorarlberg - Stadtarchiv Bregenz ©Deutsche Soldaten in Vorarlberg – Stadtarchiv Bregenz

Ihm zur Verfügung stehen die 3.000 Mann starke und schlecht ausgerüstete 24. Armee sowie die Garnisonen Bregenz, Bludenz und Landeck sowie der Volkssturm. Bereits seit Tagen ziehen versprengte Truppen durch Vorarlberg, den Verantwortlichen gelingt es nur vereinzelt diese für die Verteidigung Vorarlbergs zu sammeln. Vor allem Truppen der Waffen-SS, aber auch der regulären Wehrmacht beziehen Stellung in Vorarlberg. Insgesamt sollen damit an die 8.000 Mann Vorarlberg in den letzten Kriegstagen verteidigen. Aus Sicht der Nationalsozialisten sind dabei nur die in Vorarlberg gestrandeten regulären Soldaten verlässlich. Bereits beim Anlegen der Verteidigungsstellungen wird das fehlende Engagement der den Volkssturm bildenden Standschützen kritisiert. Sie sehen ihre Aufgabe eher darin, Plünderungen und Zerstörungen zu verhindern als den Vormarsch der Franzosen. Doch auch die Soldaten der Garnisonen sind unerfahrene und heimische Rekruten von geringem Kampfwert. Dies ist deren Kommandanten oft bewusst, bei Möglichkeit werden sie oft aus Kampfhandlungen herausgehalten und strecken die Waffen.

Als Patient in Lochau

Zwischen der ersten Verteidigungslinie an der Klause und den französischen Truppen lag das damalige Lazarett im heutigen Seehotel am Kaiserstrand. Einer der dort behandelten Patienten war der Dornbirner und spätere Gymnasialdirektor Albert Bohle. Er erinnert sich an die damaligen Ereignisse in und um Lochau zurück.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil vom Vormarsch der Franzosen, wie Bohle die Befreiung Lochaus miterlebte und dem Ultimatum an die Verteidiger der Klause.

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