100 Jahre und kein bisschen leise

Lebt allein und kocht noch oft für sich selbst: Hilda Gamper ist mit ihren 100 Jahren noch sehr fit.
Lebt allein und kocht noch oft für sich selbst: Hilda Gamper ist mit ihren 100 Jahren noch sehr fit. ©VN/Stiplovsek
Lustenau. Die Lustenauerin Hilda Gamper ist 100 Jahre alt - und sorgt noch immer für sich selbst.
Hilda Gaper aus Lustenau

Diese Frau ist ein Phänomen: Top gestylt, scheinbar auch körperlich fit, zu 100 Prozent geistesgegenwärtig und vor allem mit viel Witz und Charme begrüßt uns Frau Hilda Gamper in ihrem Zuhause in Lustenau – und das mit 100 Jahren. “Sie sieht immer so gut au”“, kommentiert “Ersatz-Enkelin” Anneliese Forster (38) die Begrüßung: “Immer feinstens zurechtgemacht, mit schicker Bluse und dazu passendem Schmuck. Eine noble, feine Dame eben.” Hilde Gamper lacht ob der Komplimente verlegen, aber doch ausgelassen. “Naja, zu Fuß bin ich halt nicht mehr so gut unterwegs.” Die 100-Jährige lebt allein und kann sich noch immer selbst versorgen – nur im Haushalt und beim Einkaufen greift sie regelmäßig auf Mohi-Helferinnen zurück.

Immer ein Ziel vor Augen

Wie lautet das Geheimnis ihres stolzen Alters? “Sie hat immer irgendein Ziel”, kommt es von Forster, die neben ihrer “Ersatz-Oma” aufgewachsen ist, wie aus der Pistole geschossen. “Ja, das stimmt wohl”, fügt Gamper hinzu. “Es gibt immer etwas, das ich in Angriff nehmen möchte. Ob das nun neue Vorhänge fürs Wohnzimmer sind, ein neuer Teppich oder neue Schuhe”, so die modebewusste 100-Jährige. “Und sie ist nach wie vor interessiert am Weltgeschehen”, zählt Forster weiter auf. “Ja, ich lese jeden Morgen die VN und schaue mir einige Nachrichtensendungen an. Ich bin immer voll im Bilde – auch darüber, was gerade im Gaza-Streifen passiert. Obwohl, das ist so fürchtig, da schalte ich meistens den Fernseher aus”, sagt Gamper ernst.

Die alte Dame hat selbst zwei Kriege miterlebt. An den “14er-Krieg” kann sie sich freilich nicht mehr erinnern – da war sie zu jung. Den zweiten Weltkrieg hat sie aber noch deutlich vor Augen: Während dieser Zeit hat Gamper unter anderem im Haushalt bei einem “Hitler-Arzt” gearbeitet. Bei einem anderen Arbeitgeber habe sie Gasmasken verdichten müssen. “Diese Zeit war schrecklich. Aber es ist allen gleich gegangen: Niemand hatte etwas”, erzählt sie. Man sei froh gewesen, Arbeit zu haben. Noch genau könne sie sich an den Tag erinnern, “als in Friedrichshafen Bomben runter sind”.

Mehr als 70 Jahre ist das nun her. Viel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten getan. Oder? “Nein, finde ich eigentlich nicht”, antwortet die 100-Jährige. “Klar, in der Welt der Technik hat sich viel getan. Aber gesellschaftlich betrachtet finde ich nicht, dass sich so viel verändert hat. Von mir aus kann jeder tun, wie er will. Hauptsache man lässt auch mich machen, wie ich will”, erklärt sie. “Das ist typisch Hilda”, reagiert Forster auf diese Aussage. “Sie hat so ein gutes Gemüt, ist für ihre Generation absolut tolerant, offen und ohne Vorurteile”, streut sie ihrer “Ersatz-Oma” Blumen.

Wellness-Urlaub geplant

Die vorige Woche mit den Geburtstags-Feierlichkeiten hat sich turbulent gestaltet. “Es gab eine große Feier, der Bürgermeister war hier zum Gratulieren und auch der Landeshauptmann”, so Gamper. In den letzten Jahren hat die rüstige Dame ihren Geburtstag mit Vorliebe im Bregenzerwald beim Wellnessen verbracht. Das wird sie eventuell im Herbst nachholen. “Gesichtsbehandlungen, eine Pediküre, fein Essen, herrlich”, freut sie sich bereits drauf. Und dann findet sie vielleicht auch Zeit, ganz in Ruhe die “Vogue” und die “Elle” zu studieren, die sie geschenkt bekommen hat. “Mir fehlt es wirklich an gar nichts”, sagt sie. Und man glaubt es ihr aufs Wort.

Die Fotosession kann folgen. Das ist Frau Gamper nun gar nicht recht. “Geht bitte so weit weg es nur geht”, sagt sie. “Und macht das Bild etwas verschwommen”, befiehlt sie in Richtung Fotograf. Von wegen – dieses strahlende Gesicht soll jeder klar und deutlich sehen.

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