Streit um Glasverbot: "Sicherheitskräfte haben den Bogen überspannt"

Von Wann&Wo/Joachim Mangard
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Ein Glas Pfefferoni war Auslöser für einen beinahe „ausufernden“ Streit mit der Bodensee-Security. Ein Glas Pfefferoni war Auslöser für einen beinahe „ausufernden“ Streit mit der Bodensee-Security. - © VMH, Miro
Ein Glas Pfefferoni wurde zum Stein des Anstoßes, als ein Streit um das Glasverbot am Bodenseeufer beinahe eskalierte. Der Betroffene Markus von Münchhofen (57) kritisiert das Verhalten der Security.

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WANN & WO: Was hat sich in der Nacht der Vorkommnisse am See­­ufer abgespielt?

Markus von Münchhofen: Ge­­meinsam mit meinen Freunden verbrachten meine Frau und ich einen schönen Grillabend am Segelhafen. Wir waren insgesamt zehn Personen, da­­von neun Er­­wachsene und ein Kind. Kurz vor Mitternacht traten aus der Dunkelheit zwei un­­bekannte Per­­sonen mit grellen Taschenlampen hervor. Es handelte sich um das Sicherheitspersonal. Wir hatten ausschließlich Dosengetränke dabei. Allerdings hatte jemand (wohl versehentlich) ein Glas Pfefferoni mitgebracht. Als sie dieses entdeckten, drohten sie uns mit einer Anzeige, von der sie dann aber „ausnahmsweise“ absahen. Wir sollen das Glas aber entsorgen, wozu wir uns selbstverständlich verpflichteten. Der Ton der Sicherheitsleute war weiterhin autoritär, unangemessen und sollte vermitteln, dass wir noch einmal davongekommen waren – und mit viel schärferen Sanktionen hätten belegt werden können.

WANN & WO: Wieso hat sich daraus dann ein Streit entwickelt?

Markus von Münchhofen: Als die beiden Männer wieder abzogen, sagte einer aus unserer Gruppe zu ihnen „Auf Wiedersehen“, was einer der beiden als herbe Provokation auffasste. Die Situation schien zu eskalieren. Es wurde Verstärkung angefordert, Ausweise wurden verlangt. Trotz Machtgehabe der mittlerweile vier Sicherheitsmänner ließen wir uns nicht provozieren, sahen aber auch keinen Anlass, Angaben zu unserer Person zu machen. Die Drohungen wurden immer schärfer. Die Polizei wolle man holen, das würde dann eine teuere Angelegenheit für uns. Tatsächlich kam nach einiger Zeit ein Streifenwagen der Polizei mit zwei Beamten vorbei.

WANN & WO: Wie haben die Polizisten reagiert?

Markus von Münchhofen: Die beiden Polizeibeamten wirkten angenehm gelassen und professionell. Sie baten um einen Namen, der genannt wurde. Ein Polizeibeamter bestätigte auch mein Ansinnen, dass sich die Sicherheitsleute ebenfalls legitimieren müssen. Durch das besonnene Verhalten der Polizei konnte nach anderthalb Stunden die – aus meiner Sicht völlig unangemessene – Aktion des Sicherheitspersonals beendet werden.

WANN & WO: Sie wandten sich auch an die Stadt Bregenz. Wie hat sie auf Ihre Kritk reagiert?

Markus von Münchhofen: Bürgermeister Linhart schrieb mir einen sehr freundlichen Brief, in dem er den Vorfall bedauerte. Er verwies aber auch auf die Notwendigkeit, das Glasverbot durchzusetzen, um Verletzungen von Badegästen zu vermeiden. Wobei er aber „anständiges Einschreiten der Kontrollorgane“ erwartet. Auch der zuständige Abteilungsleiter Günter Jäger bedauerte die Begebenheit. Er sprach von „Frustabbau der eingesetzten Männer“ infolge anderer Vorfälle am selben Abend, den er aber so nicht billigen könne.

Bregenzer Bürgermeister nimmt Stellung

Bürgermeister Dipl.-Ing. Markus Linhart: „Es tut uns leid, dass wir das Seeufer überhaupt kontrollieren müssen, nur weil es ein paar wenige Personen gibt, die in der Nacht angetrunken sind und sich leider
auch aggressiv benehmen. Es gab am vergangenen Wochenende ein paar Vorkommnisse, bei denen ein paar Sicherheitskräfte den Bogen etwas überspannt haben. Das tut uns leid.

Der Einsatz von Sicherheitskräften hat ausschließlich den Zweck, dieses Naturparadies für alle zu erhalten. Letztes Wochenende wurden die Sicherheitskräfte, bevor es zu diesen bedauerlichen Vorfällen kam, an anderer Stelle massiv bedroht, bis hin zu aufgeschlitzten Autoreifen an ihrem Dienstfahrzeug. Das erklärt vielleicht die aufgeheizte Stimmung an diesem Abend, entschuldigt sie aber natürlich nicht.

Fehlende Zivilcourage

Wir wissen, dass der große Teil der Seeufer-Besucher den Wert dieses Paradieses kennt und schätzt, ihnen gilt es zu danken! Was ich ein bisschen vermisse, ist Zivilcourage. Es wäre schön, wenn die Menschen von sich aus, wenn sie ein Fehlverhalten beobachten, reagieren würden. Das gilt für das Seeufer, aber ganz generell für den öffentlichen Raum, wo wir zunehmend mit aggressivem Verhalten und Vandalismus zu kämpfen haben.“

Stellungnahme Lingg Sicherheitsdienst

Claudia Lingg, Lingg Sicherheitsdienst: „Die Überwachungen gestalten sich vor allem in den Nächten nicht immer problemlos. Das ausgegebene Motto lautet: "Bewusstseins­­bildung und Aufklärung statt Strafen". In diesem Falle wird darauf hingewiesen, dass es auf Grund des Verhaltens des Beschwerdeführers (nicht einsichtig, aggressiv, aufbrausend, nicht kooperativ, etc.) eines Polizeieinsatzes bedurfte.“

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