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Stratos-Sprung: Felix Baumgartner und Joe Kittinger – ein Vergleich

Joe Kittinger: Erstaunliche Leistung in den 1960er-Jahren. Joe Kittinger: Erstaunliche Leistung in den 1960er-Jahren. - © AP
In Roswell in New Mexico ist Warten angesagt. Der nächste Versuch von Felix Baumgartner, aus 36 Kilometern Höhe auf die Erde zu springen, war für Sonntag angekündigt. Bis dahin vertreibt sich der 43-jährige Salzburger die Zeit im Fitnesscenter, im Kaffeehaus oder beim Probesitzen in einem Polizeiauto von Roswell.

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Ob das Wetter in der Wüstenstadt in New Mexico mitspielt, ist noch unklar. Schließlich ist nur noch ein Ballon verfügbar. Ein leichtfertiger Versuch würde zum riskanten Manöver werden.

Joe Kittinger hält den Rekord

Was den österreichischen Extremsportler antreibt, ist wahrscheinlich auch die Leistung seines Mentors Joe Kittinger vor über 50 Jahren. Der Amerikaner hält den bisherigen Rekord für den längsten freien Fall. Am 16. August 1960 gab Joe Kittingers Mission "Excelsior III" den Startschuss für bemannte Weltraumflüge. Felix Baumgartner hofft, 2012 den freien Fall in der Stratosphäre auf eine neue Ebene heben zu können, indem er Überschallgeschwindigkeit erreichen will. Auch wenn sich innerhalb der vergangenen 50 Jahren vieles an der Technik geändert hat, die Gefahren in der Stratosphäre sind gleich geblieben. Während Kittinger aus einer Höhe von 31.333 Metern gesprungen ist, will Baumgartner es aus einer Höhe von 36.576 Metern wagen.

Kittinger in Programm der U.S. Air Force

1960 wusste niemand, ob ein menschliches Wesen den Sprung vom Rande des Weltraumes überleben kann. "Excelsior III" war damals ein Programm der U.S. Air Force mit wissenschaftlichen Zielen, zum Nutzen für die Forschung der U.S. Luft- und Raumfahrt. Das Missions-Team hoffte in den 1960er-Jahren, den Fallschirm, den Druckanzug und weitere Ausrüstung bei dem Rekordsprung testen zu können. Joe Kittinger wurde von einem Team aus Wissenschaftern, Forschern und medizinischem Personal der U.S. Air Force unterstützt.

Baumgartner will Schallmauer durchbrechen

"Red Bull Stratos" ist wiederum ein privates Programm mit wissenschaftlichen Zielen, zum Nutzen für die Forschung der internationalen Luft- und Raumfahrt. Baumgartner hat zum Ziel gesetzt, als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer zu durchbrechen, was wiederum wertvolle Daten für künftige Luft- und Raumfahrts-Missionen liefern könnte. Der Salzburger wird von einem internationalen Experten-Team aus Wissenschaftern, Forschern und Medizinern - darunter Joe Kittinger - unterstützt.

Die Ausrüstung hat sich innerhalb der vergangenen 50 Jahren enorm verändert. Vieles, was Kittinger bei Excelsior III verwendete, war serienmäßig hergestellt oder aus modifizierten serienmäßigen Komponenten gebaut. Kittinger trug einen partiellen Standard-Druckanzug der U.S. Air Force, der aufgeblasene Gummischläuche verwendete, um den Anzug rund um den Körper zu straffen.

Aufstieg in offener Gondel

Der damals 32-Jährige stieg mit einem 84.950 Kubikmeter großen Helium-Ballon, hergestellt aus Polyethylen, auf. Er wurde von der Ladefläche eines Lasters gestartet. Kittinger flog in einer offenen, nicht unter Normaldruck gehaltenen, Gondel, deshalb war sein Anzug während des Auf- und Abstieges unter Druck gesetzt.

Vier Minuten und 36 Sekunden freier Fall

Kittinger hatte drei verschiedene Arten von Schirmen: einen Hauptschirm, einen Reserveschirm und einen Bremsschirm zur Stabilisierung. Der Haupt- und der Reserveschirm waren Standard-Schirme, die das Militär zu jener Zeit verwendete. Sein Bremsschirm war nicht auf Überschallgeschwindigkeit ausgerichtet. Der Bremsschirm und der Hauptschirm wurden von einem System, das mit einem Timer und einem Höhen-Messer verbunden war, automatisch ausgelöst. Der Amerikaner beschleunigte auf 988 Kilometer pro Stunde, äquivalent mit Mach 0,9. Erverbrachte vier Minuten und 36 Sekunden im freien Fall.

Kittinger absolvierte zur Vorbereitung mehr als 100 Tests in einer Höhenkammer und einer Kältekammer. Er hielt sich mit Laufen, Racquetball und Tennis fit.

Baumgartner mit Spezialanfertigungen

Bei Baumgartners Ausrüstung ist fast nichts serienmäßig hergestellt. Die meisten Komponenten sind Spezialanfertigungen oder modifiziert. Baumgartner wird einen spezialangefertigten Voll-Druckanzug verwenden. Der Anzug basiert auf Modellen, die von Piloten verwendet werden, wenn sie Aufklärungsflüge in großen Höhen durchführen. Der Anzug für den Österreicher wurde jedoch hinsichtlich höherer Mobilität und anderer Verbesserungen modifiziert.

Wesentlich größer ist auch der Ballon von Baumgartner. Der Salzburger wird laut Red Bull mit einem Helium-Ballon mit einer Kapazität von fast 849.505 Kubikmetern, hergestellt aus Polyethylen, aufsteigen. Dieser wird mithilfe eines großen Kranes gestartet. Baumgartner sitzt dabei in einer unter Normaldruck gesetzten Kapsel. Sollte alles nach Plan laufen, sollte er seinen Anzug nicht unter Druck setzen müssen, bis er die Absprung-Höhe erreicht hat.

Baumgartner wird ebenfalls drei verschiedene Schirme haben: einen Hauptschirm, einen Reserveschirm und einen Bremsschirm zur Stabilisierung. Der Haupt- und der Reserveschirm sind eine Luftstaudruck-Konstruktion, ähnlich denen von Profi-Skydivern. Der Bremsschirm ist einzig dazu konstruiert, bei Überschallgeschwindigkeit zu funktionieren; dieser Schirm wird jedenfalls nicht ausgelöst, sollte Baumgartner ihn nicht für eine Stabilisierung brauchen.

Baumgartner will über fünf Minuten fallen

Er will dabei Mach 1 im freien Fall erreichen, schätzungsweise bei 1.110 Kilometern pro Stunde, und er kann auch weiter beschleunigen. Baumgartner will einen freien Fall von fünf Minuten und 35 Sekunden, oder mehr, schaffen.

Das mehrstufige Testprogramm von Baumgartner umfasst Training in einer Höhenkammer, einer Kältekammer und einem Windtunnel. Zudem führt er sukzessive höhere Sprünge aus Hubschaubern, Flugzeugen und Ballons durch. Felix arbeitet zusätzlich mit einem Hochleistungs-Trainer, um seine Bereitschaft zu verbessern.

Beide Missionen liefern wissenschaftliche Daten. Der Ausstieg von Kittinger aus der Gondel wurde gefilmt. Daten Herzfrequenz, Atemfrequenz und Daten über die Beschleunigung wurden dem U.S. Forschungspersonal für die Entwicklung von Raumfahrtsprogrammen zur Verfügung gestellt. Baumgartners Sprung wird mit bewegten Bildern und Fotokameras aufgenommen. Das Team hat vor, seine Entdeckungen mit der Gemeinde der Luft- und Raumfahrtsforschung zu teilen.

(APA)

16. August 1960: Joe Kittingers Sprung

Felix Baumgartner - Testsprung

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