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„Sie wissen nicht, was sie den Kindern damit antun“

Michael Mäser im WANN & WO-Interview.
Michael Mäser im WANN & WO-Interview. ©Martin Begle
Michael Mäser (41) im Gespräch mit WANN & WO über die Wichtigkeit der Kinderkrebsstation in Dornbirn. Er selbst hat seinen Sohn an die Krankheit verloren.
Verärgerte Eltern im Landhaus
Nach Innsbruck verlegt

WANN & WO: Warum müssen Vorarlberger Kinder künftig für jede Chemotherapie nach Innsbruck?

Michael Mäser: Die intravenösen Chemotherapien sollen nur noch im LKH Innsbruck verabreicht werden. Bisher war das auch in Dornbirn möglich. Die Begründung: Die gesetzlich vorgegebenen Qualitätskriterien sowie die Patientensicherheit sei in Dornbirn nicht gewährleistet. Was sie den Kindern und ihren Familien damit antun, wissen die Verantwortlichen wahrscheinlich gar nicht.

WANN & WO: Welche persönlichen Erfahrungen hast du gemacht?

Michael Mäser: Unser Sohn hatte 2014 einen epileptischen Anfall. Ich kam eines Abends nach Hause, mein Kind lag im Bett und hat nur noch gezuckt, auf einen Punkt gestarrt und war nicht mehr ansprechbar. Sofort haben wir den Notarzt gerufen, der mit uns dann gleich ins LKH Feldkirch fuhr. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner wusste: Er hatte Krebs.

WANN & WO: Wie habt ihr erfahren, dass es Krebs ist?

Michael Mäser: Im Spital wurde sofort ein Computertomographie (CT) gemacht. Zuerst sprachen sie von einer Entzündung, das könne bei Kindern vorkommen. Am nächsten Tag war es dann plötzlich doch ein Hirntumor. Sie meinten, das könne man gut operieren. Für uns war klar, dass wir das in Innsbruck machen möchten. Ich habe generell nichts gegen das Spital im Tirol, wir haben dort nur gute Erfahrungen gemacht. Aber das ist nicht der springende Punkt. Denn die Diagnose wird sowieso in Innsbruck gestellt. Erst danach kamen wir mit unserem Sohn ins Krankenhaus Dornbirn.

WANN & WO: Welche Erfahrungen habt ihr auf der Kinder-Onkologie in Dornbirn gemacht?

Michael Mäser: Ich muss dazu sagen, dass ich Dr. Bernd Ausserer, der bisher in Dornbirn für die Station zuständig war, schon vorher kannte. Er ist ein langjähriger Freund der Familie, der uns immer zur Seite stand. Wir waren schon in Innsbruck mit ihm in Kontakt, deshalb war für uns klar, dass wir alles Weitere bei ihm auf der Kinderkrebsstation machen würden. Das war nicht nur ein Krankenhaus für uns. Das ganze Team kannte uns gut, hat uns in allen Lebenslagen unterstützt. Wir waren immer super aufgehoben in Dornbirn, es hat an nichts gefehlt.

WANN & WO: Gibt es etwas, das du heute anders machen würdest?

Michael Mäser: Heute würden wir wahrscheinlich anders entscheiden. Wir würden unser Kind nicht mehr operieren lassen. Der Tumor wurde heraus operiert, das hat auch alles super funktioniert. Doch einige Monate später war dann ein neuer Tumor da, an einer anderen Stelle – der Krebs hatte gestreut. Diesen Tumor im Hirnstamm konnte man nicht mehr operieren. Hätten wir den Tumor nicht operiert, – aber das ist nur eine Theorie, eine Vermutung – hätten wir nicht den Herd vom Tumor genommen und dieser hätte dann eventuell auch nicht gestreut. Vielleicht wäre dann alles anders ausgegangen. Über sowas macht man sich als Eltern, die ihr Kind so früh gehen lassen mussten, eben Gedanken.

WANN & WO: Welche Vorteile bietet das Krankenhaus Dornbirn?

Michael Mäser: Definitiv die Betreuung vor Ort. Die Kinder sind in ihrer Heimat, in ihrer vertrauten Umgebung. Die Familie kann auf Besuch vorbeikommen, jeden Tag, wenn sie möchten. Das Team macht seine Arbeit mit Leidenschaft. Allen voran Onkologe Dr. Ausserer, der die Kinder-Onkologie ausgebaut hat. Mittlerweile gibt es drei eigene Zimmer für die Kinder-Onkologie. Dort konnten wir als Eltern sogar übernachten, als unser Kind schwer krank war.

WANN & WO: Wo siehst du den Nachteil an Innsbruck?

Michael Mäser: Je nach dem welchen Krebs man hat, kann eine Chemotherapie unter Umständen mehrere Wochen dauern. Man muss sich vorstellen wie es ist, wenn der Vater arbeiten muss, um die Familie zu ernähren, die Mutter beim Kind bleiben muss und dann noch Geschwister da sind, die genauso ihre Eltern brauchen. Wie soll das funktionieren? Soll der Vater jeden Tag nach Innsbruck und retour pendeln, um seine Familie zu sehen? Das kann eine Familie auseinanderreißen. Die Scheidungsrate wird steigen.

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michael-maeser-ueber-krebs ©Michael Mäser (41) im Gespräch mit WANN & WO über die Wichtigkeit der Kinderkrebsstation in Dornbirn. Er selbst hat seinen Sohn an die Krankheit verloren. WANN & WO: Warum müssen Vorarlberger Kinder künftig für jede Chemotherapie nach Innsbruck? Michael Mäser: Die intravenösen Chemotherapien sollen nur noch im LKH Innsbruck verabreicht werden. Bisher war das auch […]

WANN & WO: Gibt es in Innsbruck genug freie Plätze, um die kleinen Krebspatienten aus Vorarlberg behandeln zu können?

Michael Mäser: Die Kompetenz von Innsbruck möchte ich nicht abstreiten, im Gegenteil – ich halte sehr viel vom LKH Innsbruck. Fakt ist aber, dass ich schon von mehreren Familien gehört habe, dass auch in Innsbruck die meisten Plätze belegt seien. Auch dort müssen sie die Kinder auf andere Stationen verlegen, wenn sie voll ausgelastet sind. Es gibt mehr Bedarf, als das Spital Platz hat.

WANN & WO: Wie groß ist die Belastung für ein Kind, das jedes Mal nach Innsbruck gebracht werden muss?

Michael Mäser: Der Weg nach Innsbruck dauert etwa zwei Stunden, das klingt erstmal nicht nach viel. Aber der Patient hat Schmerzen, die ihn zusätzlich quälen. Das Kind wird aus der gewohnten Umgebung gerissen. Die ganze Situation ist schon belastend genug. Man ist einfach abgeschottet da drinnen. Die Familie wird immer getrennt sein.

WANN & WO: Werden wenigstens die Transportkosten übernommen?

Michael Mäser: Normalerweise schon. Wobei, Dornbirn hat jetzt ja einen Hubschrauberlandeplatz, vielleicht werden die krebskranken Kinder ja mit dem Hubschrauber geflogen und müssen nicht zwei Stunden Fahrt auf sich nehmen.

WANN & WO: Spielt Geld eine Rolle?

Michael Mäser: Angeblich soll es auch um viel Geld gehen. Sie wollen Dornbirn den Hahn zudrehen, damit sie selbst das Geld abkassieren. Ich habe gehört, dass Dornbirn drei Onkologen haben müsste, die rund um die Uhr vor Ort sind, um den Bedarf zu decken. Und dieser Bedarf kann nicht abgedeckt werden. Meiner Meinung nach benötigt es aber nicht drei Onkologie-Ärzte – meistens sind so zwischen ein bis zwei Patienten dort, dafür benötigt man nicht drei Ärzte, die immer da sind. Bis jetzt hat alles immer einwandfrei geklappt. Wenn Dr. Ausserer in einem Monat geht, ist wirklich kein Onkologe mehr da, dann muss man wirklich alles auf Innsbruck verlegen. Es hätte Ärzte gegeben, welche diese Ausbildung angestrebt hätten. Aber wenn einem immer nur Steine in den Weg gelegt werden, verliert man auch diejenigen, die sich auf dieses Gebiet spezialisieren hätten wollen.

WANN & WO: Am Freitag waren Vertreter der „Pro Kinderonko“ bei Landesrat Christian Bernhard. Was kam bei diesem Gespräch heraus?

Michael Mäser: Der Kopf der Initiative ist Julia Hämmerle. Sie hat alle möglichen Situationen geschildert und sehr oft betont, wie wichtig die Kinderonkologie in Dornbirn ist. LR Bernhard hat immer wieder die Vorgaben aus Innsbruck betont und dass Dornbirn diese Vorgaben nicht erfülle. Wir sollen allerdings einen Brief an Dr. Müller in Innsbruck schreiben, indem wir um eine Erklärung bitten sollen, warum nicht wenigstens ambulante Chemotherapien in Dornbirn verabreicht werden können.

WANN & WO: Ein positiver Schritt?

Michael Mäser: Das wird sich zeigen. Derzeit arbeiten wir an einer Homepage und einer Petition. Dazu wird es kommende Woche einen Infoabend geben, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind. Dort können wir dann die nächsten notwendigen Schritte einleiten. (WANN & WO)

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