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Neubau für eine Hundertjährige

©Darko Todorovic
Bregenz - Wenn Architektur eine gestaltende Disziplin ist, dann die Schule allemal. Gestaltet werden im Idealfall hier wie dort gelungene Beziehungen – zwischen Menschen, zwischen Mensch und Welt. Im BG Gallus wird dieses gemeinsame Anliegen beherzigt. Und das seit 100 Jahren.
Leben & Wohnen: BG Gallus

Gegen Ende des Jahres 1912 zeichnete sich eine neue, unverwechselbare Kontur in der Bregenzer Stadtkulisse ab: ein stattliches Schulgebäude war in die Höhe gewachsen, auf dem markanten Krüppelwalmdach eine turmartige Plattform, wie die Spitze auf einem Helm. Architekten aus Stuttgart hatten sich im vorangegangenen Wettbewerb mit einem Entwurf durchgesetzt, der die Stil-Verbindlichkeiten historistischen Bauens bereits ein gutes Stück hinter sich gelassen hat. Waren es damals die Veränderungen durch Industrialisierung und bürgerliche Emanzipation, die eine „Reformarchitektur“ bewirkten, so bringt heute das digitale Zeitalter der Medien und Kommunikation ein neues Selbstverständnis und damit das Bedürfnis nach entsprechender Gestaltung: Transparenz und Öffentlichkeit bestimmen die Beziehungen – gerade junger Menschen – zu dieser aktuellen Welt.

Hätten wir die frisch renovierte Aula des Altbaus nicht soeben über eine Treppe nach unten verlassen, wäre kaum zu glauben, dass die helle Passage hier unter Geländeniveau liegt. „Wir wollten den Thurn- und Taxis-Park nicht durch einen Riegel ausschließen“, erklärt Architekt Matthias Hein die Entwurfsidee seines Büros (damals als Hein-Troy), nicht nur den Verbindungsgang ins Erdreich zu packen, sondern gleich wesentliche Teile des Raumprogramms daran anzugliedern. Zeichnen und Werken entfalten sich nun großzügig zwischen den eingeschnittenen Gartenhöfen. Neben den praktischen Argumenten ist es eine ideelle Errungenschaft, diesen unterschätzten Fächern an der Achse zwischen Alt und Neu viel Raum und Sichtbarkeit zu geben. Ein paar Stufen höher finden wir uns in der Aula des neuen Hauses wieder. Direktor Thomas Mittelberger erläutert die Vitrinenwände, die von den umliegenden naturwissenschaftlichen Lehrsälen bespielt werden: Molekülbaukästen treffen auf ausgestopfte Füchse und Störche, daneben Ergebnisse der laufenden Projektarbeit. Die Ausstellung macht Lust auf das vielfältige Wissen, das hinter den Dingen steckt.

In den zwei Geschoßen darüber finden die etwa 400 Schülerinnen und Schüler der Unterstufe Platz, genau genommen Plätze. Die Klassen sind so um das innenliegende Atrium angeordnet, dass sich in den Bereichen rundherum kleine „Marktplätze“ bilden – ein Wunsch des ehemaligen Direktors Meinrad Pichler, der das Bauvorhaben über viele Jahre vorbereitet und mitgestaltet hat. Verkauft wird natürlich nichts auf diesen Märkten, sondern getauscht und gehandelt: mit Wissen, Ideen und Tratsch. Ist jetzt eigentlich Unterricht oder Pause? Wer konventionelle Vorstellungen von Schule hat, braucht ein wenig Nachhilfe: Die offenen Türen während des Unterrichts sind Konzept und selbst die verschlossenen sind durch ein Fenster mit dem „öffentlichen Raum“ des Atriums verbunden. Die jungen Erwachsenen gehen geschäftig ihrer Wege, hier wird geschrieben, dort recherchiert, in den Klassen konzentrierte Arbeit in der Gruppe. Es ist die hochwertige Architektur des Hauses, die diese aktive und dennoch ruhige Atmosphäre möglich macht, nicht nur durch die intelligente Raumorganisation, auch durch den bewussten Umgang mit Licht und Materialien. Das Weißtannenholz und der ockerfarbene Lehm- Kasein-Boden vermitteln Wärme und Natürlichkeit. Der Tag dringt durch die weißen Lichthöfe freundlich hell in die Etagen. Die direkte Aussicht ist den Klassenräumen vorbehalten, wo sich breite Fensterbänder in die nach allen Seiten attraktive, beinah lückenlos denkmal- oder naturgeschützte Umgebung öffnen.

Wir sehen über den Hof zum alten Schulgebäude. Vor fast genau 100 Jahren, im September 1913, waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Heute ist Direktor Mittelberger froh (und mit ihm wohl die ganze Schule), dass das Bauen ein Ende hat. „Dass das Projekt so gut funktioniert hat“, sagt er, „ist der guten Kommunikation auf allen Ebenen zu verdanken.“ Nicht nur Architektenteam und Schule sind damit gemeint, sondern auch die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als Bauherrschaft und die Behörden. „Es war von allen Beteiligten der Wunsch da, dass es ein Vorzeigeprojekt wird“, ergänzt der Architekt. Und das, ergänze ich, wäre jedem öffentlichen Bauprojekt zu wünschen.

Daten und Fakten

Objekt: Bundesgymnasium Gallusstraße, Bregenz
Eigentümer: Bundesimmobiliengesellschaft (BIG)
Architektur: HEIN-TROY Architekten, Bregenz, www.hein-arch.at, www.juritroy.com
Generalplaner: HEIN architekten
Projektleitung: Bernd Rommel
Statik: Mader Flatz, Bregenz
Bauphysik: Bernhard Weithas, Hard
Außenanlagen: landrise, Hard
Planung: 2009–2013
Ausführung: 2011–2013
Grundstücksgröße: 7207 m²
Nutzfläche: 2527 m² (Neubau) + 4228 m²

Bauweise: Neubau: Massivbau mit vorgesetzter Glasfassade; Fußböden: im Neubau Lehm-Kasein-Spachtelung, im Altbau historischer Fliesenboden; Innenwände neu: Beton und Leichtbau; Fenster Neubau: 3-fach verglaste Holzfenster aus Fichte

Besonderheiten: Historische Wandtäferung im Bestand aufgehellt. Eingliederung einer Schulküche und Kantine

Firmen: Baumeister: Arge Jäger, Hilti & Jehle, Rhomberg , i+R Schertler Alge und Gabriel Tomaselli; Zimmerer: Martin Holzbau, Dornbirn; Glasfassade: Heinrich Manahl, Bludenz – Bings; Holzfenster: Sternath Tischlerei, Hard; Böden: Gerold Ulrich, Satteins, Raum + Zeit, Dornbirn

Energiekennwert: 16 kWh/m² im Jahr (Neubau)

Baukosten: ca. Euro 9,5 Mill.

Quelle: Leben & Wohnen – die Immobilienbeilage der Vorarlberger NachrichtenFür den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

 

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