24. Juni 2012 08:34; Akt.: 24.06.2012 08:34

Nach Skandal in der Schweinezucht: “Vorarlberg wurde Vorzeigebundesland”

Das Land Vorarlberg hat auf die Zustände in den Scheinezuchtbetrieben reagiert. Das Land Vorarlberg hat auf die Zustände in den Scheinezuchtbetrieben reagiert. - © VOL.AT, Roland Paulitsch
von W&W/Harald Küng - David Richter vom Verein gegen Tierfabriken (VgT) berichtet im W&W-Interview über die aktuelle Situation in den Vorarlberger Schweine-Zuchtbetrieben.

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WANN & WO: Wie sieht die derzeitige Situation im Ländle aus? Gibt es positive Entwicklungen?

David Richter: Meiner Information nach wurden mittlerweile alle Schweinemast und -zuchtbetriebe kontrolliert. Damit ist jetzt sichergestellt, dass zumindest die gesetzlichen Standards eingehalten werden. Es wurden vielerorts noch weitere Missstände festgestellt. Ein sehr großer Stall soll im August ge­­­­­­­schlossen werden. Die Haltungsbedingungen dort waren eine Katastrophe, ein Umbau aufgrund des schlechten Zustandes nicht möglich. Diese Nachricht freut mich be­­­­­­­sonders, da in diesem Stall wirklich grauenhafte Bedingungen herrschten.

WANN & WO: Wird der VgT die Betriebe weiterhin im Auge behalten und kontrollieren?

David Richter: Im Moment liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit in Ostösterreich, wo ja viel vom in Vorarl­­berg verkauften Schweinefleisch herkommt. Die Situation dort ist  fürchterlich und die Anzahl der Betriebe enorm. Im Juli werde ich mir die im letzten Jahr angezeigten Betriebe ansehen. Angeblich haben Vertreter der Schweinebauern vor dem Kontakt mit dem VgT gewarnt. Das wäre wohl die falsche Strategie. Ich hoffe auf offene Stalltüren, um Fortschritte bei den Haltungsstandards selbst sehen zu können. Ich möchte auch den neuen Veterinärdirektor und den neuen Tierschutzombudsmann treffen, aber auch Dr. Erik Schmid, der durch seine langjährige und intensive Arbeit sehr viel für den Tierschutz und ganz Vorarlberg geleistet hat!
 
WANN & WO: Gibt es Landwirte im Land, die sich besonders engagieren?

David Richter: Ich bin seit längerem mit Markus Gstach aus Rankweil in Kontakt, der seinen großen Betrieb im Moment vollkommen umbaut. Es soll Stroh für alle Schweine geben. Der reine Vollspaltenboden kommt weg. Ein wichtiger Schritt und sicherlich auch eine Auswirkung der Arbeit des VgT.

WANN & WO: Gibt es Händler, die sich besonders positiv hervorheben?
Die Firma Sutterlüty ist auf jeden Fall engagiert. Im allgemeinen lassen wir aber nicht locker und werden die Verantwortlichen auch weiterhin mit den schlimmen Zu­­­ständen in den Lieferbetrieben konfrontieren.
 
WANN & WO: Denkst Du, dass in Vorarlberg ein Umdenken stattgefunden hat?

David Richter: Ein Umdenken gibt es definitiv, aber der Fleischkonsum ist ein schwieriges Thema. Die KonsumentInnen wollen günstige Lebensmittel, die ihnen von den Supermärkten mittels massiver Werbung auch angeboten werden. Den wahren Preis zahlen die Tiere, die unter miesen Bedingungen leben müssen.  Wir nehmen unsere Verantwortung noch nicht wirklich wahr. Es hat sich aber viel getan und ich freue mich extrem, dass Vorarlberg in dieser Art reagiert hat und zum Vorzeigebundesland in Sachen Tierhaltung und Zuchtbedingungen wurde!

Landesrat Erich Schwärzler nimmt Stellung

WANN & WO: Im Februar sagten Sie, das Land würde die Kosten für die Betäubung bei Kastrationen übernehmen. Ist das mittlerweile Standard im Land?

Erich Schwärzler: Das freiwillige Angebot wird meines Wissens nach von den Bauern sehr gut angenommen. Ob man von einem Standard sprechen kann, kann ich aber nicht beantworten.

WANN & WO: 2009 wurde im Parlament ein Antrag zur Lebensmittelkennzeichnung eingereicht. Gibt es Neuigkeiten des zustänigen Ministeriums?

Erich Schwärzler: Nach den mir vorliegenden Informationen arbeiten die zuständigen Bundesministerien noch an der Umsetz­ung der für die Landwirtschaft und die Konsumenten wichtigen 5-Parteien-Beschluss zur Lebensmittelkennzeichnung vom November 2009.

WANN & WO: Hat sich bereits etwas in Sachen Auslaufhaltung für Schweine ergeben?

Erich Schwärzler: Es ist erfreulich, dass sich mittlerweile immer mehr Schweinehalter dazu bereit erklären, bei Neu- und Umbauten auch die Auslaufhaltung von Schweinen zu berücksichtigen.



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