Mutig, anmaßend, unerschrocken: die angeklagte Richterin Kornelia Ratz

Von VN/Klaus Hämmerle
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Kornelia Ratz gibt sich kämpferisch. Kornelia Ratz gibt sich kämpferisch. - © VOL.AT/Philipp Steurer
Richterin Kornelia Ratz polarisiert. Man mag sie, oder man mag sie nicht. Ihre Freunde stehen hinter ihr.

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"So ist sie halt, die Konny", lächelte Clemens M.s Verteidiger Burkhard Hirn (65) nach dem wortgewaltigen und resoluten Auftritt der im Testamentsprozess angeklagten Richterin Kornelia Ratz am 8. Verhandlungstag. "Ich hab’ immer gut mit ihr können", fügte der Feldkircher Anwaltsveteran an. Die Mehrheit der Prozessbeobachter waren indes bass erstaunt ob der angriffigen Gegenattacke der suspendierten Landesgerichts-Vizepräsidentin auf sämtliche Beschuldigungen. Die meisten fanden Inhalt und Ton ihrer Verteidigungsrede sogar anmaßend und frech. "Hochmut vor Demut", wie es ein Journalistenkollege formulierte.

Die Mutigste

Abseits jeglicher ethischen Wertung muss man Ratz eines attestieren: Sie bleibt ihrem Grundcharakter treu, sie setzt kein Schauspiel auf, sie ist authentisch. Schon in der Schule, sagt eine ehemalige Klassenkameradin über sie, sei die Konny die mit Abstand Frechste und Mutigste gewesen. Sie habe sich vor Autoritäten nicht gefürchtet. Zielstrebig ging die Lustenauerin ihren beruflichen Weg, bis sie selbst mit Autorität geadelt war. Als Richterin bei Gericht, berichten Anwälte, sei sie oft gnadenlos gewesen. "Wenn sie einen nicht mochte, war man arm dran. Dann konnte sie dich richtiggehend fertigmachen", berichtet ein Verteidiger über seine Erfahrungen. Andererseits, so derselbe Verteidiger, habe Ratz kleine Angeklagte oft mit großem Verständnis und viel Einfühlungsvermögen behandelt.

Die Unterstützer

Ratz entzweit auf allen Ebenen. Die Volksmeinung hat sie mehrheitlich gegen sich, in Vorarlberger Gerichtskreisen verhält es sich umgekehrt. Dort emotionalisieren sich Juristenkolleginnen und -kollegen über die ihrer Meinung nach hetzerische Berichterstattung. Moralisch zweifelsfrei bedenkliche Handlungen der Richterin abseits strafrechtlicher Anschuldigungen werden hingegen mit großer Nüchternheit zur Kenntnis genommen. Bemerkenswert ist die Solidarität von Richterkollegen mit ihrer Standesgenossin. Vor allem jene der Testamentsskandal-Aufdeckerin Isabelle Amann (33): Sie machte aus ihrer Verbundenheit zu Ratz auch vor Gericht keinen Hehl. Die Angeklagte – darüber besteht kein Zweifel – hat mehrere und namhafte Unterstützer.

Zwei Mal haben wir ihrem Anwalt Bertram Grass (65) das Angebot unterbreitet, ein autorisiertes Interview mit seiner Mandantin zu machen. Zwei Mal wurde das Angebot abgelehnt.

Kurz und fordernd

Kornelia Ratz lebt während des Prozesses ihr Naturell als unerschrockene Kämpferin in einem Meer von Unrecht voll aus. Sanftmütige Regungen haben in diesem Kampf keinen Platz. Man sieht sie nie in einer Pose von Schutzsuche oder gar Zärtlichkeit mit ihrem Gatten, der als Vertrauensperson während der Verhandlung neben ihr sitzt. Eher schon sind kurze fordernde Gesten wahrzunehmen – wenn es etwa gilt, möglichst rasch bestimmte Unterlagen bereitzustellen. "So ist sie halt, die Konny", würde Burkhard Hirn da wohl wieder sagen.

(VN)

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