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MSG-Chef wird ausgeliefert, Vorarlberger Anwalt vertritt 150 Anleger

Liechtensteiner Anklagebehörde wirft Seidl vor, 44 Anleger betrogen zu haben. Liechtensteiner Anklagebehörde wirft Seidl vor, 44 Anleger betrogen zu haben. - © APA
Dornbirn, St. Gallen, Schaan – In die Causa um das Finanzkonglomerat Money Service Group (MSG), früher Kapperlsponsor von Niki Lauda, kommt Bewegung. Die Staatsanwaltschaft Liechtenstein hat am Montag vergangener Woche Anklage gegen den MSG-Gründer eingebracht, teilte die Behörde am Dienstagnachmittag mit. 

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Seidl wird gewerbsmäßig schwerer Betrug zur Last gelegt. Er sitzt seit Juli in St. Gallen in der Schweiz im Gefängnis, nun wird er an Liechtenstein ausgeliefert – aber nur für die Dauer der Hauptverhandlung, sagte der zuständige Staatsanwalt in St. Gallen der APA.

MSG-Chef soll 44 Anleger betrogen haben

Die Liechtensteiner Anklagebehörde wirft dem MSG-Chef vor, 44 Anleger betrogen zu haben. “Diesen wurde laut Anklagevorwurf eine Veranlagung in Fonds, ‘Anlagen mit fester Laufzeit’ und in Solarparks versprochen, obwohl er gar nicht beabsichtigte, solche Veranlagungen durchzuführen”, heißt es in der Pressemitteilung aus Liechtenstein. “Durch diese Täuschung wurden Anleger zur Überweisung von insgesamt 29,5 Mio. Euro und 1,2 Mio. Schweizer Franken (0,99 Mio. Euro) auf Konten der von ihm beherrschten Gesellschaften oder auf dessen Privatkonto verleitet.”Nur 160.000 Euro sowie Schmuck, Zigarren und Wein im Gesamtwert von etwa 200.000 Franken hätten sichergestellt werden können.

Laut Anklage wurde der Rest für den Geschäftsbetrieb der Gesellschaften der Money Service Group, das “aufwendige Privatleben des MSG-Gründers und seiner Familie, die Rückzahlungen an Anleger der Samiv AG und für Ausschüttungen an die ‘Solarpark-Investoren’ verwendet”, so die Staatsanwaltschaft.

Das “WirtschaftsBlatt” zitierte am Dienstag aus dem Strafakt: Die gemietete Drei-Familien-Villa, die der Beschuldigte und seine Frau bewohnt hätten, habe 22.500 Franken monatlich gekostet, dazu seien Ausgaben für teure Autos, Yachturlaube, zwei Ferienhäuser im Süden sowie eine Reise zum Formel-1-Grand-Prix in Abu Dhabi gekommen. Mit von der Partie sei damals Hahnenkamm-Vermarkter Harti Weirather gewesen, dem der MSG-Chef diverse Sponsoringgelder schuldig geblieben sei. Als das Geld knapp wurde, sei eine Schönheitsoperation für seine Frau allemal noch dringewesen.

Von Mitarbeitern angeblich schwer belastet

Mitarbeiter belasten den Beschuldigten dem Zeitungsbericht zufolge in ihren Aussagen schwer. Er solle beim Aktenvernichten beobachtet worden sein, habe Wertsachen beiseitegeschafft und versucht, Computerdaten zu löschen.

Die Liechtensteiner Anklageschrift ist noch nicht rechtskräftig, teilte die Behörde mit. Seidl kann dagegen binnen 14 Tagen Einspruch erheben. Ein Termin für die Schlussverhandlung stehe daher noch nicht fest. Für diese solle er nach Liechtenstein überstellt werden.

Da der Beschuldigte deutscher Staatsbürger sei, könne er nur an Vaduz ausgeliefert werden, “solange man ihn in der Schweiz nicht benötigt”, sagte der Staatsanwalt in St. Gallen. Der Auslieferungsantrag aus Liechtenstein sei schon vor längerer Zeit bewilligt worden. Entsprechende Anträge anderer Schwesterbehörden – etwa aus Österreich – seien ihm nicht bekannt. Neben der Liechtensteiner und der St. Gallener Staatsanwaltschaft ermittelten auch zwei oder drei deutsche Behörden gegen Seidl.

Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs

Die Staatsanwaltschaft St. Gallen hegt gegen den MSG-Chef den Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs. Die Untersuchungen drehten sich hauptsächlich um die Samiv AG, die ursprünglich im Vermögensverwaltungsbereich tätig gewesen sei. “Da hat es Unregelmäßigkeiten gegeben, die untersucht werden”, so der Ermittler. Dem Vernehmen haben rund 2.000 Anleger, mehrheitlich Deutsche, einen Schaden von rund 50 Mio. Euro erlitten.

“Unserer Anklage ist noch nicht fertig”, sagte der Staatsanwalt in St. Gallen. In der Schweiz drohen ihm – wie in Liechtenstein – zehn Jahre Haft. Hinter Gitter ist er bereits seit Sommer vergangenen Jahres, zwischenzeitlich wurde aus der U-Haft ein sogenannter vorzeitiger Strafantritt. Im Falle einer Verurteilung würde ihm also die jetzige Zeit im Gefängnis angerechnet.

Nach Liechtenstein könne der MSG-Gründer erst fix ausgeliefert werden, nachdem in der Schweiz in Gerichtsurteil gefällt wurde. Sollten ihm die Schweizer eine Freiheitsstrafe aufbrummen, müsste er also diese zuerst absitzen. Auch im Fall eines Freispruchs in der Eidgenossenschaft könnte er in dem benachbarten Fürstentum eine Gefängnisstrafe ausfassen. Gewerbsmäßig schwerer Betrug ist in Liechtenstein mit einer Freiheitsstrafe von ein bis zehn Jahren bedroht.

Vorarlberger Anwalt Pichler vertritt 150 Anleger

Die meisten mutmaßlich Geschädigten stammen nach APA-Informationen aus Deutschland. Aber auch in Österreich dürften einige Geld verloren haben. Der Vorarlberger Anwalt Clemens Pichler vertritt laut “WirtschaftsBlatt” mehr als 150 Anleger. Dieser habe sich – wie Niki Lauda – dem Strafverfahren gegen den MSG-Chef als Privatbeteiligter angeschlossen.

Die Money Service Group ist in Österreich und der Schweiz als Sponsor im Sportbereich in Erscheinung getreten, so trug beispielsweise Airlineunternehmer Lauda eine Zeitlang ein blaues Kapperl mit MSG-Logo. Wegen der Turbulenzen bei seinem Sponsor hat er aber im Juli wieder auf rot gewechselt. Nun prangt das Logo der Abu-Dhabi-Investmentgesellschaft aabar auf Laudas Kopfbedeckung.

(APA)

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