Misshandelt von Polizisten in Wien: Bregenzer Student klagt

Von Frederic Schwendinger / VOL.AT
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Wien – Freitagnachmittag sollen Polizeibeamte einen 33-jährigen Bregenzer grundlos misshandelt haben. Die Vorwürfe reichen von körperlicher Gewalt bis zur Verweigerung von Rechten. Der Student droht mit einer Klage.

Jeremy-James P. lebt in Wien. Er macht dort seit seinem Abschluss als Magister in Naturwissenschaften auch noch den Diplomingenieur in Agraringenieurwesen. Am Freitag gegen 15 Uhr war er mit zwei Freunden unterwegs und kommentiert eine Amtshandlung dreier Polizisten, die einen parkenden Autofahrer befragen. Daraufhin führen die Beamten bei den drei Freunden eine Personenkontrolle durch.

Aggressiv und beleidigend

“Ich sollte meine Taschen leeren und auf das Polizeiauto legen. Weil ich meine Sachen aber nach Meinung der Exekutive zu fest hinaufgelegt habe, haben sie diese auf den Boden geschmissen”, erklärt der 33-Jährige gegenüber VOL.AT. Aus seiner Sicht war die Amtshandlung der Polizisten von Anfang an aggressiv und beleidigend: “Sie zögerten die Überprüfung auch unnötig in die Länge, als nichts weiter gegen mich vorlag.” Als P. dabei nicht ruhig genug blieb, habe ihn ein Polizist an der Hand gepackt und die Festnahme zur Identitätsfeststellung nach Paragraph 35 des Sicherheitspolizeigesetzes ausgesprochen.

Schläge wegen Ermahnung

Eskaliert ist es laut P. aber, als der Wecker seines Handys losging: “Ich habe es aufgehoben und den Alarm ausgestellt. Dabei hat mich ein Beamter angeschrien, dass ich jetzt nicht telefonieren müsse und packte mich am Arm. Als ich den dann wegziehen wollte, kamen sie zu dritt auf mich zu.” Dann wurde der Student in Handschellen abgeführt. Einer von ihnen habe ihn währenddessen permanent an den Haaren gezogen. P. ermahnte ihn dann auf der Polizeiwache “er solle es nicht noch schlimmer machen, weil die mitgefilmten Aufnahmen der Festnahme schon genug Material für eine Anzeige bieten würden”. Daraufhin soll ihm der Beamte mehrmals ins Gesicht geschlagen haben, so dass der Student aus der Nase blutete.

Krankenhausreif misshandelt

Das Recht auf einen Anwalt und ein Telefongespräch habe man ihm verweigert. Als er dann in der Zelle nicht ruhig war, haben ihn die Polizisten in eine Gummizelle gesperrt: “Insgesamt sieben Stunden musste ich darin verbringen. Auch, dass ich sie darauf hingewiesen habe, dass ich zu Panikattacken neige und Medikamente brauche, änderte daran nichts.” Danach hatte P. einen Zusammenbruch, an den er sich nicht erinnert. Er wurde bewusstlos mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht: “Die ersten Erinnerungen setzen erst nach der Ankunft im Lainzer Spital ein. Angeblich wurde aber von Seiten der Polizei behauptet ich stände sowieso unter Drogen, ich wäre gewalttätig und dass sie außerdem von keiner medizinischen Vorgeschichte wüssten. Komischerweise wurde aber in der ganzen Zeit meiner Festnahme von Seiten der Polizei kein Drogentest durchgeführt. Ein Alkoholtest fiel mit 0,64 Promille moderat aus.”

Anzeige wegen mehreren Punkten

Seither ist sein linker Arm verletzt: “Ich habe von der Festnahme einen Bluterguss am Ellbogen und vermutlich einen Riss an einem der Gelenksknochen. Bis jetzt kann ich ihn nicht richtig ausstrecken.” Jeremy-James P. will nun per Anwalt eine Maßnahmebeschwerde bei der Polizei einreichen und die betroffenen Beamten wegen mehrerer Punkte verklagen: “Ich versuche jetzt die Zeugenaussagen zum Vorfall zusammenzutragen. Von der Brutalität des Einsatzes sind aber alle unangenehm überrascht.” Die Polizei Wien prüft die Vorwürfe.

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