MH17-Flugschreiber übergeben – Moskau hat Fragen an Ukraine

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Die Separatisten haben die Flugschreiber von MH17 an Malaysia übergeben.
Die Separatisten haben die Flugschreiber von MH17 an Malaysia übergeben. - © EPA
Die Flugschreiber der in der Ostukraine abgestürzten Passagiermaschine sind von pro-russischen Separatisten an eine malaysische Delegation in der Ukraine übergeben worden.

Dies berichtete der US-Nachrichtensender CNN in der Nacht zum Dienstag. Malaysias Ministerpräsident Najib Razak hatte zuvor angekündigt, er habe eine entsprechende Übereinkunft mit Separatistenführer Alexander Borodaj erreicht.

Die Flugschreiber von Flug MH17. (EPA) Die Flugschreiber von Flug MH17. (EPA) ©

Separatisten: “Haben MH17 nicht abgeschossen”

Eine Delegation von zwölf Experten aus Malaysia hatte nach Angaben der russischen Agentur Interfax am Montag in Donezk mit den Separatisten verhandelt. Borodaj sagte bei der Übergabe der Black Boxes am frühen Dienstagmorgen, sie “werden die Wahrheit enthüllen”. Er bestritt Anschuldigungen, nach denen die Separatisten das Flugzeug abgeschossen hätten. “Wir haben nicht die technische Fähigkeit, dieses Flugzeug zu zerstören”, sagte Borodaj.

EU berät über weitere Sanktionen

Die Außenminister der 28 EU-Staaten beraten am Dienstag unter anderem über schärfere Sanktionen gegen Russland. Nach Angaben von Diplomaten ist jedoch ungewiss, ob es bei dem Treffen in Brüssel schon konkrete Beschlüsse darüber geben wird, welche russischen Firmen auf eine schwarze Liste der EU gesetzt werden.

Die Minister wollen auch grundsätzlich über die Beziehungen zwischen der EU und Russland sprechen. Sie werden die Forderung nach einer unabhängigen und internationalen Untersuchung des Absturzes des Flugzeugs bekräftigen. Zugleich wollen die Minister Russland erneut auffordern, die Unterstützung der Separatisten in der Ukraine zu beenden und Waffenlieferungen an diese zu verhindern.

UN-Sicherheitsrat fordert Untersuchung

Kurz zuvor hatte der UNO-Sicherheitsrat per Resolution eine unabhängige Untersuchung des mutmaßlichen Abschusses einer Passagiermaschine über der Ostukraine gefordert. Alle 15 Mitglieder des Gremiums stimmten dem Papier bei einer kurzfristig einberufenen Sitzung am Montag in New York zu. Dem ursprünglich von Australien eingebrachten Entwurf hatten sich schon vor der Abstimmung zahlreiche weitere Länder angeschlossen. Russland hatte zunächst einen eigenen Resolutionsentwurf eingebracht, dann aber einer gemeinsam überarbeiteten Version des australischen Entwurfs zugestimmt.

Abstimmung im UN-Sicherheitsrat - auch Moskau stimmte für die Resolution. Abstimmung im UN-Sicherheitsrat – auch Moskau stimmte für die Resolution. (EPA) ©

UN-Resolution ohne Konsequenzen

Die Resolution fordert eine “umfassende, tiefgreifende und unabhängige Untersuchung” des Absturzes von Flug MH17 mit fast 300 Menschen an Bord über dem Osten der Ukraine, bei der die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO eine “zentrale Rolle” spielen soll. Zudem fordert es sofortigen ungehinderten Zugang für die Experten zur Unglücksstelle. Im Fall der Nichtbefolgung droht die Resolution allerdings keine Konsequenzen an. Sie verurteilt den mutmaßlichen Abschuss des Flugzeugs und spricht den Angehörigen der Opfer Beileid aus.

Leichenzug verlässt Absturzort

Unterdessen verließ der Zug mit den Überresten von 251 Flugzeuginsassen am Montagabend die Stadt Tores Richtung Charkow. “Der Zug wird von einer Lokomotive der Eisenbahn Donezk gezogen”, sagte ein Bahnsprecher nach Angaben der russischen Agentur Interfax. Zuvor hatten Experten vier Kühlwaggons kontrolliert und versiegelt. Dazu kommt ein Wagen mit persönlicher Habe der Opfer.

Niederlande drängen auf Identifizierung

Im 300 Kilometer entfernten Charkow richten niederländische Spezialisten ein Zentrum zur Identifizierung der Opfer ein. Die Niederlande wollen jedoch die Opfer so schnell wie möglich außer Landes bringen. “Die Identifizierung geht in den Niederlanden viel schneller”, sagte Ministerpräsident Mark Rutte im Parlament in Den Haag. Auf dem Flugplatz von Charkow steht eine Hercules-Maschine der niederländischen Streitkräfte bereit. Nach ukrainischen Angaben wurden an der Absturzstelle 282 Leichen und 87 Körperteile gefunden.

Leichensäcke an der Absturzstelle, ehe sie in Kühlwaggons verladen wurden. (EPA) Leichensäcke an der Absturzstelle, ehe sie in Kühlwaggons verladen wurden. (EPA) ©

Moskau will Antworten von der Ukraine

Der russische Generalstab präsentierte am Montag in Moskau Satellitenaufnahmen und Karten mit Flugbahnzeichnungen vom Absturztag. Das Militär forderte die Ukraine auf, Auskunft über einen Kampfjet zu geben, der sich der Unglücksmaschine genähert haben soll. Kiew müsse auch die Gründe für die Stationierung des Flugabwehrsystems “Buk” im Separatistengebiet erklären, da die Aufständischen nicht über Flugzeuge verfügten. Die Separatisten lenkten nach heftiger Kritik am Umgang mit Absturzopfern allmählich ein und erleichterten die Arbeit der Experten damit.

Die USA verdächtigen die Separatisten, die Zivilmaschine mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen haben. Zuvor hatte die Ukraine behauptet, umfassende Beweise – darunter Satellitenaufnahmen – dafür zu haben, dass die prorussischen Kräfte mit einem “Buk”-System auf die Boeing 777-200 geschossen hätten.

Wichtige Beweise vernichtet

Beobachter befürchten, dass wegen der tagelangen Behinderungen durch die Separatisten und Eingriffen in das Trümmerfeld eine exakte Ermittlung der Absturzursache kaum mehr möglich ist. Angehörige klagten über mangelnden Respekt vor den Toten.

US-Präsident Barack Obama rief seinen russischen Kollegen Wladimir Putin dazu auf, die Aufständischen davon abzuhalten, die Untersuchungen weiter zu behindern. Der Separatistenanführer Andrej Purgin wies diese Vorwürfe zurück. Die militanten Gruppen würden lediglich die “Rechtmäßigkeit” der Ermittlungen überwachen. (red/APA/dpa)

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