Drogentod in Therapiestation: Psychotherapeut angeklagt

Von VN/Jörg Stadler
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In dieser Therapiestation in Schnifis starb 2009 ein 14-Jähriger. In dieser Therapiestation in Schnifis starb 2009 ein 14-Jähriger. - © VOL.AT
Feldkirch - Therapeut ließ Klienten (14) von Drogen-Ehepaar betreuen – jetzt muss er vor Gericht.

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Der tragische Drogentod eines 14-jährigen Buben im April 2009 in der psychotherapeutischen Wohngemeinschaft „OASE Senobio“ in Schnifis hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel: Wie der Sprecher des Landesgerichts Feldkirch, Reinhard Flatz, auf VN-Nachfrage bestätigt, muss sich der ehemalige Leiter der Einrichtung wegen „Quälen und Vernachlässigen unmündiger oder wehrloser Personen mit Todesfolge“ verantworten. Der ausgebildete Psychotherapeut soll seine Fürsorgepflicht „gröblich vernachlässigt“ haben. Der Prozess beginnt am 22. Oktober und wurde für zwei Tage anberaumt. Dem Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Als der 14-jährige Oberösterreicher Florian T. in der Nacht zum 19. April tot in seinem Zimmer aufgefunden wurde, deutete zunächst nichts auf einen Drogentod hin. Erst die Gerichtsmediziner stellten fest, dass der Bub aufgrund einer Heroinvergiftung das Bewusstsein verloren hatte und an einem Atemstillstand verstorben war.

Die Staatsanwaltschaft Feldkirch leitete daraufhin Ermittlungen ein und deckte nach und nach auf, was bisher nur gerüchteweise durch das idyllische Bergdorf Schnifis geisterte: „Die Einrichtung erfüllte die Kriterien einer kunstgerecht geführten stationären Drogentherapie in keinster Weise“, heißt es in der 16-seitigen Anklageschrift, die den VN vorliegt. Und weiter: „Der Konsum von Suchtmitteln wurde toleriert, zumal Übertretungen entweder mangels Kontrollen unentdeckt oder für die Betroffenen ohne Konsequenzen blieben.“

300 Spritzen gefunden

Laut Anklage soll der Psychotherapeut den „suchtgefährdeten, labilen und höchst beeinflussbaren“ Minderjährigen der Obhut eines Ehepaars überlassen haben, das damals selbst drogenabhängig war. Wie berichtet wurde das Paar im Zuge der Ermittlungen festgenommen und später verurteilt. Es hatte während seiner Therapie in Schnifis einen schwunghaften Handel mit Medikamenten und Ersatzdrogen betrieben. Auch davon soll der Angeklagte gewusst haben. In den Zimmern der Wohngemeinschaft fanden die Ermittler rund 300 ungebrauchte Einwegspritzen, 14 Stück gebrauchte Nadeln und Schalen zum Aufkochen von Heroin. Ob das tödliche Suchtgift von dem Ehepaar stammte, konnte nicht nachgewiesen werden.

Der Beschuldigte bestreitet, den 14-Jährigen jemals in eine Therapie übernommen zu haben. Er habe den Buben und dessen Mutter nur aus „humanitären Gründen“ aufgenommen, wird der 72-Jährige in der Anklageschrift zitiert. Tatsächlich bezahlte das Land Oberösterreich seit November 2008 für den stationären Aufenthalt, die psychotherapeutische Betreuung und Behandlung des 14-Jährigen nachweislich einen Tagessatz von rund 160 Euro. Weiters wird dem Psychotherapeuten vorgeworfen, einem „Therapie statt Strafe“-Klienten inhaltlich unrichtige Bestätigungen über einen rückfallsfreien Therapieverlauf ausgestellt zu haben. Grund für die lange Dauer des Ermittlungsverfahrens waren laut Staatsanwaltschaft umfangreiche Betrugsermittlungen. Diese verliefen allerdings im Sand.

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