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Zwischen Endlichkeit und Ewigkeit

Ein ganz in sich gekehrtes musikalisches Gedenken zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit zum Ausklang von Allerseelen. In der intimen Marienkapelle im Seitenschiff des Domes verschmelzen Raum und Zeit angesichts von mahnenden Bibelworten, die vor fast 400 Jahren von Heinrich Schütz in seinen „Musicalischen Exequien“ vertont wurden.

Die Initiativen, die der neue Domkapellmeister Benjamin Lack gesetzt hat (die „VN“ berichteten), beginnen zu greifen. Bereits zum zweiten Mal präsentierte er sein Vokal­ensemble „Capella St. Nicolaus“ in der von Domorganist Johannes Hämmerle initiierten Reihe von Abendmusiken.

Das Werk von Schütz gilt als frühester Versuch eines „Deutschen Requiems“ und demnach als musikgeschichtlicher Markstein. Acht ausgesuchte, geschulte Stimmen, vier Damen, vier Herren, sind es nur, die Teile dieses komplexen Werkes aus der strengen Klangwelt des Frühbarock interpretieren, schlank und vibratoarm.

Unterschiedliche Qualität

Trotz guter Vorbereitung ist da die Eigenverantwortung groß für den Einzelnen. Vor allem in der ersten Motette, die in freier, fließender Polyphonie von ihren Wechseln zwischen Solostimmen, Duetten und Chorklang lebt, macht sich die unterschiedliche Qualität und Stärke der einzelnen Stimmen bemerkbar, fehlt im Gesamtklang noch die letzte Abrundung.

Im quasi doppelchörig konzipierten dritten Teil nach dem Lobgesang Simeons werden Echowirkungen effektvoll herausgearbeitet, zeigt die kompakte vokale Klangpracht, dass das Ensemble durchaus noch Potential zu Größerem besitzt. Zentrum des Geschehens ist Benjamin Lack, der den ersten Tenor singt und versiert zugleich die notwendigsten Einsätze gibt. Johannes Hämmerle, der an der großen Orgel mit einer Fantasia von Sweelinck in die Klangwelt dieses Programms eingeführt hat, grundiert das Geschehen am Orgelpositiv. Eine überschaubare, aber begeisterte Zuhörerschar bedankt sich für genau 45 Minuten vokaler Intensität.

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