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Zweites OK der Bregenzer Festspiele: Nachtmusik zur Mittagszeit

Trotz der etwas paradox anmutenden Programmierung einer Nachtmusik zur Mittagszeit haben die Bregenzer Festspiele am Sonntag auch mit dem zweiten Orchesterkonzert beim Publikum voll gepunktet.

Im ausverkauften Festspielhaus gab es Beifall für den Dirigenten Kirill Petrenko, die Wiener Symphoniker und nicht zuletzt für den aus Polen stammenden amerikanischen Pianisten Emanuel Ax. Auf dem Programm der Matinee standen die “Sinfonia Concertante” von Karol Szymanowski, “Nocturnes” von Frederic Chopin und “Le poeme de l’extase” von Alexander Skrjabin.

Bevor Emanuel Ax am Steinway Platz nimmt, wirkt er wie ein bescheidener älterer Herr, doch kaum berührt er die Tasten, springt der Funke auf Orchester und Publikum über. In der Arthur Rubinstein gewidmeten und 1932 vom Komponisten Szymanowski selbst am Flügel aus der Taufe gehobenen “Sinfonia Concertante” kommt es auf den Dialog zwischen Klavier und Orchester an. Die Synchronität zwischen Ax und den Symphonikern stellte sich zunehmend ein, nach einer halben Stunde wurde das symphonische Klavierkonzert mit höflichem Beifall bedankt. In den anschließenden zwei “Nocturnes” op. 27 und weiteren filigranen Klavierstücken von Chopin war Emanuel Ax voll in seinem Element und versprühte ohne äußerliche Attitüde oder effektheischenden Tastendonner wahrlich glühendes pianistisches Feuer. Mit Bravorufen durchsetzter Applaus war der verdiente Lohn für den Interpreten.

Nach der Pause kam bei der einsätzigen Tondichtung “Le poeme de l’extase” von Alexander Skrjabin die Hoch-Zeit für Petrenko und die Symphoniker in Maximalbesetzung. Das 1908 in New York uraufgeführte 20-Minuten-Stück wirkt in Tonsprache und Dichte nach wie vor sehr modern und kann neben Richard Strauss-Tondichtungen bestehen. Petrenko und die Symphoniker agierten in Hochform, nach dem ekstatischen Finale entlud sich die Spannung in triumphalem Jubel.

Im dritten Symphoniker-Konzert am 10. August steht unter Leitung von Markus Stenz der gesamte 2. Akt von Wagners “Tristan und Isolde” auf dem Programm. Intendant David Pountney hatte zu Beginn der Sonntags-Matinee persönlich die Werbetrommel für das noch nicht ausverkaufte Konzert gerührt: Bregenz habe u.a. mit Violeta Urmana als Isolde, Robert Gambill als Tristan oder Iain Paterson als Kurwenal eine mindestens so gute, wenn nicht gar bessere Besetzung als Bayreuth, gab sich Pountney selbstbewusst – “und sie müssen keine abstrusen Regieeinfälle ertragen”, schmunzelte der Intendant unter Beifall.

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