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Zweites "Bosman-Urteil" möglich

Ein Zivilprozess in der belgischen Stadt Charleroi könnte die Fußball-Welt ebenso nachhaltig verändern wie das "Bosman-Urteil" fast zehn Jahre zuvor. Die Klage betrifft die Abstellung von Teamspielern für Länderspiele.

Erstligist SC Charleroi hat bei einem Handelsgericht in der Industriestadt Klage auf Schadenersatz eingereicht, nachdem der Marokkaner Abdelmajid Oulmers mit einer schweren Knöchelverletzung von einem Länderspiel gegen Burkina Faso nach Belgien zurückgekehrt war. Charleroi hatte daraufhin im vergangenen Sommer die Chance ausgelassen, erstmals in die Champions League einzuziehen. Starspieler Oulmers laborierte sieben Monate an dem mehrfachen Bänderriss im Knöchel, dabei hätte ihn sein Klub gar nicht für das Länderspiel freistellen wollen. Das war erst von der FIFA angeordnet worden. Sollte der Klage stattgegeben werden, könnte damit das gesamte Länderspielsystem in Frage gestellt werden.

Ein Urteil in dem Verfahren, in dem es im Grunde darum geht, ob Profiklubs ihre Topspieler weiterhin ohne Anspruch auf Entschädigungen für Teamspiele abstellen müssen, wird von Beobachtern im Mai und damit ein Monat vor Beginn der WM in Deutschland erwartet. Die “G 14”-Gruppe der europäischen Topvereine unterstützt die Klage Charlerois gegen die FIFA, wird dabei durch den Anwalt Jean Louis Dupont vertreten, der mit dem Bosman-Verfahren eine “Revolution” des Transfersystems bewirkt hatte. “Die FIFA missbraucht nach unserer Ansicht ihre marktbeherrschende Stellung”, sagte der Jurist. “Dies ist ein Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht.” Die FIFA betreibe ein Doppelspiel, lege einerseits die Marktregeln fest, zugleich beteilige sie sich aber selbst wie ein Unternehmen am Geschäft.

Im Grunde geht es dabei wieder ums Geld, die “G 14” will am Kuchen beteiligt werden. “Die Vereine wissen, dass die WM 2,5 Milliarden Euro einbringt”, erklärte Dupont, “stellen aber gratis den wichtigsten Faktor zur Verfügung, nämlich die Spieler. Im Falle einer Verletzung bekommen sie nicht einmal eine Entschädigung.” Real Madrid bezifferte die Einbußen durch eine Verletzung von Zinedine Zidane im WM-Quali-Spiel gegen Irland, die den Franzosen ein Monat außer Gefecht setzte, etwa mit rund zwei Millionen Euro.

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