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Zweite Atomanlage in Nordkorea entdeckt

Im Konflikt um Nordkoreas Atomprogramm zeichnet sich eine Verschärfung ab. Nach US-Medienberichten hat das Regime eine zweite geheime Atomanlage gebaut.

Sie sei möglicherweise in einem Berg versteckt, berichtete die „New York Times“ am Sonntag. Den Angaben zufolge wurde die Fabrik durch ein Gas entdeckt, das bei der Aufarbeitung von Plutonium entsteht. Dies sei „sehr beunruhigend“, zitierte die Zeitung ranghohe US-Regierungskreise. Nordkorea hat den USA unterdessen mit der Aufkündigung des Waffenstillstands von 1953 gedroht. Der britische Premierminister Tony Blair sagte in Südkorea, Nordkorea sei eine „echte Bedrohung und Gefahr“.

Die von Satelliten gemessene Verteilung des Gases über der koreanischen Halbinsel habe gezeigt, dass es neben Yongbyon noch eine zweite Anlage geben müsse. Von amerikanischer Regierungsseite wurde der Bericht zunächst nicht bestätigt. Beobachter verwiesen aber darauf, dass die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA weiter wachsen würden, sollten sich die Angaben bestätigen. Dem Zeitungsbericht zufolge teilte Nordkorea den USA vor elf Tagen mit, die Wiederaufbereitung aller 8.000 verfügbaren abgebrannten Brennstäbe abgeschlossen zu haben. Damit könnten etwa sechs Atombomben gebaut werden.

Nach Informationen der Zeitung hatten die USA seit langem befürchtet, dass Nordkorea versuchen würde, eine zweite Anlage zu bauen, um im Fall eines amerikanischen Militärschlags eine weitere Produktionsstätte zu haben. Vor fünf Jahren sei sogar eine unterirdische Anlage auf Druck Washingtons überprüft worden. Dabei sei allerdings nichts gefunden worden. Dies sei nun der erste konkrete Hinweis auf eine zweite Anlage.

Während das Weiße Haus sich bisher gegenüber Nordkoreas Drohgebärden eher zurückhaltend verhält, zeigt sich die amerikanische Bevölkerung zunehmend besorgt. In einer Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders CNN erklärte die Mehrheit der Befragten, dass Nordkorea langfristig eine Gefahr darstelle. Die „New York Times“ hatte kürzlich berichtet, dass Nordkorea inzwischen genügend Plutonium zum Bau von sechs Atombomben produziert habe. Pjöngjang sei entschlossen, die Waffen bald herzustellen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf amerikanische Regierungsbeamte.

Der britische Premierminister Tony Blair und der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi sprachen sich unterdessen für multilaterale Gespräche zur Beilegung des Konflikts aus. Blair habe sein „Verständnis und starke Unterstützung“ hinsichtlich Japans Wunsch zum Ausdruck gebracht, in Verhandlungen zur friedlichen Beilegung des Nordkorea-Konflikts einbezogen zu werden, sagte Koizumi nach einem Treffen am Samstag mit Blair.

Japan plädiert für einen Fünfer-Gesprächsrahmen, bestehend aus Vertretern der USA, Chinas, Nordkoreas sowie Japans und Südkoreas. Während auch Washington bisher die Einbindung von Staaten wie Japan, China und Südkorea forderte, wollte Pjöngjang ursprünglich nur bilateral mit den USA verhandeln. Die vorerst letzten Gespräche zwischen den USA, Nordkorea und China hatten im April in Peking stattgefunden.

In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, Blairs nächster Station seiner mehrtägigen Reise, betonte der britische Regierungschef am Sonntag die Notwendigkeit eines friedlichen und konstruktiven Dialogs zur Lösung der Krise. Die Situation müsse mit „besonders viel Gefühl“ statt mit militärischen Mitteln angegangen werden. Großbritannien stehe ebenso wie Südkorea bereit, um Nordkorea bei einem Verzicht auf sein Nuklearprogramm Hilfe zu leisten, sagte Blair bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Roh Moo Hyun.

Pjöngjang hat den USA unterdessen mit der Aufkündigung des Waffenstillstands von 1953 gedroht. Diesen „starken Schritt“ werde die Führung in Pjöngjang unternehmen, sollten die USA ihre Truppenpräsenz im Süden der geteilten Halbinsel verstärken und über den Norden eine Blockade verhängen, hieß es am Sonntag in der staatlichen Zeitung „Rodong Sinmun“. Die Vereinigten Staaten hätten das Waffenstillstands-Abkommen missbraucht, um die innerkoreanischen Beziehungen zu vergiften. Sollte Washington seine Entschlossenheit, einen Krieg gegen Nordkorea vom Zaun zu brechen, nicht aufgeben, werde sich Pjöngjang nicht länger an den Waffenstillstand von 1953 gebunden fühlen.

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