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Zweite Anklage nach Tod der Mädchen

In Zusammenhang mit dem Tod zweier britischer Mädchen ist auch die Freundin des unter Mordverdacht stehenden Schulwarts angeklagt worden.

Nach Angaben der Polizei von Dienstagabend wird der 25-jährigen Maxine Carr Irreführung der Justiz vorgeworfen. Sie bleibt in Haft. Kurz zuvor war gegen ihren 28-jährigen Freund Ian Huntley Mordanklage erhoben worden.

Polizeichef Andy Hebb erklärte, Huntley sei seit seiner Festnahme am Samstag zahlreichen medizinischen Untersuchungen unterzogen worden. Nach den Empfehlungen eines Psychiaters sei er in die psychiatrische Klinik Rampton in der Grafschaft Nottinghamshire gebracht worden, Es handelt sich dabei um die am stärksten gesicherte Einrichtung dieser Art in Großbritannien. Experten sollen dort im Laufe der nächsten vier Wochen beurteilen, ob Huntley vor Gericht gestellt werden kann oder ob er unzurechnungsfähig ist.

Spaziergänger hatten am Samstag zwei Leichen entdeckt, bei denen es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die seit dem 4. August vermissten Mädchen Holly Wells und Jessica Chapman handelte. Die Todesursache stand nach ersten gerichtsmedizinischen Untersuchungen noch nicht fest. Der Fall der beiden Zehnjährigen machte in Großbritannien wochenlang Schlagzeilen und hat die Bevölkerung tief bewegt.

Huntley wurde von Anfang an in die Ermittlungen einbezogen. Er hatte angegeben, die Mädchen am Nachmittag ihres Verschwindens gesehen zu haben, als sie an seinem Haus vorbeigekommen seien. Er hatte wiederholt erklärt: „Ich muss einer der letzten gewesen sein, der sie lebend gesehen hat.“ Seine Freundin war Hilfslehrerin an der Schule der Mädchen und kannte die beiden ebenfalls.

Nach Zeitungsberichten war Carr für die Polizei von Anfang an ein Verdächtiger. Über eine Woche lang soll er rund um die Uhr beschattet worden sein. Am Freitagabend musste er erstmals zu einem mehrstündigen Verhör zur Polizei, wurde danach aber wieder freigelassen. Stunden später nahm ihn die Polizei im Haus seiner Eltern fest. Sein eigenes Haus war zuvor durchsucht worden. Dabei hatte die Polizei wichtige Beweisstücke gefunden.

Eine Obduktion konnte bisher nicht klären, wie die Mädchen umgebracht worden sind. Nach Informationen der Londoner Zeitung „Evening Standard“ sind die Leichen furchtbar zugerichtet. Ein Polizeisprecher sagte, es könne Wochen dauern, bis die Todesursache feststehe. Der Förster Keith Pryer, der am Samstag die Kinderleichen entdeckt hatte, sagte: „Was ich dort gesehen habe, wird mich für den Rest meines Lebens heimsuchen.“ Nach einem Bericht der Zeitung „The Sun“ hat Huntley früher in der Nähe der Stelle gewohnt, wo die Leichen gefunden wurden.

Obwohl die Polizei keinen Zweifel daran hat, dass es sich um die beiden zehn Jahre alten Freundinnen Holly Wells und Jessica Chapman handelt, sind die Leichen noch nicht sicher identifiziert. Für die Eltern bedeuten diese Schwierigkeiten, dass sie ihre Kinder vorläufig nicht beerdigen können. Bei der Kirche von Soham bei Cambridge, dem Heimatort der Kinder, wurden in den letzten Tagen hunderte Blumensträuße niedergelegt. Auf einer eigenen Website gingen 14.000 Beileidsbekundungen aus aller Welt ein.

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