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Zwei Mönchen auf der Spur

©VN/Matt
Vor 1400 Jahren landeten Kolumban und Gallus in Bregenz. Karl Dörler spürt ihnen nach.

Wenn am Abend des 28. Mai Mönche und Schauspieler vom See her singend in den Mehrerauer Klosterhof ziehen, führt er Regie. Von Berufs wegen handelt der Bregenzer Karl Dörler mit Ökostrom. Auch, dass er das Kolumban- und Gallusjahr als Projektleiter führt, hat er seinem Organisationstalent zuzuschreiben. Er kann sich noch gut an jene Abendeinladung bei Dekan Anton Bereuter in der Stadtpfarre erinnern. Dörler kam etwas später. Als er wieder ging, hatte er bereits ein Konzept versprochen.

Frühe Beheimatung

Karl Dörler hat Kirche von Kindesbeinen an als Heimat empfunden. „Mein Vater wurde vom Harder Ortspfarrer stark gefördert.“ Der brachte die Eltern dazu, den talentierten Buben aufs Gymnasium zu schicken. Besagter Kaplan Edwin Fasching hat dann später das Werk der Frohbotschaft gegründet, dem Karl Dörlers Schwester Elisabeth heute vorsteht. Wenn er an seine geistlichen Vorbilder denkt, nennt Karl Dörler seinen alten Religionslehrer im Bregenzer Gymnasium, Werner Würbel. „Der hat mir u. a. die Chance zur Schülerzeitung ,Segel gegeben.“ Und Dörler denkt an das Zweite Vatikanische Konzil. An Papst Johannes XXIII. Vor allem ans „Aggiornamento“. Das Wort meint die Anpassung an die heutigen Verhältnisse. Als das Konzil 1962 zu tagen begann, war Karl erst sechs Jahre alt. Aber aufgewachsen ist er in einer Kirche, die Aufbruchstimmung atmete. Kein Wunder, dass er schon mit 24 Jahren in Lauterach zum Pfarrgemeinderatsvorsitzenden gewählt wurde. Als er nach Bregenz zog, wechselte er in die Pfarre St. Gallus. Insgesamt 25 Jahre ist er nun schon in beratenden Laiengremien tätig. Vor zwei Jahren übernahm er die Leitung des Katholischen Bildungswerkes in Bregenz und fügte dem Namen gleich auch die evangelische Gemeinde der Landeshauptstadt hinzu. Und jetzt also: Kolumban und Gallus. Kloster Mehrerau, Bildungswerk, Stadt und Pfarrgemeinden bringen 50.000 Euro auf für ein Jubiläumsjahr, das zahlreiche Akzente setzt. Warum eigentlich? Dörler hat vor Ort recherchiert. Das tut er für sein Hobby Sozialgeschichte regelmäßig. Also reiste er nach Bangor und in die französischen Vogesen. Schließlich wurde der heilige Kolumban in der irischen Abtei ausgebildet und hat dort selber gelehrt, ehe er zwischen 591 und 610 im heutigen Frankreich die Klöster Annegray, Luxeuil und Fontaines gründete. Von dort kam er auf dem Weg nach Italien am Bodensee vorbei. Der Rest ist Geschichte. Ehe er auf dem halben Weg zwischen Genua und Piacenza das Kloster Bobbio gründete, legte er mit seinen Gefährten, zu denen auch der heilige Gallus zählte, bei Bregenz christliche Spuren. Woche um Woche lernte Dörler die beiden irischen Missionare besser kennen, die unterschiedlicher nicht sein konnten: Da der auf Amt und Recht bedachte Kolumban, dort der charismatische Gallus, „der vielen helfen konnte und ohne formale Ämter viel Zuspruch erhielt“. Beide faszinieren über 1400 Jahre hinweg immer noch. Ihre Aktualität erlangen sie in ihrer Missionsarbeit und in der Art, ihren Glauben zu bezeugen. „Zeugnis geben“, sagt Dörler, „bedeutet ja nichts anderes als zu dem zu stehen, was man sagt.“

zur Person

Dr. Karl Dörler ist Projektleiter des Kolumban- und Gallusjahres in Bregenz Geboren: 25. Februar 1956 in Bregenz Ausbildung: Studium der Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen Laufbahn: Sechs Jahre Uni-Assistent, dann als Organisationsentwickler zur VKW, heute Geschäftsführer der Ökostrom GmbH Familie: verheiratet, zwei Kinder

Veranstaltung

Fr, 28. Mai, 18.30 Uhr Ankunftsfest mit dem Mönchschor der Mehrerau, szenischer Darstellung durch Shakespeare und Abendlob in der Klosterkirche mit Bischof Erwin Kräutler. Anschließend gemütlicher Hock mit Bewirtung. Bei Schlechtwetter findet die Veranstaltung im Kloster statt. Eintritt ist frei.

Sa, 29. Mai, 14 Uhr Auf den Spuren von Kolumban und Gallus in der Vorarlberger Landesbibliothek. Historisches mit Stadtarchivar Mag. Thomas Klagian, Dr. Karl Dörler und Philipp Dörler – anschließend Stadtrundgang. Eintritt ist frei.

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