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Zwei Millionen Pilger auf dem Berg Arafat

Fast zwei Millionen moslemische Pilger sind am Montag auf dem Berg Arafat zum Gebet eingetroffen. Die Zeremonie ist der Höhepunkt der Hadsch, der traditionellen Pilgerfahrt.

Nach einem Morgengebet im nahe gelegenen Mina-Tal, wo die meisten Pilger in feuerfesten weißen Zelten übernachteten, machte sich die Menge singend auf den Weg zum Arafat. Die Gläubigen kamen zu Fuß und in Bussen, das Pilgerlied „Zu Deinen Diensten, mein Gott, zu Deinen Diensten“ auf den Lippen. Einige klammerten sich sogar auf den Dächern von Fahrzeugen fest. Sie versammelten sich auf der Hochebene Arafat, auf der sich ein felsiger Hügel gleichen Namens erhebt, zu deutsch „Gnadenberg“.

Im Laufe des Vormittags verwandelte sich das karge Plateau in ein Meer von Pilgern, die Männer in einheitlichen weißen Gewändern, die Frauen vollständig verhüllt – nur ihre Gesichter und Hände waren zu sehen. Über der Masse kreisten Polizeihubschrauber. Die Hadsch findet dieses Jahr unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen statt, weil die Regierung des Königreichs Demonstrationen gegen einen möglichen US-Angriff auf den Irak befürchtet. Mehrere Pilger äußerten sich verärgert über die Politik der USA, die sie als Kampagne gegen ihren Glauben betrachten. „Der Islam spricht sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen den Völkern aus, nicht für Krieg“, sagte ein nigerianischer Pilgerer. Ein Afghane schlug feindseligere Töne an:„Ich hoffe, Gott zerstört Amerika zur Strafe seiner Unterstützung Israels gegen die Palästinenser.“

Zur diesjährigen Hadsch sind 500.000 saudiarabische Staatsangehörige und 1,5 Millionen Pilgerer aus anderen Ländern angereist. Jeder körperlich gesunde Moslem ist verpflichtet, wenigstens einmal in seinem Leben daran teilzunehmen – wenn er es sich leisten kann. Die Wallfahrt beginnt in Mekka, dem Geburtsort des Propheten Mohammed. Nach der islamischen Lehre reinigt das jährliche Ritual die Seele von Sünden.

Das Gebet am Arafat, rund 20 Kilometer südwestlich von Mekka, ist die wichtigste Zeremonie der fünftägigen Wallfahrt. Hier soll Mohammed im März des Jahres 632 seine letzte Predigt gehalten haben, drei Monate vor seinem Tod. Nach der Überlieferung offenbarte Gott ihm während der Predigt den letzten Teil des Koran, der Heiligen Schrift des Islam. Für die Pilger symbolisiert das Gebet auf dem Arafat den Tag des Jüngsten Gerichts, an dem nach der islamischen wie der christlichen Lehre jeder Mensch vor Gott treten und Rechenschaft über sein Leben ablegen muss.

Vom Arafat ziehen die Pilger weiter nach Musdalifah, wo sie Steine auf drei Säulen werfen – eine symbolische Steinigung der Versuchungen durch den Teufel. Anschließend beginnt das Opferfest Eid el Adha. Die Pilger und Muslime auf der ganzen Welt schlachten Kühe, Schafe, Ziegen oder Kamele und teilen das Fleisch mit den Armen.

Anlässlich des Opferfests haben die afghanische und die pakistanische Regierung einen Teil ihrer Gefangenen freigelassen. Der afghanische Präsident Hamid Karzai ordnete die Entlassung von 19 Pakistanis und 72 Afghanen an, die für das frühere Taliban-Regime gekämpft hatten. Die Regierung der benachbarten pakistanischen Nordwest-Provinz entließ daraufhin ihrerseits 39 Afghanen aus der Haft. In den Gefängnissen der pakistanischen Grenzregion sitzen jetzt noch 396 Afghanen.

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