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Zwei Freisprüche im Wiener Neustädter Mordprozess

Beschuldigt waren eine 33-Jährige und ein ebenso alter Türke, angeblich der Liebhaber der Frau. Die beiden hätten laut Anklage den Ehemann der Beschuldigten im September 2006 in Ternitz (Bezirk Neunkirchen) dazu ermutigt, sich selbst anzuzünden.

Das Opfer, das an religiösen Wahnvorstellungen litt, starb dabei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Hinsichtlich der Mordfrage antworteten die acht Geschworenen in beiden Fällen mit sechsmal Nein und zweimal Ja. Staatsanwältin Barbara Sengstschmid meldete umgehend Nichtigkeitsbeschwerde an. Beide Angeklagte befanden sich rund neun Monate in Untersuchungshaft. Während die Türkin nach dem Urteilsspruch enthaftet wurde, klickten für ihren Landsmann wieder die Handschellen. Der 33-Jährige war in Wien vor rund einer Woche rechtskräftig zu sechs Jahren Haft wegen versuchten schweren Raubes verurteilt worden. Die Dauer der Untersuchungshaft wird ihm auf diese Strafe nun angerechnet.

Als Motiv für die Tat in Ternitz wurde in der Anklageschrift unter anderem Lebensversicherungen des 35-Jährigen genannt, die der Ehefrau zu gute kamen. Auch sollen die 33-Jährige und der Zweitangeklagte ein Verhältnis gehabt haben. Der 35-Jährige habe geglaubt, er sei ein “Dede”, ein Nachkomme Mohammeds. Der Türke habe in der Vorstellung gelebt, dass er nicht sterben werde, wenn er sich selbst anzünde. Dies trat allerdings ein, als er sein Vorhaben umsetzte.

Ursprünglich war der Tod des Mannes als Selbstmord eingestuft worden. Durch anonyme Briefe Monate nach der Tat gerieten die Ehefrau und der 33-Jährige ins Visier der Behörden.

Die beiden Beschuldigten hatten in dem drei Verhandlungstage dauernden Prozess stets bestritten, den 35-Jährigen in den Tod getrieben zu haben. Auch Gerüchte über eine angebliche Beziehung stellten die Angeklagten in Abrede. Die 33-Jährige gab an, ihr Mann sei am Tag des Vorfalls eigentlich wie immer gewesen; eine Erklärung, warum er sich selbst anzündete, hatte sie jedoch nicht.

Der Zweitangeklagte gab an, dass ihm das Opfer erzählt habe, es sei ein “Dede”. Der Türke habe geglaubt, wenn er sich selbst anzünde, werde er dies überleben, meinte der 33-Jährige zur Richterin. Wenige Minuten, bevor sich der 35-Jährige selbst in Brand steckte, habe er zu den Anwesenden gesagt: “Ich werde es machen, ihr werdet Zeugen sein”, schilderte der 33-Jährige. Der 35-jährige Türke habe beweisen wollen, dass er ein “Dede” sei, da ihm dies sein Umfeld nicht geglaubt habe. Der 33-Jährige habe noch versucht, auf das spätere Opfer einzuwirken und gemeint, es habe so etwas nicht nötig.

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