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"Zwang" zum Katalanisch-Sprechen in Schule von Barcelona

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Der Sprachkonflikt in der nordspanischen Region Katalonien treibt auch seltsame Blüten. Wie die Tageszeitung "El Mundo" am Dienstag berichtet, muss in einer Grundschule bei Barcelona auch in den Unterrichtspausen Katalanisch gesprochen werden.

In der Schule des Vororts Cornella hängt nämlich beim Ausgang auf den Schulhof ein großes Plakat mit der Aufschrift: “Auf dem Schulhof sprechen wir Katalanisch” (“Al pati hablem catala”).

Cornella wird mehrheitlich von spanischsprachigen Zuwanderern aus anderen Teilen Spaniens bewohnt, und wie der Vater eines der Kinder berichtet, ist auf dem Hof der Grundschule “Betania” während der Unterrichtspausen kein katalanisches Wort zu hören. Vor diesem Hintergrund würden die Lehrer ihre Schüler auch ermahnen, “dass sie Katalanisch sprechen sollen”, sagte der Mann, der lieber anonym bleiben wollte, der Zeitung. Grundlage für das Plakat ist ein bereits zwei Jahres Dekret der katalanischen Regionalregierung, wonach auch Pausen als Unterrichtsaktivität gelten. Entsprechend muss auch während der Schulpausen die Unterrichtssprache Katalanisch beachtet werden.

Der spanische Unterrichtsminister Angel Gabilondo stellte jedoch klar, dass es keinen Zwang zum Katalanisch-Sprechen auf dem Schulhof geben dürfe. “Es darf keinen Zwang darüber geben, was die Kinder auf dem Hof sprechen sollen”, betonte der sozialistische Politiker. Mit dem Plakat habe das Sprechen der Regionalsprache lediglich “gefördert” werden sollen, sagte Gabilondo. Die sozialistische Regierung in Madrid befindet sich diesbezüglich in einer heiklen Lage, regiert ihre katalanische Schwesterpartei doch mit Unterstützung der nationalistischen Katalanischen Republikanischen Linken (ERC). Im zentralstaatlichen Parlament wiederum ist die sozialistische Minderheitsregierung auf die Duldung der katalanischen Nationalisten angewiesen.

Für Aufsehen sorgt derzeit in Spanien auch der Fall eines elfjährigen Schülers auf der Balearen-Insel Ibiza, der seine Schulprüfungen lieber auf Spanisch als auf Katalanisch ablegen würde. Auch auf den Balearen ist das Katalanische die erste Unterrichtssprache. Er wolle nichts mit dem Sprachenstreit zu tun haben, betonte Olav gegenüber “El Mundo”. “Das einzige, was ich verlange ist, dass man mir erlaubt, mich auf Spanisch auszudrücken.”

Der Sprachenbeauftragte der katalanischen Regionalregierung, Bernat Joan i Mari, verteidigte indes die staatlichen Zwangsmaßnahmen zur Förderung des Katalanischen, etwa Geldstrafen für Unternehmen, die ihre Dienstleistungen nicht auch in der Regionalsprache anbieten. Wenn man die historisch gewachsene Ungleichheit im Sprachgebrauch nicht ausgleicht, “wird das Katalanische nicht überleben”, sagte der ERC-Politiker.

Die oppositionelle konservative Volkspartei (PP) wittert in der jüngsten Sprachendiskussion bereits die Chance, Regelungen zugunsten von Regionalsprachen wie Katalanisch, Baskisch und Galizisch zurückzudrängen. Sie hat im Parlament ein Gesetzesprojekt “zur Gewährleistung des Spanisch-Unterrichts auf allen Schulstufen” eingebracht, über das kommende Woche beraten werden soll. Gabilondo sieht keine Notwendigkeit zum Handeln. Es lägen ihm keine Informationen vor, wonach es in irgendeiner der autonomen Regionen mangelhafte Spanisch-Kenntnisse geben würde, sagte der Minister.

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