Zuviele Köche verderben den Brei

Es hätte so schön werden können, doch die häufigen Publisherwechsel, - zu guter letzt sogar ein Wechsel des Entwicklersstudios haben Rise & Fall, Civilisations at War, nicht gut getan.

Erst letztes Jahr machte der Titel auf der Games Convention eine recht gute Figur. Was ist da bloß geschehen?

Ob es nun an der Manie von Rick Goodmann, seines Zeichens Boss der „Stainless Studios“, die ob der häufigen Publisherwechsel (Anm. d. Red: Gewissermaßen der „Verlag“, unter dessen finanzieller Verantwortung die Vermarktung des Games steht) ihrer Titel traurige Berühmtheit erlangt haben, lag, dass Rise and Fall kaputt entwickelt wurde, ist ungewiß. Gewiss ist: Rise and Fall ist ein solides Spiel geworden, mit etwas mehr Feinschliff wäre daraus ein Geheimtip für Fans des Genres geworden.

Sandalen und Männer in Röcken

Doch beginnen wir mit der Beschreibung des Inhalts: Gewohnte Elemente des Echtzeitstrategiegenres, angesiedelt in der Zeit von Feldherren wie Alexander des Großen, Cäsars oder der süßen Kleopatra. Die Idee der Entwickler: Mittendrin statt nur dabei, zumindest temporär. In der Rolle eines der Helden, beginnt man die jeweilige Kampagne und muss sein Volk durch verschiedene Abenteuer führen. Historisch bedeutsame Schlachten finden dabei auch ihren Raum. Obwohl der Aufbaupart einfach ausgefallen ist, weiß dieser Teil des Games zu gefallen. Wenns in die Schlachten geht, spielt die Engine ihre Muskeln aus: Tausende von Einheiten bevölkern den Bildschirm, aber das frisst Rechenpower ohne Ende. Auf 1280 mal 1024 Bildpunkten und maximalen Details ist eine High End Grafikkarte vonnöten, obwohl die Entwickler die Zahl der einstmals geplanten maximal am Bildschirm befindlichen Einheiten drastisch gesenkt haben.

Terminator-Modus

In diesem Modus kommt eine der Besonderheiten des Games zum Tragen: Wer von uns hat sich nicht gewünscht, einmal als starker Held ins kippende Geschehen eingreifen zu können? Bei Rise and Fall ist das möglich. Während einer gefüllten Ausdauerleiste, die sich durch im Level versteckte Weinkrüge wieder füllen lässt, ist der Sandalenträger praktisch unbesiegbar und metzelt durch die feindlichen Armeen wie der Terminator durch dicke Mauern. Treffer oder Spezialattacken lassen die Ausdauerleiste schrumpfen, wenn sie bei 0 steht, geht’s zurück in den RTS Mode. Dieses Spielelement ließe Actionstrategen wie mich mit der Zunge schnalzen, wenn der Heldenmodus nicht in einigen Missionen Pflicht wäre, wo zum Teil unter Zeitdruck knifflige Aufgaben erfüllt werden müssen, die eher einem Taktik-Shooter zur Ehre gereichen würden, als einem Strategiespiel.

Die bittere Pille

Da sind wir schon bei einem der angekündigten Wermutstropfen von Rise and Fall: Der Schwierigkeitsgrad. Offenbar musste das Game nach einigen zum Teil auch taktischen Verschiebungen nun rasch auf den Markt, in einer Zeit, die sommerlochbedingt eine interessante für E-Games ist. Oder die Entwickler haben es schlichtweg nicht geschafft, Rise and Fall gut auszubalancieren. Jedenfalls werden bei einigen der erwähnten Passagen sogar Profis in die Tastatur beißen. Zudem ist die Steuerung in diesem Modus etwas indirekt ausgefallen, Treffer mit dem Bogen während der Hatz mit dem Streitwagen geraten zur Glückssache. Denkt man sich diese Mankos weg, ist Rise and Fall nicht zuletzt aufgrund der netten, wenn auch nicht unbedingt immer historisch korrekten Missionsdesigns ein gutes Strategiespiel geworden. Der Heldenmodus rockt, besonders im freien Spiel, und im knapp bemessenen Multiplayermodus.

Grafik? Aber bitte mit Power!<

Grafisch ist R&F ein wenig durchwachsen. Hübsche Grafik, viele Einheiten, ein cooler Held, oder Heldin (wobei die niedliche ägyptische Herrscherin Kleo ein wenig zu breit in den Schultern ausgefallen ist und eher an Martina Navratilova erinnert und als Vorbild für das Motion Capturing von Alexander in den Videos augenscheinlich ein Gangstarappa Modell stand), stimmig im Heldenmodus, doch zuweilen kantig in der Nahansicht und auf schwächeren Systemen entweder ruckelig oder mit Abstrichen bei der Optik. Für den Sound hat Rise and Fall einen Oskar verdient und verbreitet „Gladiator“ Feeling, Schlachtenlärm, Synchro, alles passt.

Durchwachsenes Fazit

Mich haben während der Testphase die unfairen Schwierigkeitsgrade bei gewissen Missionen, eine chaotische Wegfindung und eine im Heldenmodus nicht gerade präzise Steuerung genervt. Dazu ist aber zu sagen, dass ich in Bezug auf Gamen ein recht ungeduldiger Mensch bin. Wer sich mit Rise and Fall auseinandersetzt, bekommt ein Spiel geboten, das sich ein wenig vom Einheitsbrei der RTS-Titel abhebt, und wohltuend das Flair der alten Römerschinken aus den 50ern verbreitet. Ich persönlich bleibe vorerst bei Spellforce 2, das trotz kleiner Bugs ausgefeilter wirkt. – Aber das Kind Rise and Fall wurde eben während seiner Entstehungsgeschichte zu oft verstoßen. Anzock empfehlenswert (Demo holen – z.B. Gamefachzeitschrift oder Internet).

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