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Zusperren von Zollämtern war sein "Hobby"

Höchst, Hohenweiler - Morgen vollendet er sein 60. Lebensjahr, zum Jahresende hängt er seine Uniform an den Nagel - Josef "Pepi" Geißler tritt nach über 40 Dienstjahren an der Grenze in den Ruhestand.

Als einer der letzten „Grenzer“, denn seine Funktion als Dienststellenleiter in Höchst wird nicht mehr nachbesetzt. „Weil im Laufe des kommenden Jahres mit dem geplanten Schengen-Beitritt der Schweiz die Grenzpolizei-Inspektion Höchst – so wie alle anderen noch verbliebenen Dienststellen der Grenzpolizei – aufgelöst wird und die Beamten dann nur noch Polizisten sind, übernimmt das bis dahin mein Stellvertreter“, erzählt das „Grenzer-Urgestein“ auf der Fahrt von Höchst nach Gaißau, wo er für den „VN“-Fototermin noch einmal kurz als „Grenzer“ tätig ist. Sehr zur Verwunderung der Passanten, denn heuer wurde der Übergang Gaißau/Rheineck aufgelassen, d. h. er ist nicht mehr ständig besetzt und wird nur noch per Video überwacht.

Ohne Abschiedstränen

Ein Abschied mit Wehmut? „Nein, dafür waren vor allem die letzten paar Jahre zu turbulent“, meint Geißler ohne zu zögern. „Seit dem EU-Beitritt wussten wir alle nicht, wie es weitergehen soll. Manche Kollegen haben den Zolldienst verlassen, einige wenige sind an die Ostgrenzen gewechselt, weil dort der Bestand der Grenze noch länger gewährleistet schien. Ein Irrtum, wie sich zeigt, denn Ungarn und die anderen Nachbarländer haben den Schengen-Beitritt jetzt sogar noch vor der Schweiz vollzogen.“

Ein Müller beim Zoll

Keine zehn Jahre nach dem EU-Beitritt kam der nächste gravierende Einschnitt. Die Zollwache wurde in die Gendarmerie eingegliedert und nur 14 Monate später verschwand auch die Gendarmerie, die in der Polizei aufging. Verschwand? Nicht ganz, denn die Gendarmerie-Uniform hat Geißler behalten. „Wegen den paar Monaten habe ich mir das nicht mehr angetan.“

In die Wiege gelegt war ihm die Beamtenlaufbahn, die von der Zollwache über die Gendarmerie zur Polizei führte, ganz und gar nicht, als Klein-Pepi zwei Tage vor Heilig Abend in Graz das Licht der Welt erblickte. Er erlernte den Beruf eines Müllers, zog dann aber – wie viele seiner jungen steirischen Landsleute – nach Vorarlberg, weil die Aussicht auf einen Arbeitsplatz in seiner Heimat gering war.

„Am 1. September 1967 habe ich im alten Zollhaus Lustenau-Oberfahr einen Einführungslehrgang begonnen und nach sechs Wochen Ausbildung den Dienst am Zollamt Hohenweiler angetreten. Von den 14 Kollegen, die mit mir den Kurs absolvierten, ist nur noch einer dabei.“

Hohenweiler war nur ein kurzes „Gastspiel“. Immerhin lang genug, um die Frau fürs Leben in Vorarlbergs nördlichster Gemeinde zu finden. Beruflich zog es ihn 1971 nach Höchst, wenig später nach Bregenz und 1981 nach Unterhochsteg, wo er zum Jahreswechsel 1994/95 erstmals ein Zollamt zusperrte.

Bis April 1998 versah er Dienst am Autobahnzollamt, das er nach einer Übergangszeit ebenfalls zusperrte. Zwei Jahre Bangs folgten, dann drehte er auch dort den Schlüssel um und heuer schloss er auch noch Gaißau.

„Höchst hätte ich gerne auch noch dicht gemacht“, scherzt der Bald-Pensionist. „Aber für diesen Spaß noch ein paar Monate anzuhängen, das war’s dann doch nicht wert.“

ZUR PERSON

  • Josef Geißler
  • Geboren: 22. Dezember 1947 in Graz/Steiermark
  • Wohnhaft: Hohenweiler
  • Familienstand: verheiratet, kinderlos
  • Erlernter Beruf: Müller
  • Ausgeübter Beruf: Grenzpolizist
  • Hobbys: Radfahren, Wandern, Reisen
  • Lieblingsessen: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat
  • Lebensmotto: Immer positiv denken
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