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„Zusammen kann man Unglaubliches erreichen“

In seinem Zuhause in Bildstein kann der Unternehmer und Präsident des SC Rheindorf Altach dem Alltag entfliehen und die Idylle am Berg genießen.
In seinem Zuhause in Bildstein kann der Unternehmer und Präsident des SC Rheindorf Altach dem Alltag entfliehen und die Idylle am Berg genießen. ©MiK
WANN & WO besuchte Johannes Engl, Präsident des Fußball-Bundesligisten SCR Altach und Enjo-Geschäftsführer in Oberbildstein zum Sonntags-Talk.

WANN & WO: Der SCRA steht zwischen zwei Europacupspielen. Hätten Sie gedacht, dass einmal ein Interview mit Ihnen so eingeleitet würde?

Johannes Engl: Ganz klar: ja. Da können Sie sich gerne im Verein umhören. Entweder man etabliert sich als sympathischer Dorfverein mit Preisjassen, Schlachtpartie, macht eine positive Nachwuchsarbeit und konzentriert sich auf das Vereinsleben. Da wäre das Ziel, bester Amateurverein in Vorarlberg zu werden, was eine löbliche Geschichte ist. Oder man sagt, man will unter die Top 10 von Österreich, weil die Regionalliga, und die Erste Liga Bewerbe sind, in denen man auf lange Sicht zum Tode verurteilt ist. Darum gab es meiner Meinung nach nur zwei interessante Ligen für Altach im Ländle: Bundesliga oder Vorarlbergliga.

WANN & WO: Gehört Altach in die Bundesliga?

Johannes Engl: Ich glaubte immer, dass es möglich ist, sich unter den Top 5 zu etablieren. In der Vereinsspitze und bei denF unktionäre waren immer Personen, die mehr wollten, als ein „normaler“ Verein zu sein.

WANN & WO: Wie war es, mit 28 diese Verantwortung zu übernehmen?

Johannes Engl: Das war fast Tradition beim Verein. Karlheinz Kopf hat den SCRA auch mit 28 Jahren übernommen. Ich hatte keine Ahnung von Fußball und hab dafür zu Beginn auch sehr viel Lehrgeld bezahlt.

WANN & WO: Haben Sie selbst Fußball gespielt?

Johannes Engl: Als Kind in der Steiermark, bis ich 13 war. Ich bin – als Vorarlberger – neben dem Platz von SV Flavia Solva Leibnitz groß geworden. Fußball hat mich immer interessiert, aber eine Liga für die mein Talent gereicht hätte, gab es keine.

WANN & WO: Wie sind Sie Präsident eines Fußballvereins geworden?

Johannes Engl: Ich war zuerst Sponsor des SCRA und ein halbes Jahr später Präsident. Karlheinz hat mir gesagt, das sei simpel, man müsse nur ein paar Hände schütteln. Hat er gut verkauft (lacht). Bald habe ich gemerkt, dass viel mehr dahinter steckt. In den zehn Jahren mit mir als Präsident ist der Verein in die höchste Spielklasse aufgestiegen. Ich habe mich dann zurückgezogen, auch weil mein Nachfolger Werner Gunz übernehmen wollte. Mein Ziel war erreicht: Wir waren wirtschaftlich und sportlich erfolgreich und es war ein Stadion da.

WANN & WO: War es bei der VEU ähnlich?

Johannes Engl: Ich war Vizepräsident bei der VEU. Auch hier wurden wir belächelt, als wir gesagt haben, dass wir ein anerkannter Spitzenclub in Europa werden möchten. Wir waren Siebter in der österreichischen Meisterschaft. Als wir wirklich die European Hockey League gewonnen haben, war das eine Sensation! Darum war mir immer klar, dass man mit guten Leute zusammen Unglaubliches erreichen kann.

WANN & WO: Wie behalten Sie Ihren Biss, mehr zu wollen?

Johannes Engl: Es gibt Leute, die sind zufrieden mit dem, was sie machen. Es gibt auch jene, die ewig unzufrieden sind, oder im Nachhinein das Gefühl haben, es wäre noch besser gegangen. Ich habe Koch gelernt und mein erster Chef hat mir etwas gesagt, das ich nie vergessen werde. An meinem ersten Tag war ich am Gemüse schneiden und er hat mir etwas Zusätzliches aufgetragen. Als ich gesagt habe, ich werde das nebenbei erledigen, meinte er: „Ich sag dir jetzt eines: Nebenbei geht man nicht einmal aufs Klo! Wenn du etwas machst, dann mach es ,ghörig‘ oder lass es!“ Das würde ich heute so unterschreiben, es braucht aber natürlich auch Leidenschaft. Wenn man etwas nicht gerne und mit ganzem Herzen macht, sollte man es gleich bleiben lassen.

WANN & WO: Muss man etwas wagen, um erfolgreich zu sein?

Johannes Engl: Mit einer Anekdote von meinem Bruder kann ich das am besten erklären: Als er nach seiner Lehre als Fotograf den Führerschein bestand, hatte er so eine Freude, dass er gleich am Tag danach das Auto seiner Freundin zerlegt hat. Daraufhin war er so verdattert, dass er spontan eine Mitfahrgelegenheit nach Paris nutzte, ohne Geld oder ein Wort Französisch zu können. Er hat sich als Straßenmaler und Luftballonverkäufer durchgeschlagen und ist dann in die Designschule des Modeschöpfers Pierre Cardin gekommen, über die solche jungen Menschen gefördert werden sollten. Dort hat er eine Weile gearbeitet, bis man im Geschäft einen Verkäufer brauchte, der Englisch und Deutsch konnte. Bei der jährlichen Prêt-à-porter-Show hat Cardin alle Fotografen drei Stunden vor Beginn gefeuert, meinem Bruder Geld in die Hand gedrückt und gesagt: „Du hast doch Fotograf gelernt. Geh eine Kamera kaufen und fotografiere die Show!“ Die Bilder wurden brilliant, wofür ich Joachim immer bewundere. Es gibt auch Leute, die auf ganz unorthodoxe Weise ihren Weg machen.WANN & WO: Warum leben Sie in Oberbildstein?

Johannes Engl: Als sich meine damalige Frau und ich vor etwa fünf Jahren trennten, haben wir die Häuser getauscht, was beide von uns glücklich machte. So war es auch das Beste für meine Kinder Paula und Jonathan dass sie in der gewohnten Umgebung bleiben konnten. Wir haben im Tal ein sehr großes Haus gebaut, aber ich wusste gleich von Anfang an, dass dieses riesige Haus auf Dauer nichts für mich ist. Für mich ist das hier heroben ideal und ich habe mich beim ersten Betreten des Hauses gleich zuhause gefühlt. Ich habe den ganzen Tag so viel um die Ohren, ständig hohe Intensität und Geschwindigkeit im Berufsleben. Hier oben kann ich entschleunigen, die Ruhe genießen und Kraft tanken. Es haben hier auch schon Trainingslager stattgefunden, als Teddy Pawlowski Coach war. Ich weiß noch, wie Erik Regtop hier oben gestanden hat und seine größte Sorge war, wie er am Abend in eine Diskothek kommt (lacht). Wenn ich unten vom Büro hier rauf fahre, betrete ich eine andere Welt. In der Sternschnuppennacht nach dem Sieg gegen Mattersburg habe ich mich zwei Stunden mit Kopfhörern in die Hängematte gelegt und das Naturschauspiel genossen.

WANN & WO: Die Trennung vom Verein 2005 wurde ja in den Medien als unrühmlich bezeichnet. Wie denken Sie heute daran zurück?

Johannes Engl: Zum einen hatte ich zu diesem Zeitpunkt eine wirklich sehr schwierige Zeit im Unternehmen, was meine volle Energie und den Fokus benötigte. Zum anderen verlor ich mit meinem Freund und Mitstreiter Prof. Harald Walser meine Vertrauensperson im Verein. So wurden einige Entscheidungen getroffen, mit denen ich persönlich nicht einverstanden war. Für diese hafte trotzdem ich als Präsident und trage auch die Verantwortung. Es war eine schwierige Situation für alle und es gab einfach auch zu wenig Kommunikation. Der entscheidende Punkt war dann die Vertragsverlängerung mit Michi Streiter. Ich schätzte ihn sehr, aber zu diesem Zeitpunkt empfand ich die Verlängerung als zu früh und zu lange.

WANN & WO: Wie ging es weiter?

Johannes Engl: So blieben mir in Wirklichkeit nur zwei Optionen: Entweder wieder 100 Prozent die aktive Führungsrolle beim SCRA zu übernehmen, oder das Präsidentenamt zurückzulegen. Auch im Sinne des Vereins, weil dieser braucht weder Unruhe noch persönliche Diskussionen. Die Trennung war somit in Ordnung, auch weil ich den Verein gesund und auf einem Aufstiegsplatz übergeben habe. Das Flugzeug war bereits oben. Ich war es damals und bin heute noch davon überzeugt, dass der Verein auch danach mit bestem Wissen und Gewissen geführt wurde. Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre belegt das auch.

WANN & WO: Warum lässt sich über den privaten Johannes Engl kaum etwas herausfinden?

Johannes Engl: Ich bin nie jemand gewesen, der sich in den Vordergrund drängt – so hoffe ich wenigstens. Das habe ich auch nicht nötig. Als ich vor Kurzem im Messepark jemanden vom Austria Lustenau-Vorstand getroffen und mit ihm einen Kaffee getrunken habe, erkannte ihn die Kellnerin, sie sei ein riesiger Fußball-Fan. Von mir wusste sie nicht, wer ich bin. Das würde einem Hubert Nagel nicht passieren. Die Anerkennung, die ich brauche, bekomme ich von Leuten, die mir nahe stehen. Was ich immer mache, ist meine Stadionrunde, auf die ich bei keinem Heimspiel verzichte. Ich finde, es ist wichtig, den Besuchern und Fans auf diese Weise auch etwas zurückzugeben und zu zeigen, dass man sie schätzt und respektiert genauso wie jene die sich im VIP oder Businessclub befinden. Ich bin ja ein Drittel vom Jahr im Ausland und wenn ich da bin, möchte ich viel Zeit mit meinen Kindern verbringen, weil ich getrennt lebe. Sie am Wochenende bei mir zu haben, ist ein wichtiger Ausgleich zu den anderen Dingen.

WANN & WO: Wovon kann man dieser Tage als Altach-Fan noch träumen?

Johannes Engl: Ich bin ja zwar nie ganz zufrieden, aber sehr wohl froh und stolz über das erreichte, aber sehe auch, dass wir uns noch verbessern können. Die Gruppenphase wäre ein unglaublicher Erfolg, den ich auch für erreichbar halte. Das höchste der Gefühle wäre eine Begegnung mit Southhampton, denn mit Ralph Krueger, dem ehemaligen VEU-Coach und jetzigen General Manager des Premier League-Clubs, verbindet mich eine enge Freundschaft. Er ist der Patenonkel meines Sohnes. Dass wir uns im Fußball international begegnen, würde mich sehr freuen.

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