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Zur zweiten Goldmedaille gesegelt

Österreichs Tornado-Segler Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher sind am Samstag zum zweiten Mal nach Sydney 2000 Olympiasieger geworden.

Sportpsychologe Günter Amesberger hat nach der Goldmedaille 2000 in Sydney gemeint, dass man Roman und Hans Peter fast zwingen muss, sich zu freuen. In dieser Hinsicht haben sich Hagara/Steinacher seit dem Olympiasieg nicht sehr verändert. Klar gibt es – wie nach dem erneuten Olympia-Triumph in Athen – den großen Jubel, doch danach kehrt relativ schnell wieder Ruhe bei Österreichs Ausnahmeseglern ein. „Nach außen hin sind sie einfach vier Jahre älter geworden und ein bisschen gereift“, sagt Coach Alfred Pelinka. Und wer das erfolgreiche Duo kennt, der weiß, dass auch diese zweite Goldmedaille nichts an ihrem Sympathiewert, der auf Zurückhaltung und Respekt basiert, ändern wird.

Hagara/Steinacher, das sind ein 38-jähriger Wiener und ein 35-jähriger Zeller, die seit 1997 höchst erfolgreich gemeinsam im Tornado segeln. Ein Team wurden sie nach einem Eishockey-Benefizspiel in Zell am See, als Hagara den Salzburger fragte, ob er nicht sein Vorschoter sein will. Steinacher, der zu diesem Zeitpunkt schon den Reifenhandel seines Vaters führte, erinnerte sich seiner seglerischen Vergangenheit und überredete seinen Vater wieder zur Geschäftsführung des Familienbetriebes.

Die Segelkarriere von Roman Hagara, der als Kind Tischler werden wollte und auch heute noch gerne mit Holz arbeitet, begann 1980. Der damals 14-Jährige machte in Breitenbrunn am Neusiedlersee seine ersten Versuche und nahm bald an einer Hobie-Cat-Regatta teil. Die sportliche Karriere von Hans Peter Steinacher hingegen hätte eigentlich auf Skiern stattfinden sollen, er absolvierte die Sporthauptschule und Skihandelsschule in Schladming, drückte u.a. mit Ulli Maier und Siegfried Voglreiter die Schulbank.

Er war 16 Jahre, als er sich eingestehen musste, dass es mit einer Olympiamedaille – davon träumte er schon als Kind – im Super G oder Riesentorlauf nichts werden würde und verlagerte sein Interesse aufs Segeln, anfangs in der Laser-Klasse. Später wechselte er als Steuermann zu den Tornados, sein Vorschoter war Harald Vettermann. Die größten Rivalen hießen Andreas und Roman Hagara, damals noch Vorschoter seines älteren Bruders. Und wieder stieß der Salzburger an seine Grenzen, er kehrte dem Segelsport den Rücken.

Die Hagaras hatten sich 1992 als Team getrennt und mit anderen Partnern Olympiakampagnen gestartet, und Roman verlor 1996 mit Wolfgang Moser die interne Qualifikation um einen Startplatz bei den Sommerspielen in Atlanta gegen Andreas.

Und so kam es, dass sich Roman und Hans Peter 1997 wieder trafen und – jetzt war Hagara der Steuermann und Steinacher der Vorschoter – nach nur vier Monaten Zusammenarbeit schon den Europameistertitel holten. Sie setzten sich Olympia 2000 in Sydney zum Ziel, agierten auf dem Weg dorthin mit einer beispiellosen Souveränität, räumten die Titel der Reihe nach ab und wurden nach der gewonnenen ÖSV-Ausscheidung gegen Andreas Hagara/Wolfgang Moser in Australien ihrer Rolle als Gold-Favoriten vollauf gerecht. Schon vor den beiden letzten Wettfahrten war ihnen der Olympiasieg sicher, ein Kunststück, das noch kein Tornado-Duo vor ihnen geschafft hatte!

Roman Hagara, liiert mit Fotografin Sabine König, und Hans Peter Steinacher, verheiratet mit Christiane und Vater von zwei Kindern (Stefan und Marlene), haben dann ab März 2001 alles dem Ziel Olympiamedaille in Athen untergeordnet und sich auch im Verzicht geübt. Denn sie wussten, sie konnten nicht genau so weitermachen wie vor Sydney. Sie hatten nach der Materialrevolution keinen Vorteil mehr, mussten sich eine andere Taktik zurechtlegen und richteten sich an der Agios-Kosmas-Küste vor Athen praktisch einen Zweitwohnsitz ein. Dabei lernten sie das Revier kennen wie kein anderes Team, jeden Wind, jede Welle.

Deshalb waren die ganz großen Erfolge bei Europa- und Weltmeisterschaften in den drei Jahren vor Athen auch ausgeblieben. Nicht, weil sie nicht das Optimum wollten, sondern weil es einfach nicht möglich war. Denn jede WM, jede EM, jede große Regatta war nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Athen, wo ein Boot im Hafen lag und darauf wartete, dass auf ihm im August 2004 zu einer weiteren Olympia-Medaille gesegelt wird. Sie erstrahlte am Samstagabend bei der Siegerehrung erneut in Gold! Damit sind Hagara/Steinacher nun auch die ersten Tornado-Segler, die ihren Olympia-Triumph wiederholt haben.

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