Zugunglück in Mannheim: Experten haben Ermittlungen aufgenommen

Mannheim: Güterzug rammt Eurocity - Dutzende Verletzte.
Mannheim: Güterzug rammt Eurocity - Dutzende Verletzte. ©EPA
Es hätte eine Katastrophe werden können - ein Güterzug mit Chemikalien rammt nahe Mannheim einen aus Graz kommenden Eurocity. Zum Glück waren die Züge nicht schnell unterwegs. Experten müssen nun viele Fragen klären. Im Bahnverkehr gibt es Störungen.
Güterzug rammt Eurocity

Nach dem Zugunglück in Mannheim mit dutzenden Verletzten haben Spezialisten die Ermittlungen an der Unfallstelle aufgenommen.

35 Verletzte, vier davon schwer

Die Bundespolizei machte am Samstag von einem Hubschrauber aus Aufnahmen von den zerstörten Waggons. Auch die Experten der Unfalluntersuchungsstelle des Bundes trafen in Mannheim ein. Nach Angaben der Bundespolizei wurden bei dem Zugunglück 35 Menschen verletzt, 4 von ihnen schwer. Im Bahnverkehr kam es wegen gesperrter Gleise zu Störungen.

Zwei Österreicher unter Leichtverletzten

Unter den Leichtverletzten waren auch zwei Männer aus Oberösterreich und Salzburg, wie Martin Weiss, der Sprecher des Außenministeriums, am Samstag der APA mitteilte. Nähere Angaben zu Ihrer Identität lagen vorerst nicht vor. Die Betroffenen wären ambulant behandelt worden und hätten das Spital danach verlassen können, sagte Weiss.

Zugsunglück verläuft relativ glimpflich

Ein Güterzug, der auch Chemikalien geladen hatte, und ein Eurocity waren am Freitagabend in der Nähe des Hauptbahnhofs zusammengeprallt.

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Zwei Waggons mit 110 Passagieren kippten um. Der Unfall lief noch recht glimpflich ab, da das Tempo bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof gedrosselt war. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wurde am Samstag am Hauptbahnhof erwartet – er wollte sich ein Bild vom Unfallort machen.

Foto: APA/dpa
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“Wir ermitteln in alle Richtungen”

Experten müssen nun klären, warum der Güterzug den Eurocity rammte. Wie eine Sprecherin der Untersuchungsstelle des Bundes berichtete, überprüften die Bahn-Spezialisten unter anderem den Betriebsablauf. Außerdem müsse untersucht werden, ob die Signale und die Fahrzeuge richtig funktionierten. “Wir ermitteln in alle Richtungen”, hieß es.

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Keine gefährlichen Stoffe ausgetreten

Der Güterzug auf dem Weg von Duisburg nach Ungarn hatte laut Bundespolizei zwei Gefahrgut-Container geladen. Die Behälter mit der Chemikalie seien aber nicht beschädigt worden, es seien keine gefährlichen Stoffe ausgetreten, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Der Unfallort wurde gesperrt.

Passagiere aus umgekippten Waggons befreit

Die Passagiere waren in der Nacht aus den Waggons befreit worden. Nach Angaben der Bundespolizei kamen insgesamt 14 Verletzte in Krankenhäuser, von ihnen waren 4 schwer verletzt aber nicht in Lebensgefahr.

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Störungen im deutschen Bahnverkehr

Das Zugunglück löste am Samstag Störungen im Bahnverkehr aus. Drei von insgesamt zehn Gleisen am Hauptbahnhof – eine zentrale Achse im Fernverkehr – waren am Samstag noch gesperrt. Es kam zu Ausfällen und Umleitungen. Die Verspätungen seien jedoch gering, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Samstagmorgen. Die Störungen im Fernverkehr hielten sich in Grenzen.

Schwere Zugunglücke in Deutschland

Bahnfahren ist relativ sicher – dennoch kommt es auch in Deutschland immer wieder zu Unglücken. Einige Beispiele:

September 2012: Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

April 2012: Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einem Baukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

Januar 2012: Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

September 2011: Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen ins Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

Januar 2011: Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.

August 2010: Beim Zusammenstoß eines ICE mit einem Müllwagen werden im Pfälzerwald 15 Menschen verletzt, einer von ihnen schwer. Der Wagen war von einem schmalen Weg direkt neben die Gleise gerutscht.

Oktober 2009: Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

April 2008: Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise. Bilanz: 73 Verletzte.

Juni 2003: Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

September 2001: Beim Frontalzusammenstoß von zwei Regionalzügen werden in Enzisweiler am Bodensee rund 80 Menschen verletzt.

Februar 2000: In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: Neun Tote, 149 Verletzte.

Juni 1998: Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

(dpa/red)

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